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20.04.13 / Fünf Tage vor Kriegsende von Briten versenkt / Die »Deutschland« ging mit der »Cap Arcona« und der »Thielbeck« in der Neustädter Bucht unter – Vor 90 Jahren lief sie vom Stapel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Fünf Tage vor Kriegsende von Briten versenkt
Die »Deutschland« ging mit der »Cap Arcona« und der »Thielbeck« in der Neustädter Bucht unter – Vor 90 Jahren lief sie vom Stapel

Schon vor dem Ende des Ersten Weltkrieges plante die Hamburger Reederei Hapag für die Friedenszeit die Wiederbelebung des Transatlantikverkehrs. Mit den neuen großen Passagierdampfern „Albert Ballin“ und „Deutschland“ wurden wirtschaftliche Schiffe mit rund 20000 Bruttoregistertonnen konzipiert, die nichts mehr mit dem Gigantismus der mehr als doppelt so großen letzten Vorkriegsbauten „Imperator“, „Vaterland“ und „Bismarck“ gemein hatten.

Beim Stapellauf am 28. April 1923 taufte der damalige Reichspräsident Friedrich Ebert die „Deutschland“ mit dem Wunsch, dass dieser traditionsreiche Schiffsname auf den Weltmeeren wieder einen hoffnungsvollen Klang haben solle. Bei der Ausstattung wurde das Kunstwerk vollbracht, neben einer luxuriösen Ersten Klasse eine komfortable Zweite Klasse und eine behagliche Dritte Klasse zu schaffen. Reisende aller Schichten sollten sich auf dem Schiff wohlfühlen. Die von deutschen Innenarchitekten entworfene Raumgestaltung war geschmackvoll und individuell. Die Räume waren dekoriert mit Elementen aus dem deutschen Kunsthandwerk. Hier wurde ein starker Wandel vollzogen weg vom pompösen Prunk der Vorkriegszeit, der damals von französischen Architekten gestaltet worden war. Das Reedereigeschäft war schwierig in der Zeit. Durch die Inflation fehlte den Deutschen das Geld zum Reisen. Außerdem hatten die Amerikaner sehr restriktive Quoten für die Einwanderung festgelegt, so dass die Dritte Klasse, die als preiswerteste Passage für die Auswanderer konzipiert war, kaum ausgelastet war. Durch regelmäßige Umbauten wurde die „Deutschland“ immer wieder den wechselnden Bedürfnissen der Passagiere angepasst und fuhr bis Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf der Transatlantikroute. Nach dem Kriegsausbruch lagen diverse große Passagierdampfer in den Ostseehäfen als Wohnschiffe für die Kriegsmarine. Die „Deutschland“ wurde ab Ende 1940 als Wohnschiff für die U-Boot-Flottille in Gotenhafen eingesetzt.

Anfang 1945 spitzte sich die Lage in der östlichen Ostsee zu, so dass Mitte Januar die dort in den Häfen liegenden großen Schiffe für die Flucht über die Ostsee wieder in Fahrt gebracht wurden. Die „Deutschland“ fuhr siebenmal gen Westen, jeweils mit etwa 10000 Menschen an Bord und rettete dabei fast 70000 Menschen das Leben. Diese Transportleistung war ein „Spitzenwert“. Allerdings muss man auch die Abmessungen der Schiffe berücksichtigen, und die „Deutschland“ gehörte neben der „Cap Arcona“, „Robert Ley“ und „Wilhelm Gustloff“ zu den größten. Insgesamt waren 700 Schiffe unterschiedlichster Größe am „Unternehmen Rettung“ beteiligt, die zusammen über 2,4 Millionen Menschen westwärts in Sicherheit brachten.

Ab Mitte April lag die „Deutschland“ in der Neustädter Bucht, zusammen mit der „Cap Arcona“ und dem kleinen Frachter „Thielbek“, die mit KZ-Häftlingen aus Konzentrationslagern voll beladen waren. Die „Deutschland“ hingegen sollte eigentlich zum Lazarettschiff umgerüstet werden, doch plötzlich wurden die Umbauarbeiten eingestellt und auch sie sollte nun Häftlinge aufnehmen – die aber noch nicht eingetroffen waren.

Am 3. Mai 1945 mittags überflogen zwei englische Flugzeuge das Schiff und warfen Brandbomben. Die Besatzung löschte die kleinen Feuer und ging aus Sicherheitsgründen von Bord, da befürchtet wurde, dass die Engländer zurückkämen. Auf der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“, die keine Chance zur Evakuierung hatten, brachte die Besatzung weiße Tücher und Bettlaken an Deck. Nach zwei Stunden erschien ein englisches Jagdbombergeschwader, das mit einem Raketenangriff gnadenlos alle drei Schiffe in ein Flammenmeer verwandelte. Auf der „Cap Arcona“ und „Thielbek“ starben etwa 8000 Menschen, davon etwa 7000 Überlebende aus den Konzentrationslagern. Es überlebten nur 510 Personen von Bord der beiden Schiffe und die Besatzung der „Deutschland“, die sich im Vorwege hatte retten können. Eine unfassbare Tragödie, denn die Engländer standen schon kurz vor Neustadt und Pelzerhaken, am Abend des 3. Mai 1945 war auch dort der Krieg vorbei. Britta Heitmann


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