23.01.2022

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20.04.13 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

Frühjahrsputz ist angesagt – ward ook Tied! Nicht nur wegen der großen Suchwünsche, die nun einmal Vorrang haben, wurde manche kleine Anfrage zur Seite gelegt, sondern auch in dem guten Glauben, dass wir die Sache selber erledigen könnten. Aber dann stellt man fest, dass das mit „Bordmitteln“ allein nicht geht, in den eigenen Beständen wird man nicht fündig, und so ergeben sich Zeitverzögerungen in der Bearbeitung. Auch ein neues Problem kommt hinzu, dass sich immer stärker bemerkbar macht: Einige Leserinnen und Leser sind physisch nicht mehr in der Lage, ihre Wünsche zu übermitteln und bitten deshalb um einen Anruf von unserer Seite. Da gibt es dann, wenn die Gespräche überhaupt zustande kommen, lange Telefonate, und wegen schwieriger Verständigung ist mitunter ein weiteres Nachfassen nötig. Heraus kommt oft nur eine kleine Anfrage von wenigen Zeilen, die manchen Lesern unwichtig erscheint. Ist sie aber nicht, weder für die Betreffenden noch für uns, und wenn sie dann noch zu einem Erfolg führt, ist alle Mühe vergessen. Die kleinen Wünsche haben also heute auf unserer Familienseite Vorrang, und so kommt nun endlich unser Landsmann Reinhard Penner aus Kiel an die Reihe, dessen erste Anfrage bereits ein halbes Jahr zurückliegt. Herr Penner sucht seit Jahren nach dem Friedhof „Nasser Garten“ in Königsberg, auf dem 1915 seine schon im frühen Kindesalter verstorbene Tante und 1940 sein Großvater beerdigt wurden. Nachdem die Durchforstung seiner umfangreichen Literatur, Stadtpläne und Adressbücher sowie auch die „Auflistung Königsberger Friedhöfe“ im Internet nichts erbracht hatte, bat er nun uns um Rat. Wir begaben uns nun in unseren Unterlagen auf die Suche und konnten ihm eine – wie wir glaubten sichere – Antwort geben, indem wir auf den 1882 angelegten Friedhof der Gemeinde der Haberberger Kirche hinwiesen, und erstellten auch einen Lageplan. Leider war es nicht der Gesuchte, wie uns Herrn Penner umgehend mitteilte. Im Oktober 1991 erschien im Ostpreußenblatt ein Bericht, in dem Ruth Töppel einen „Spaziergang durch den Königsberger Stadtteil Nasser Garten“ schildert, der auf sehr genauen Ortskenntnissen beruht, und stießen dabei auf diese Stelle: „Hier trifft sich der Nasse Garten mit der Berliner Straße, die sehr breit geworden ist. Zum Teil finden wir noch das alte Kopfsteinpflaster. Unsere kleine Kapelle ist verschwunden, der Nassengärter Friedhof ist eine Kultstätte der Russen, keine Grabstelle mehr.“ Es dürfte sich also hier um den von Herrn Penner gesuchten Friedhof handeln. Leider konnten wir diese Spur nicht weiter verfolgen und bitten nun unsere ebenfalls ortskundigen Leserinnen und Leser, Herrn Penner bei der Suche nach der betreffenden Stelle zu helfen. Es wäre wünschenswert, wenn das bald geschehen würde, denn Reinhard Penner will demnächst wieder nach Königsberg reisen und vor Ort auf Suche gehen. (Reinhard Penner, Rendsburger Landstraße 365 in 24111 Kiel, Telefon 0431/86162.)

