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20.04.13 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel / Löschen gegen Rechts / Warum Steinbrück doch den nächsten Napf ansteuert, wie die Feuerwehr Nazis jagt, und was wir besser können sollen als die Banker

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 16-13 vom 20. April 2013

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Löschen gegen Rechts / Warum Steinbrück doch den nächsten Napf ansteuert, wie die Feuerwehr Nazis jagt, und was wir besser können sollen als die Banker

Mal sehen, was als Nächstes kommt. Peer Steinbrück hat zwar versprochen, ab sofort um Fettnäpfchen einen großen Bogen zu machen. Das wäre schade. Doch es besteht kein Grund zur Traurigkeit, das sagt der bestimmt nur so. Der Mann ist Hanseat, und die legen viel Wert darauf, dass ihnen das Kurshalten in trüber See sozusagen im Blut liegt. Steinbrücks Kurs kennen wir. Auch wenn der nächste Napf noch im Nebel liegt, wer, wenn nicht Peer, wird ihn finden?

„Beinfreiheit“ bat sich der SPD-Kandidat von den Parteilinken aus. Ist nichts draus geworden. Steinbrücks Themen waren eigentlich die „harten“ Sachen wie Wirtschaft und Finanzen. Stattdessen zwingen ihn die Linken, in Frauenthemen zu machen, soziale Floskeln zu singen und linke Wirklichkeitsverachtung zu üben. In diesem ideologischen Gemuse wirkt der massige Peer wie ein Maurermeister in der Makramee-Gruppe. Keiner glaubt ihm den rotgrünen Auftritt.

Trösten mag den Armen, dass er nicht der einzige ist, der schlechte Erlebnisse verdauen muss. Verteidigungsminister Thomas de Maizière war eigentlich an die Berliner Humboldt-Uni gekommen, um über die „Armee der Einheit“ zu referieren. Unter die 300 Studenten hatte sich allerdings eine kleine Schar Linksextremisten gemischt, die mit lautem Klatschen und Buh-Rufen dafür sorgten, dass der Minister nach einer halben Stunde stiften gehen musste. „Nie wieder Deutschland!“ und „Deutschland ist sch...!“ schrie der kleine Mob, und natürlich „Nie wieder Krieg!“ (außer dem gegen Deutschland, versteht sich).

De Maizière sagte im Weggehen, die Schreierei sei nur ein Zeichen der Schwäche gewesen. Er fühlte sich also als Sieger, irgendwie. Ach ja? Militärisch hieß es immer, dass derjenige der Sieger sei, der auf dem Schlachtfeld stehenbleibt, während es den Verlierer kennzeichnet, dass er den Rückzug antreten muss. Also wäre danach betrachtet doch Thomas de Maizière der Verlierer. Aber was hat denn ein bundesdeutscher Verteidigungsminister schon mit „Militärischem“ zu schaffen? Dennoch: Ähnlich wie beim Steinbrück kaufen wir auch dem CDU-Minister die Selbstsicherheit nicht ganz ab. Und er sich selbst vermutlich auch nicht. Insgeheim dürfte sich de Maizière grämen: Da kämpft man Seite an Seite mit staatlich subventionierten Linksextremisten jahrelang „gegen Rechts“, und nun zeigen die dunkelroten Bundesgenossen nicht mal ein Fünkchen Dankbarkeit und Anerkennung.

Vielleicht, so mag er sich denken, müssen wir einfach noch viel härter gegen jeden noch so kleinen Anschein „rechter Tendenzen“ in der Bundeswehr vorgehen, bis die linken Kumpane den guten Thomas eines Tages doch noch reden lassen.

Aber auch ohne den Minister geht der „Kampf gegen Rechts“ beharrlich weiter und erfasst mittlerweile die entlegensten Winkel der Republik. Die Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen blasen zum „Löschangriff gegen Rechts“. Kein Witz! Einer der Federführenden ist der Kreisbrandmeister von Lüchow-Dannenberg, besser bekannt als Wendland und noch besser als „die Gegend um Gorleben“. Claus Bauck verrät, woran man Rechtsradikale erkennen kann: Das seien „nette und hilfsbereite Kumpel von nebenan“. Au weia! Also passen Sie bloß auf, wenn Ihnen einer nett und hilfsbereit kommt – bestimmt ein Nazi. Nun wird endlich klar, warum Linke oft so griesgrämig und rück­sichtslos erscheinen: Sie wollen vermeiden, dass man sie für einen Nazi hält, zumal sie selbst hinter jedem Busch einen vermuten.

