18.01.2022

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20.04.13 / Äußerst einseitig

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Äußerst einseitig

Während man ständig von Grußbotschaften christlicher Würdenträger zu muslimischen Feiertagen wie das Fastenbrechen zu Ramadan oder das Aschura-Fest liest, finden sich nur wenige gleichlautende Wünsche von Seiten muslimischer Vertreter zu christlichen Festen.  Googelt man im Internet den Begriff „interreligiöser Dialog“ findet man viele Einträge bei christlichen Kirchen und wenig bei muslimischen Seiten, was jedoch auch an der Organisationsform der verschiedenen Religionen liegt. Immerhin findet man beim Dachverband der türkisch-islamischen Moscheen in Deutschland, der Ankara unterstellten Ditib,  das Thema „interreligiöser Dialog“. Doch in der Realität wird dieser in der Türkei nicht gelebt. Christen sehen sich dort strengen Reglementierungen ausgesetzt, die wenig mit religiöser Freiheit zu tun haben.

Zuletzt belegte der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July im Februar bei seiner Reise in den Oman, dass der Wille zum interreligiösen Dialog von christlicher Seite so groß ist, dass dafür auch Fakten ausgeblendet werden. So sagte July über das Sultanat, in dem die Scharia gilt: „Hier kann man als Christ gut leben, Gottesdienste feiern, Kirchen bauen.“ David Atkinson vom überkonfessionellen Hilfswerk „Open Doors“ widerspricht. Gegenüber der PAZ sagte er, dass die etwa 35000 ausländischen Christen nur an drei Stellen registrierte Gottesdienste feiern könnten. Diese Gebäudekomplexe seien aber von außen nicht als Kirchen erkennbar. Zudem würden alle Gottesdienste von Beamten überwacht, um Aussagen zu überprüfen und um sicherzustellen, dass keine einheimischen Besucher teilnehmen. Wer vom Islam zum Christentum konvertiert, müsse mit dem Verlust von Familie, Arbeitsstätte und mehr rechnen.            Bel

 

Zeitzeugen

Peter Turkson – Der in Ghana geborene Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche wurde kurzfristig als möglicher Nachfolger von Papst Benedikt XVI. gehandelt. Doch seine kritischen Positionen zur Homosexualität und zum Islam sind im Vatikan nicht mehrheitsfähig und einigen Bischöfen und Kardinälen peinlich.

Magdi Cristiano Allam – Der 2008 von Papst Benedikt XVI. getaufte, in Ägypten geborene Journalist sorgte mit seinem Austritt aus der katholischen Kirche vor Ostern für Schlagzeilen. Der prominente Konvertit und EU-Abgeordnete verließ schon 2010 seine  christdemokratische UDC, weil diese über das EU-Parlament indirekt mit der islamisch-konservativen türkischen AKP zusammenarbeitet.

Aiman Mazyek – Erst klang es so, als fordere der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland die Einführung zweier gesetzlicher Feiertage für Muslime. Dies wäre „ein wichtiges integrationspolitisches Zeichen“ und würde „die Toleranz in unserer Gesellschaft“ unterstreichen, so der 1969 in Aachen Geborene. Doch bereits wenige Tage später meinte der Sohn eines Syrers, man habe ihn falsch verstanden. Es sei ihm nicht um arbeitsfreie Tage gegangen, sondern um die Aufnahme der Termine in einen interreligiösen Kalender.

Hans-Jochen Jaschke – Dieses Mal konnte sich Mazyek nicht auf Unterstützung der Kirchen verlassen. So betonte der Hamburger Weihbischof und Vorsitzende der Unterkommission der Bischofskonferenz für den interreligiösen Dialog, muslimische Feiertage hätten keinen öffentlichen Charakter wie christliche Feiertage, die ein Zeichen der deutschen Kultur und der christlichen Prägung des Landes seit über 1000 Jahren seien.

Frank Otfried July – Der 1954 geborene Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg war bei seiner Reise in den Oman begeistert von der Toleranz, die er dort erlebte (siehe Kasten rechts). So war er angetan davon, dass er als Christ in einer Moschee vor 150 ausgesuchten Gästen sprechen durfte. Er bedauert, dass manche immer Bilder von verfolgten Christen vor Augen haben, das würde die Offenheit beim Dialog mit dem Islam nehmen.


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