Über den Nassen Garten kann ich selber wenig aussagen – er lag im Südwesten der Stadt, ich wohnte im Nordosten der Stadt und nach dem Königsberger Stadtplan waren wir geradezu Antipoden. Über die Dinterstraße könnte ich schon einiges sagen, und das habe ich auch versucht, als Frau Ingrid Klose vor einigen Jahren nach einer Familie Wald fragte, die ebenfalls dort gewohnt habe – leider vergeblich. Was auch verständlich war, denn Frau Klose meint heute, sie hätte sich wohl damals geirrt. Dafür kann sie in ihrer neuen Frage mit Namen und Daten aufwarten, die einen Irrtum unwahrscheinlich erscheinen lassen, obgleich sie die Angaben auch erst in ihrem späteren Leben erfahren konnte. Denn ihre Mutter hat eisern geschwiegen, wenn es um den Vater ihrer Tochter ging. Aber jetzt sind ihr doch Namen und Geburtsdatum ihres leiblichen Vaters bekannt, und wenn man die Daten vergleicht, kann man auch erahnen, weshalb Ingrids Mutter nichts sagen wollte oder konnte: Das Geburtsjahr ihrer Tochter Ingrid Tiedtke, *1935, war auch das Todesjahr deren Vaters. Das hatte Frau Klose festgestellt, als sie einmal durch Zufall die Todesanzeige, die in einer Königsberger Zeitung erschienen war, bei ihrer Mutter entdeckte. Später hat sie diesen Zeitungsausschnitt nicht mehr gefunden, erinnert sich aber an die Angaben: Helmut Tertel, *6. Oktober 1909 in Salga, Kreis Lötzen, Beruf Bankbeamter. Das ist, wie Frau Klose schreibt, für sie schon sehr viel, aber sie möchte noch mehr erfahren. Vor allem über den Unfall, bei dem ihr Vater ums Leben kam, und seine Familie. Gut, es sind inzwischen 78 Jahre vergangen, mehr als ein Dreivierteljahrhundert, in dem das Schicksal mit Krieg, Flucht und Heimatlosigkeit mehr oder weniger vernarbte Zäsuren hinterlassen hat, aber diese Frage blieb für Ingrid Klose immer offen. Es wäre schön, wenn sie nun endlich etwas von der Familie oder dem Umkreis ihres Vaters erfahren könnte, wir wünschen es ihr. (Ingrid Klose, Liebeneckstraße 31 in 75175 Pforzheim, Telefon 07231/63520.)

Herr Karl Röske aus Heilbronn ist auf der Suche nach Zeitzeugen, die wie auch seine Familienangehörigen die Flucht aus dem Kreis Allenstein erlebt haben und ihm darüber berichten können. Herr Röske arbeitet zurzeit an einer Dokumentation über seine Familiengeschichte und möchte die erhofften Informationen in sein Buch mit einfließen lassen. Es ist für ihn sehr wichtig, diese Aussagen zu erhalten, bevor es keine Zeitzeugen mehr gibt und diese Vorgänge in Vergessenheit geraten könnten. Über den Kreis Allenstein hinaus ist Herr Röske an Aussagen der Bewohner von Sagsau und Schönwalde sowie aus Neidenburg interessiert. (Karl Röske, Virchowstraße 22 in 74074 Heilbronn, Telefon 07131/6490787, E-Mail: food-agent@gmx.de)

Wenn man einen so seltenen Vornamen hat wie Frau Inke Stuertz, dann ist man es schon fast gewohnt, dass er falsch geschrieben wird. Das tröstet mich doch sehr, denn auch ich habe aus ihr eine „Inge“ gemacht, wie in Folge 11 zu lesen war, in der wir ihren Hinweis brachten, Und auch jetzt korrigierte die junge Leserin den Namen in so höflicher Weise, sogar verbunden mit ihrer Freude über die Veröffentlichung, dass ich beruhigt war. Ich bin in Bezug auf meinen Nachnamen ja auch so einiges gewohnt: Mindestens einmal im Monat werde ich mit Frau Gaede angeredet, manchmal auch Goede – und dabei bin ich doch so stolz auf meinen echt ostpreußischen Namen, der auf den prussischen Namen „Gede“ zurückgeht. Einen anderen Fehler kann ich mir weniger verzeihen. Ich habe in den Palmsonntagserinnerungen an meine Einsegnung den Namen von Pfarrer Pensky zwar nicht phonetisch, aber lesbar verändert, indem ich aus dem y ein i machte. Mein von mir sehr verehrter Pfarrer hätte es mir sicher verziehen und darüber hinweg gesehen, aber nicht eine alte Königsbergerin, die ebenfalls in der Altroßgärter Kirche konfirmiert wurde. Gefreut habe ich mich darüber, dass sie ihre Korrektur mit der Übersendung eines Bildes unserer Konfirmationskirche verband. Leider ist, wie sie bei einem Heimatbesuch feststellen musste, das in der Mitte des 17. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus dem Erdboden gleich gemacht worden.

Erfreulich für mich die Zuschrift von Herrn Heinz Ney aus Potsdam, der meine kleine Erinnerung in seine Dokumentation „Gottes Häuser in Königsberg“ mit einbringen will. Ein umfangreiches Projekt, wenn man bedenkt, dass mit fast 75 bisher bearbeiteten Objekten erst ein Drittel erfasst ist. Wobei durch immer neue Informationen ständig Ergänzungen und Veränderungen vorgenommen werden müssen, die ihm vor allem sein Königsberger Freund Alexander vermittelt. Herr Ney wird sein Projekt auf der vom 10. bis 12. Mai stattfindenden Tagung „Königsberg-Kaliningrad, Gedächtnis und Gegenwart“ in der Akademie Sankelmark vorstellen.

