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20.04.13 / Deutsches Troll-Haus / Bayern hat ein Schweden-Museum – Von dort stammte John Bauer, der nordischen Trollen ein Gesicht gab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Deutsches Troll-Haus
Bayern hat ein Schweden-Museum – Von dort stammte John Bauer, der nordischen Trollen ein Gesicht gab

Die Schweden lieben ihre Mär­chentrolle. Das wichtelhafte Bild, das sie von ihnen haben, stammt aber von einem Künstler, der seine Wurzeln in Bayern hat.

Wenn die Schweden mit dem Auto nach Italien fahren, erreicht sie spätestens in Franken die Müdigkeit, vermutlich irgendwo zwischen den Ausläufern der Rhön und Würzburg. Nicht wenige fahren dann von der Autobahn 7 ab und suchen ein fränkisches Landhotel auf.

Mit etwas Glück kommen sie durch die Ortschaft Ebenhausen bei Bad Kissingen. Hier gibt es zwar kein Hotel, doch seit bald zwei Jahren ein kleines Museum, das einem berühmten Schweden gewidmet ist: John Bauer.

Auch im schwedischen Jönköping gibt es ein John-Bauer-Museum (als Teil des dortigen Landesmuseums). In Schweden kann man nicht nur die Bauer-Originale im Museum betrachten, sondern alles Mögliche mit Bauer-Motiven kaufen – vom Kaffeebecker bis zur Auslegeware – und selbst auf den Toiletten der „Astrid-Lindgren-Welt“ in Vimmerby hängen Drucke der bekannten Zeichnungen. Mit anderen Worten: In Schweden sind die Arbeiten John Bauers allgegenwärtig.

Berühmt wurde Bauer mit dem 1907 erschienenen Bilderbuch „Bland Tomtar och Troll“, das als „Unter Wichteln und Trollen“ auch in deutsche Kinderzimmer vordrang. John Bauer hat wie kein anderer die Mythen und Erzählungen des schwedischen Volkes in Bilder umgesetzt. Er hat die Legenden und Fabeln, die Schweden an langen Winterabenden erzählen, in vom Jugendstil beeinflusste Bilder umgesetzt. Bauer ist mit seinen Zeichnungen so berühmt geworden, dass man meinen könnte, er sei der wahre Urheber der geheimnisvollen Parallelwelt, an die schwedische Kinder bis heute glauben.

John Bauers Vater, Joseph, stammte aus dem fränkischen Ebenhausen. Das Wohnhaus der Großeltern grenzte an das alte Schloss, dessen „moderner“ Barockflügel von Balthasar Neumann entworfen wurde, dessen ältester Teil bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht, als noch das Geschlecht der Hennebergs über diesen Teil Frankens herrschte.

Joseph war erst 13 Jahre alt, als seine Eltern kurz hintereinander starben. Was sollte er noch in Ebenhausen? Sein Bruder war nach Schweden ausgewandert – zu ihm wollte er. Im Jahr 1863 reiste er in den hohen Norden, in das unbekannte skan­dinavische Land. Ob­wohl er keine Adresse hatte und obwohl er wochenlang durch Schweden irrte, fand er seinen Bruder.

Joseph blieb in der neuen Heimat, fand sein Glück, heiratete. 1882 kam Sohn John zur Welt – und bewies früh seine künstlerische Begabung. John studierte an der Kunstakademie in Stock­holm und machte sich bereits in jungen Jahren einen Namen als Zeichner.

Bereits 1902 reiste Bauer als 20-Jähriger in die alte Heimat seines Vaters – so neugierig hatten ihn Josephs Erzählungen gemacht. Er besuchte das Elternhaus und betrachtete das Schloss, vielleicht der Ursprung all seiner Trolle. Die Handzeichnung, die er damals vom Elternhaus anfertigte, ist heute in dem kleinen Museum am Ebenhausener Marktplatz zu sehen.

Zurück in Schweden begann seine große Karriere. Er heiratete Ester Ellquist, eine Künstlerin, die er auf der Akademie kennengelernt hatte; 1915 bekamen sie einen Sohn. Das Schicksal meinte es jedoch nicht lange gut mit John Bauer und seiner Familie. Bei einem Schiffsunglück auf dem Vätternsee, an einem dunklen Novembertag des Jahres 1918, ertranken seine Frau, sein dreijähriger Sohn und er.

John Bauer wurde in Schweden eine Legende – und ist es bis heute. In Deutschland ist er hingegen weitgehend unbekannt. Das kleine, aber sehenswerte Bauer-Museum in Ebenhausen, im Mai 2011 eröffnet, soll das ändern. Allerdings zeigt es vor allem Reproduktionen der Grafiken. Die Originale geben die Schweden nicht her oder sie sind zu teuer, heißt es in Ebenhausen.

Das benachbarte Schloss, eines der schönsten und geheimnisvollsten fränkischen Schlösser, steht seit Jahren leer und verfällt allmählich. Wenn man durch die fast blinden Fenster guckt oder durch die Spalten des hölzernen Tors einen Blick in den Innenhof wirft, dann glaubt man gerne, dass hier noch heute die Trolle leben, sich in der Nacht aus ihren Verstecken wagen und im Schutz der Dunkelheit den Hof und das prachtvolle Barock-Treppenhaus bevölkern.

Der Bürgermeister der Gemeinde Oerlenbach, zu der Ebenhausen gehört, skizziert die Vision, dass in das Schloss ein Hotel einziehen müsste, ein Hotel, das schwedische Italienurlauber auf der Durchreise beherbergt. Es ist eine bestechende Idee – nur hat sich bis heute kein Investor gefunden, der die Millionen aufbringt, um aus dem verwunschenen Märchenschloss ein renditebringendes Unternehmen zu formen.

Nach Monaten des Umbaus wurde im schwedischen Jönköping am 8. März 2013 das John-Bauer-Museum wieder eröffnet. 1127 Kilometer nördlich von Ebenhausen.          Nils Aschenbeck


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