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04.05.13 / Schlupfloch in der Mauer / Ausstellung zeigt Hunderte heimliche Stasi-Fotos von West-Berlin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-13 vom 04. Mai 2013

Schlupfloch in der Mauer
Ausstellung zeigt Hunderte heimliche Stasi-Fotos von West-Berlin

Ausgerechnet die Stasi hat quasi im Nebeneffekt einen gewaltigen Schatz an historischen Bildaufnahmen von Nachkriegsberlin aufgebaut. Zwischen den 50er Jahren und dem Sommer 1989 waren regelmäßig Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes in den Westbezirken unterwegs, um Hunderte Fotos des „Operationsgebietes“ zu schießen. Eine Auswahl von Fotos, die von Stasi-Mitarbeitern heimlich in den Berliner Bezirken Zehlendorf und Steglitz gemacht wurden, ist nun in einer Ausstellung des Heimatmuseums Zehlendorf zu sehen.

Fotografiert wurden nicht nur vermeintliche Treffpunkte westlicher Geheimdienstler und Einrichtungen der US-Streitkräfte, sondern auch Gaststätten, Kinos, gewöhnliche Häuser sowie einzelne Straßen und Gebäude, die für die Stasi offenbar von Interesse waren. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt bei Schwarzweißbildern aus den 50er und 60er Jahren. Farbfotos der Steglitzer Schloßstraße vom Mai 1989 sind die jüngsten Aufnahmen.

Teil der Ausstellung ist ebenfalls ein spektakulärer Archivfund der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU): Eine Dokumentation über eine konspirative Agentenschleuse, die von der Stasi noch im Jahr 1989 unweit der Zehlendorfer Sachtlebenstraße angelegt worden war. Eine schmale Tür in der Mauer ermöglichte Stasi-Spitzeln den unbemerkten Grenzübertritt zwischen der damaligen DDR-Gemeinde Kleinmachnow und dem West-Berliner Bezirk Zehlendorf. Bevor es am 9. September erstmals zu einer Schleusung von drei Inoffizielle Mitarbeitern der Stasi kam, hatte Mielkes Truppe anhand von Fotos detailliert die Vorzüge des ausgewählten Geländes dokumentiert. Das unübersichtliche Terrain zwischen dem Erlenweg im brandenburgischen Kleinmachnow und der Sachtlebenstraße in Berlin-Zehlendorf machte es möglich, fast unsichtbar in den Westsektor zu gelangen.

Selbst an eine Notlüge für den Fall einer Entdeckung nach dem Grenzübertritt war gedacht. Ein Kreuz auf einer Stasi-Karte markiert eine Eiche auf dem Grüngelände, die regelmäßig von Passanten zum Wasserlassen genutzt wurde. Im Ernstfall würden West-Berliner Polizisten den Agenten die Legende von der Notdurft schnell abnehmen, so die Schlussfolgerung der Stasi. Geöffnet ist die Ausstellung „Geheim! Die Stasi fotografiert Zehlendorf und Steglitz“ im Heimatmuseum Zehlendorf in der Clayallee 355 noch bis zum 18. Juni. N.H.


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