Manchmal erweckt ein Satz oder sogar nur ein Wort jenes Gefühl, das wir alle nur zu gut kennen: Heimweh. Das keimt immer dann bei Frau Adelheid Kloo auf, wenn sie unsere Familienseite liest: „Ich bin jedes Mal gerührt, wenn ich die einfühlsamen Schilderungen lese. Mit so eindringlichen Hinterfragungen, dass ich ganz einfach Heimweh bekomme zu meiner geliebten Oma in Schmauch!“ Leider hatte ihre Frage nach dem Umfeld ihrer Großmutter und damit nach ehemaligen Bewohnern von Schmauch, die wir in der Ausgabe 30/2011 brachten, keine Resonanz gehabt, „aber die kann ja noch kommen“, tröstet sich Frau Kloo. Fassen wir lieber einmal nach: Oma Berta, die Mutter ihrer Mutter Grete Kantowski, war eine geborene Neumann. Ihr erster Ehename lautete wahrscheinlich Pelz, in zweiter Ehe war sie mit Walter Weil verheiratet. Oma Berta blieb auch nach Kriegsende in der Heimat, musste 1948 ihren Hof verlassen und bei den neuen polnischen Hofbesitzern arbeiten. Damals hat sie sich Notizen auf Zettel gemacht, die wahrscheinlich von ihren Nöten berichten. Sie existieren noch, und Frau Kloo will mir die Kopien zusenden, vielleicht helfen dann einige weitere Angaben. Auch wenn das im Kreis Preußisch Holland gelegene Kirchdorf nicht einmal 500 Einwohner zählte, kann es noch Zeitzeugen geben. (Adelheid Kloo, Leitzachtalstraße 227 in 83730 Fischbachau.)

Zeitzeugen zu finden – das erhofft sich auch Herr Konrad Moysich aus Bautzen. Als seine Eltern 1936 in Königsberg geheiratet hatten, zogen sie anschließend in das ebenfalls im Kreis Preußisch Holland gelegene Schlobitten, wo der Vater als Postbeamter tätig war. Da Herr Moysich gerne etwas über das Leben in der damaligen Zeit in Schlobitten erfahren möchte, wendet er sich an unsere Ostpreußische Familie und bittet ehemalige Bewohner, ihm ihre Erinnerungen an jene Zeit mitzuteilen. (Konrad Moysich, Wallstraße 12 in 02625 Bautzen, Telefon 03591/41058.)

Auch im kleinsten Dorf kann man fündig werden. Da wurde in Folge 14 nach Informationen über Ketzwalde gesucht. Eine in Amerika lebende Familie will wissen, wie es heute in ihrem Heimatdorf aussieht. Kaum war die Anfrage erschienen, meldete sich sofort Herr Frank Schneidewind und konnte einen guten Tipp geben: In dem im Kreis Osterode gelegenen Ort lebt noch heute eine Bewohnerin, die Heimatreisenden gerne Auskunft gibt und auch bei der Quartierbeschaffung hilft. Er hat sie selber auf solch einer Fahrt erlebt und war sehr angetan von ihren Ausführungen. Herr Schneidewind dankt auch noch einmal im Namen der Kreisgruppe Siegerland für unsere Mithilfe bei der Ausstattung der Bücherstube. Noch immer gehen reichhaltige Spendenpakete mit ostdeutschem Schrifttum in Siegen ein. Nun steht die Ermlandwallfahrt vor der Türe – und damit wieder eine gute Gelegenheit zum Transport von Buchspenden nach Siegen. Sie können am 5. Mai vor der Basilika am Stand Ermlandhaus abgegeben werden, Herr Schneidewind will dort anwesend sein. Postalische Zusendungen bitte weiterhin an den Vorsitzenden Herrn Anton Olbrich, Seitenweg 4 in 57250 Netphen, Telefon (02738) 8847.

Die Bücher der ostpreußischen Schriftstellerin Frieda Jung haben für manche Landsleute schon fast Kultstatus. So wird sicher das Angebot von Frau Dorothea Blankenagel, die das Buch „Gestern und heute“ der Dichterin in gute Hände geben möchte, schnell angenommen werden. Außerdem ist Frau Blankenagel bereit, dazu „Lache on Griene ön eenem Sack“ abzugeben. (Dorothea Blankenagel, Heerstraße 59 in 47053 Duisburg, Telefon: 0203/21677.)

Eure Ruth Geede


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