12.08.2022

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04.05.13 / Stalin statt Karl Marx

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-13 vom 04. Mai 2013

Stalin statt Karl Marx

In der Wirtschaftspolitik des Stalinismus galt das Primat der Schwerindustrie. Insofern gab es aus stalinistischer Sicht in der DDR viel nachzuholen, ist die traditionelle Stärke Mitteldeutschlands doch eher die Leichtindustrie. So fiel 1950 auf dem III. Parteitag der SED die Entscheidung, dort, wo der Oder-Spree-Kanal in die Oder mündet, ein Eisenhüttenkombinat aus dem Boden zu stampfen. Ähnlich wie in Westdeutschland Wolfsburg am VW-Stammwerk entstand am „Eisenhüttenkombinat Ost“ eine Wohnstadt.

Diese jüngste Stadt Deutschlands sollte, so die ambitionierte Planung, die „erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden“ werden. Diesem Anspruch entsprechend sollte die Stadt aus der Retorte an dessen 70. Todestag nach Karl Marx benannt werden.

Doch dann kam neun Tage vorher der Tod Josef Stalins dazwischen. So erfolgte am 7. Mai 1953 die Benennung nach Stalin. Damit Marx nicht leer ausging, wurde drei Tage später eine Großstadt in Sachsen, die mit „Chemnitz“ eigentlich schon einen Namen hatte, in „Karl-Marx-Stadt“ umbenannt.

Acht Jahre später zollte die DDR-Führung der Entstalinisierung insoweit Tribut, als Stalinstadt mit Fürstenberg und Schönfließ zu „Eisenhüttenstadt“ zusammengelegt wurde. M.R.


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