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20.04.13 / Sieg mit doppelt so hohen Verlusten erkauft / In der ersten Schlacht der Befreiungskriege schlug Napoleon Bonaparte die verbündeten Preußen und Russen bei Großgörschen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Sieg mit doppelt so hohen Verlusten erkauft
In der ersten Schlacht der Befreiungskriege schlug Napoleon Bonaparte die verbündeten Preußen und Russen bei Großgörschen

Nach der Schlacht bei Großgörschen zogen sich Preußen und Russen nach Dresden zurück, gelten insofern als Verlierer. Napoleons Sieg war allerdings mit 22000 Toten und Verwundeten teuer erkauft. Die Preußen verloren 8500 Mann, ihre russischen Verbündeten 3000.

Am 17. April 1813, drei Wochen nachdem Preußen seinen mit der Konvention von Tauroggen eingeleiteten Seitenwechsel mit der Kriegserklärung an seinen vormaligen Verbündeten Frankreich abgeschlossen hatte, traf der französische Kaiser Napoleon in Mainz ein und gliederte seine dortige Streitmacht einschließlich der Garde in 13 Korps mit insgesamt 151000 Mann. Er verfügte aber nur über wenig Kavallerie, da im Russlandfeldzug fast alle Pferde verlorengegangen waren. Ende April überschritt er die Saale bei Merseburg und Weißenfels. Ursprünglich wollte der Franzosenkaiser rasch die Oderlinie gewinnen, um die eingeschlossenen Festungen Stettin und Danzig zu entsetzen und sich mit dem polnischen Korps unter Fürst Józef Antoni Poniatowski zu vereinigen. Doch das Vordringen der Russen veranlasste Bonaparte, seinen Plan zu ändern. Er wollte sich zunächst mit seinem Adoptivsohn Eugène de Beauharnais, dem Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt, vereinigen und dann die Elbe östlich von Leipzig überqueren.

Nachdem Preußen am 27. Februar ein Bündnis mit Russland geschlossen hatte, verfügte die preußische Armee zunächst über 107000 Mann im Felde sowie 30000 Garnisonssoldaten und Reservisten. Die Verbündeten rück­ten im Norden mit 45000 Mann an, darunter zwei preußische Korps. Diese vom russischen General Ludwig Adolph Peter Graf zu Sayn-Wittgenstein befehligte Armee sollte über Berlin an die Elbe marschieren. Eine zweite Armee unter General Gebhard von Blücher hatte mit 40000 Mann von Schlesien aus gegen Dresden vorzugehen, während eine russische Reservearmee mit 80000 Mann unter dem greisen Marschall Fürst Michail Kutusow im Abstand von drei Tagesmärschen folgen sollte. Preußens König Friedrich Wilhelm III. und Russlands Zar Alexander begleiteten die Truppen. Blücher setzte Anfang April über die Elbe bei Dresden, während Beauharnais am 5. April westlich von Möckern von Teilen der Nordarmee zum Rückzug gezwungen wurde.

Während die Verbündeten zwischen Dessau und Meißen auf einer Breite von fast 100 Kilometern verteilt waren, marschierte Napoleon mit vier Korps auf Leipzig. Am 1. Mai übernachtete er bei Lützen auf dem historischen Schlachtfeld von 1632, auf dem im Dreißigjährigen Krieg der damalige Führer der Protestanten, König Gustav II. Adolf von Schweden, den Schlachtentod gefunden hatte. Währenddessen besetzte das Korps von Michel Ney, Herzog von Elchingen und Fürst von der Moskwa, vier Ortschaften in der Umgebung als Flankensicherung gegen Osten. Dort standen südöstlich auf dem jenseitigen Ufer der Weißen Elster die Preußen und Russen, die für den nächsten Tag einen Angriff in die rechte Flanke Bonapartes planten. Dieser hatte die Position des Gegners nicht aufklären können und nahm an, dass Blücher und Wittgenstein dicht vor Leipzig stünden.

Während er am 2. Mai mit seiner Hauptmacht auf Leipzig marschierte, ließ er das Korps Ney in seiner tiefen rechten Flanke zur Sicherung zurück. Um die Mittagszeit griffen jedoch Preußen und Russen überraschend an und entrissen Ney die vier besetzten Dörfer. Napoleon erkannte rasch seinen Fehler, befahl Ney, unbedingt standzuhalten, und warf seine Truppen herum, um in die Schlacht einzugreifen. Die Franzosen gewannen alle vier Dörfer, doch als Blücher seine Reserve einsetzte, konnte er drei davon zurückerobern, wobei die Preußen eine außergewöhnliche Tapferkeit an den Tag legten, die sogar Bonaparte Respekt abnötigten. Mit einer solchen Kampfeswut des Gegners hatte er nicht gerechnet. Als gegen Abend die französische Garde eintraf, gelang es ihr, das Blatt zu wenden, so dass die Preußen nur mehr im Besitz von Großgörschen blieben. Blücher wollte die Schlacht am nächsten Tag fortsetzen, doch General Wittgenstein überredete den Zaren, den Rück­zug anzutreten.

Die Schlacht hatten die Franzosen und ihre Vasallen außerordentlich hohe Verluste gekostet: 22000 Mann waren gefallen oder verwundet worden, wogegen die Preußen und Russen nur die Hälfte einbüßten. Da die Preußen auf ihrem Teil des Schlachtfeldes die Nacht verbrachten, schrieben sie sich den Sieg zu. Doch konnte Napoleon nach ihrem Rückzug den Tag für sich buchen, wenn ihm auch kein großer Erfolg beschieden war. Auf Seiten der Verbündeten wog jedoch ein Ausfall schwer: General Gerhard von Scharnhorst, der Stabschef Blüchers, hatte am Knie eine Schussverletzung erlitten, ließ sich aber nicht durch sie beirren. Noch in der Nacht gab Scharnhorst die propagandistisch gefärbte Meldung weiter, dass man einen Sieg erfochten hätte. Er unterließ es, die Verletzung auszukurieren und wollte den Kaiserhof in Wien unbedingt zum Kriegseintritt bewegen. Auf dem Weg dorthin verschlimmerte sich die Wunde und er starb in Prag am 28. Juni.

In der Folge zogen sich die Verbündeten nach Schlesien zurück. Bonaparte errang zwar noch am 20./21. Mai einen verlustreichen Sieg bei Bautzen, doch Marschall Charles-Nicolas Oudinot, Herzog von Reggio, wurde am 4. Juni bei Luckau – 70 Kilometer südöstlich von Berlin – von General Fried­rich Wilhelm Freiherr von Bülow geschlagen, worauf sich Napoleon auf den Waffenstillstand von Pläswitz einließ. Der Feldzug hatte zu seiner Enttäuschung keine Entscheidung gebracht, und der Waffenstillstand entpuppte sich als schwerer Fehler, da er die Position der Verbündeten stärkte und Österreich auf den Plan rief. Heinz Magenheimer


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