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04.05.13 / »Unser Freund das Atom« / Heinz Haber war ein herausragender Physiker, machte aber auch Unterhaltung und Werbung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-13 vom 04. Mai 2013

»Unser Freund das Atom«
Heinz Haber war ein herausragender Physiker, machte aber auch Unterhaltung und Werbung

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts schien die zivile Nutzung der Kernenergie ein verheißungsvolles Instrument der Energiegewinnung zu sein. Walt Disney produzierte im Auftrag der US-Regierung den Dokumentar- und Werbefilm „Unser Freund das Atom“, in dem auch Verkehr, Medizin und Lebensmittelindustrie vom „Atom“ profitieren. Moderator des Films war der aus Deutschland stammende Physiker Heinz Haber, der den Zuschauern den Ablauf einer Kettenreaktion anhand einer Konstruktion aus Tischtennisbällen, Mausefallen und Spiegeln erklärte. Durch den Wurf eines Tischtennisballes auf diese Mausefallen-Ansammlung wurde eine Kettenreaktion von springenden Bällen ausgelöst und die Spiegel verliehen die Illusion von Hunderten Folgereaktionen.

Heinz Haber wurde am 15. Mai 1913 in Mannheim geboren Er studierte in Leipzig, Heidelberg und Berlin Physik und Astronomie und arbeitete bereits während seines Studiums als Assistent am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik. 1939 promovierte er „Über den Energieaustausch zwischen Translation und Rotation durch Stöße“, 1944 folgte die Habilitation. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges diente er bei der Luftwaffe, kehrte aber nach einer Verwundung an das Institut zurück. Im Rahmen der „Operation Paperclip“ gelangten er und sein Bruder Fritz, wie viele andere deutsche Wissen­schaft­ler auch, nach Kriegs­ende in die Vereinigten Staaten. An der USAF School of Aviation Medicine der Randolph Air Force Base in Texas, einer Schule der US-Luftstreitkräfte für Luftfahrtmedizin, begründeten die Habers zusammen mit Hubertus Strughold die Raumfahrtmedizin. Außerdem schlugen sie den Parabelflug zur Erzeugung von Schwerelosigkeit vor. Andere Entwürfe und Ideen betrafen den ersten Raumanzug und Versuche, wie man den Menschen im Vakuum am Leben erhalten kann. In einem Interview kurz vor seinem Tod bezeichnete sich Haber als „Privatgelehrter“.

In den 50er Jahren wurde Heinz Haber Physikprofessor an der University of California in Los Angeles und wissenschaftlicher Berater bei Walt Disney. Für das Unterhaltungsunternehmen trat er zusammen mit Willy Ley und Wernher von Braun in der Serie „Man in Space“ auf. Während Haber bei Disney die Zukunft in strahlenden Farben malte, äußerte er sich an anderer Stelle pessimistisch über die Menschheit. In dem Buch „Unser blauer Planet“ (1965) schrieb er den Satz hinein: „Die größte Gefahr für unsere Zukunft liegt darin, dass wir uns selbst vernichten.“ Später sah er große Probleme in dem exponenziellen Bevölkerungswachstum und dem Treibhauseffekt. In einem Interview mit Manfred Gregor sagte er 1989: „Nach meinen Überlegungen und Berechnungen kann unser ,Raumschiff Erde‘ etwa eine Milliarde Menschen tragen. Eine größere Zahl von Menschen beginnt, eine Verschmutzung für unsere Erde zu werden. Zwei Milliarden sind noch zu ertragen, vier Milliarden sind furchtbar, heute sind wir fünf, werden demnächst sechs und zehn Milliarden Menschen auf der Erde sein. Das kann nur eine Katastrophe geben.“ Nach seiner Ansicht wurden die biblischen Aufträge „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ und „Macht Euch die Erde untertan!“ übererfüllt und würden nicht mehr in die heutige Zeit passen, während die Botschaft „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ noch längst nicht überall gelte.

Als Ausweg aus der Katastrophe plädierte er rückhaltlos für den Ausbau der Atomenergie, weil es keine andere Möglichkeit gebe, den Energiehunger der Menschheit weitgehend umweltschonend zu befriedigen. Die Ant­arktis sei zudem der einzige ideale Ort für die Endlagerung aller radioaktiven Abfälle der ganzen Welt. Nicht die Technik war für ihn das Problem, sondern der mangelnde Lernwille des Menschen.

Ende der 50er Jahre kehrte Haber nach Deutschland zurück. Hier wurde er mit seinen Wissenschaftssendungen und -büchern bekannt, für die er mehrmals ausgezeichnet wurde, darunter mit dem Adolf-Grimme-Preis und der Goldenen Kamera. Die Reihe „Was sucht der Mensch im Weltraum?“ wurde erstmals 1968 im ARD-Abendprogramm ausgestrahlt und vermittelte einem breiten Pub­likum mit sehr verständlicher Sprache, Zeichnungen und Modellen die Astronomie und Raumfahrt. Er veröffentlichte über 30 Bücher, viele davon Bestseller, und war Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“. Am 13. Februar 1990 erlag Heinz Haber im Alter von 76 Jahren einem Nierenversagen. Ulrich Blode


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