Claus Bauck räumt zwar ein, dass die niedersächsischen Feuerwehren noch kein so großes Problem hätten mit Neonazis. Auf Deutsch: Es ist bislang kein einziger Fall bekannt geworden, dass ein Feuerwehrmann im Vereinshaus NPD-Plakate aufgehängt hat. Aber wenn sie kommen, will man gewappnet sein. Dass sie kommen, dürfte als ausgemacht gelten. Schließlich hört man das ja ständig im Regierungsfunk. Also will Bauck seine Leute – na was? – na klar: „sensibilisieren“ (schon wieder dieses geschraubte Wort). Will heißen: zum schnüffeln und spionieren anhalten.

Wir können jetzt schon anfangen, die Tage zu zählen, die es dauern wird, bis der Herr Brandmeister und die Seinen nach Hannover geladen werden, um die staatliche Auszeichnung für ihr „mutiges Engagement“ entgegenzunehmen. Bauck tut das bestimmt längst.

Wie ist das eigentlich, wenn es bei jemandem brennt, den der Ortsbrandmeister auf seiner schwarzen Liste der „Rechtsverdächtigen“ registriert hat? Gaststättenbetreiber haben ja bereits die Aktion gestartet, „Wir bedienen keine Nazis“. Heißt es dann demnächst auch: „Wir löschen nicht bei Nazis“? Wäre nicht das erste Mal, dass die Feuerwehr tatenlos daneben steht, wenn in Deutschland die Liegenschaften bestimmter Bevölkerungsgruppen in Flammen aufgehen. Aber dieser Vergleich ist natürlich hinterhältig. Dem Dritten Reich hätte Claus Bauck bestimmt tapfer widerstanden.

Oder vielleicht doch nicht? Rennen die nicht nur hechelnd dem Zeitgeist hinterher mit ihrem „Löschangriff“? Von wegen, mit Zeitgeist hat das nichts zu tun. Es entspringt vielmehr einer jahrhundertealten Tradition, und Tradition wird auf dem Lande immer noch großgeschrieben.

Doch Tradition muss stets aufs Neue in „zeitgemäße Formen“ gebracht werden, damit sie nicht altbacken wirkt. So kann man die Tradition der Hexenverfolgung in unserer Zeit kaum noch so durchziehen, wie es vor 500 Jahren Mode war. Das würde heute kaum noch einer verstehen. Ergo muss etwas Neues her, um sein mittelalterliches Mütchen zu kühlen, denn der Drang, das Böse zu jagen und stolz zur Strecke zu bringen, der ist geblieben. Nur wird er in jeder Epoche anders ausgelebt. Auch blieb der Typus des schmierigen, übereifrigen Obrigkeitsbüttels über die Generationen erhalten, der bei solchen Jagden immer vornweg rennt. Nur jagt er heute nicht mehr angebliche Hexen, sondern den „Rechten“ hinterher.

Jagen gehen ist zurzeit ohnehin angesagt, jeder tut es auf seine Weise. Dass Banken und Regierungen immer emsiger den Bankkonten der europäischen Sparer nachstellen, haben einige ja bereits bemerkt. Kaum gewürdigt wird indes, wie gerissen sie dabei vorgehen.

Wer verhindern will, dass ihm sein Konto von Freitag auf Montag leergeräumt wird zur „Rettung“ seiner maroden Hausbank, der soll die Zahlungsfähigkeit des Hauses künftig regelmäßig selbst überprüfen, sagen uns Wolfgang Schäuble und seine europäischen Finanzminister-Kollegen.

Ist das nicht raffiniert? Als die IKB-Bank, an der auch die staatliche KfW-Bank beteiligt war, ins Schlingern geriet, schielten wir alle auf den KfW-Verwaltungsrat. Hatte der gepennt? Dort saßen etliche Spitzenpolitiker wie Heidemarie Wieczorek-Zeul. Auf die Frage, warum sie das Desaster als Aufseherin nicht habe kommen sehen, antwortete die Ex-Bundesministerin entgeistert, man könne solche Sachen doch unmöglich durchblicken.

Als der Jung-Spekulant Jérôme Kerviel bei der französischen Großbank Société Générale 2008 schlappe fünf Milliarden verballerte, druckste der Chef des Hauses, er könne niemals alle Geschäfte seiner Händler überwachen und sei daher unschuldig.

Aha, laut den Finanzministern soll Otto Normalsparer also künftig leisten, was die Minister weder von Spitzenpolitikern und nicht einmal von hochbezahlten Bank-Managern erwarten: Sie sollen überblicken, was ihre Bank mit ihren Tausenden von Angestellten und ihren Tochterunternehmen auf dem Weltfinanzmarkt alles treibt und ihre Schlüsse daraus ziehen. Und wenn sie dabei etwas übersehen, sind sie eben selber schuld und werden rasiert.

Selten hat man uns Zynismus in so reiner, unverfälschter Form dargeboten. Noch bemerkenswerter aber ist die Reaktion der kujonierten Sparer: Es gibt keine.


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