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20.04.13 / Aus der Versenkung aufgetaucht / Der Mythos lebt! Die »Titanic« soll originalgetreu nachgebaut werden. 2016 ist die Jungfernfahrt – an Eisbergen vorbei – geplant

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

S. 21 Lebensstil

Aus der Versenkung aufgetaucht
Der Mythos lebt! Die »Titanic« soll originalgetreu nachgebaut werden. 2016 ist die Jungfernfahrt – an Eisbergen vorbei – geplant

Kein Witz: Die „Titanic“ soll wieder auf den Weltmeeren kreuzen. Ein australischer Milliardär plant die Rekonstruktion des Schiffes – originalgetreu und maßstabsgerecht. Zum diesjährigen Jahrestag des im April 1912 untergegangenen Schiffes hat der reiche Australier seine Pläne konkretisiert und dabei versichert: Die Zahl der Rettungsboote werde dieses Mal garantiert aufgestockt.

Wie kein anderes von Menschen geschaffenes, bewegliches Objekt verkörpert die „Titanic“ den Luxus und das Wohlleben der Oberen Zehntausend. Dieses Flair hat für immer zugleich auch einen morbiden Anstrich, da die „Titanic“ auf ihrer Jungfernfahrt sank. Bislang hatten die „Titanic“-Enthusiasten in aller Welt kaum zu hoffen gewagt, dass jemals ein Nachbau des Atlantikliners entstehen würde.  Doch die Vorbereitungen für den Neubau der „Titanic II“ sind in vollem Gange. 2016 soll das einzigartige Linien- und Kreuzfahrtschiff wie schon das Original auf Jungfernfahrt vom englischen Southampton nach New York geschickt werden.

Knapp zwei Wochen nach dem 100. Jahrestag des Untergangs der „Titanic“ hatte der australische Milliardär Clive Palmer im vergangenen Jahr der Presse seinen Plan mitgeteilt, den legendären Liniendampfer der britischen Reederei White Star Line weitgehend originalgetreu nachbauen zu lassen. Am 15. April 1912 war die „Titanic“ auf ihrer Jungfernfahrt östlich von Neufundland mit einem Eisberg kollidiert und gesunken. Mehr als 1500 Menschen kamen in den eisigen Fluten des Nordatlantiks ums Leben, weil nicht genug Rettungsboote zur Verfügung standen. Es war die erste Katastrophennachricht, die mittels Funktelegrafie innerhalb weniger Stunden um die Welt ging und allgemein Entsetzen auslöste.

Der Bergwerksbesitzer Clive Palmer, der bislang außerhalb von Australien relativ unbekannt war, hat sein Vermögen mit Lizenzen für die Ausbeutung von riesigen Eisenerzvorkommen in Australien gemacht. Im März dieses Jahres trat der Unternehmer im Londoner Ritz-Hotel erneut vor die Presse und gab nähere Einzelheiten über sein Projekt „Titanic II“ bekannt. Demnach soll der Neubau wie das Original 270 Meter lang sein. Auf neun Decks werden 840 Kabinen Erster bis Dritter Klasse für insgesamt 2400 Passagiere eingerichtet. In den Kabinen werden die Passagiere Kleidung im Stil der Belle Époque vorfinden, so dass die sechstägige Reise von der Alten in die Neue Welt einem andauernden Kostümfest gleichen wird.

Bei der Indienststellung im Jahr 1912 war die „Titanic“ das größte Schiff der Welt. Hingegen sind die neuesten Kreuzfahrtschiffe für 3000 bis 6000 Fahrgäste ausgelegt und haben eine Länge von 300 bis zu 360 Metern. Wie Palmer er­klärte, soll die Kommandozentrale – ab-weichend vom Original – allerdings mit modernster Technik ausgerüstet werden, darunter die besten Navigations- und Sicherheitssysteme. Es wird außerdem Fahrstühle, eine Klimaanlage und Rettungsboote in diesmal garantiert ausreichender Zahl geben.

Unterhalb der Wasserlinie wird die Form des Rumpfes nach heutigem Standard ausgeführt, damit die Seefähigkeit gewährleistet ist. Dazu gehört auch eine leistungsstarke Ma-schinenanlage, ein größeres Steuerruder so-wie Bugstrahlruder, die der optimalen Ma-növrierfähigkeit des Schiffs dienen. Die Außenhaut wird geschweißt, nicht genietet.

An Bord soll es für die Fahrgäste jedoch keine Unterhaltungselektronik und elektronischen Kommunikationsmittel geben. Auf Fernsehen und Internet muss also verzichtet werden. Den Gästen stehen stattdessen zum Zeitvertreib ein Lesesaal und ein Musikzimmer zur Verfügung.

Dem staunenden Publikum im Ritz-Hotel präsentierte Palmer die Entwürfe für die Innenausstattung der neuen „Titanic“. Über ein Jahr lang hat ein Team aus Historikern und Designern anhand von Plänen und zeitgenössischen Fotografien die Kabinen, Restaurants und sonstigen Räumlichkeiten des berühmtesten Traumschiffs der Welt virtuell wiedererstehen lassen, darunter das in Grüntönen gehaltene Pariser Café, den Fitnessraum, das Türkische Bad sowie das Schwimmbad und den durch James Camerons „Titanic“-Film von 1997 berühmt gewordenen Treppenaufgang des Salons.

Seine Zuhörer überraschte der Eisenerz-Magnat außerdem mit dem Plan, eine ganze Kreuzfahrtflotte der „Titanic“-Klasse, bestehend aus vier Schwesterschiffen, bauen zu lassen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er die Firma „Blue Star Line Pty Ltd.“ gegründet, deren Name auf die britische Reederei White Star Line anspielt. Diese betrieb vor dem Ersten Weltkrieg mit ihren Schiffen der „Olympic“-Klasse – „Olympic“, „Titanic“ und „Britannic“ – drei der damals größten Dampfer weltweit. Nicht im nordirischen  Belfast, wo die Original-„Titanic“ gebaut wurde, soll der Nachbau entstehen, sondern auf einer chinesischen Werft, was wohl nicht nur dem Preisvorteil des Werftstandorts China geschuldet ist. Mit dem staatlichen chinesischen Schiffbaukonzern CSC Jinling Shipyard wurde bereits eine Vereinbarung darüber getroffen.

Hinsichtlich der Baukosten will sich Palmer allerdings nicht auf eine bestimmte Summe festlegen. Ihm ginge es gewiss nicht um Gewinn, ließ er verlauten. Experten schätzen, dass mit Kosten in Höhe von 260 bis 400 Millionen Dollar kalkuliert werden muss. Doch könnte das Projekt einmal Renditen abwerfen, da es eine Marktlücke füllen wird. Die Zahl der Interessenten sei hoch, bekräftigte der Investor. Schon jetzt hätten sich Zehntausende bei ihm gemeldet. Ein Dutzend handverlesene Gäste hatte Palmer zuvor im Natural History Museum zu einem Elf-Gänge-Menü eingeladen, wie es einst den Fahrgästen der Luxus-Kabinen auf der „Titanic“ angeboten wurde oder werden sollte.

Unter den Gästen war auch Helen Benzinger, eine Großnichte von Molly Brown, die als Überlebende des Untergangs der Titanic in den USA berühmt wurde. Hingegen hatte James Cameron, der Regisseur des erfolgreichen Titanic-Films von 1997, die Einladung ausgeschlagen.        D. Jestrzemski


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