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04.05.13 / »Das Grab dieser Toten bleibt anonym« / Gedenken in Gdingen an die, die mit der »Wilhelm Gustloff«, der »Steuben« und der »Goya« untergingen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-13 vom 04. Mai 2013

»Das Grab dieser Toten bleibt anonym«
Gedenken in Gdingen an die, die mit der »Wilhelm Gustloff«, der »Steuben« und der »Goya« untergingen

Der Bund der Deutschen Bevölkerung in Gdingen mit seinem Vorsitzenden Benedikt Reschke hat aus Anlass der 68. Jahrestage der Versenkung der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar, der „Steuben“ am 10. Februar und der „Goya“ am 16. April eine Gedenkveranstaltung durchgeführt.

Die Sonne verwandelte die Seemannskirche in Gdingen in einen farbenprächtigen Ort der Andacht. Die in Blau-, Gelb- und Orangetönen gehaltenen Darstellungen der auf Schifffahrt bezogenen Szenen des Neuen Testaments auf ihren Vitragen erwärmten die Atmosphäre des schlichten Baus und die Teilnehmer des ökumenischen Gottesdiensts. Dieser wurde am frühen Nachmittag gemeinsam vom Priester der Seemannskirche Edward Pracz und dem Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Stolp Wojciech Fröhlich gehalten. Inhalt von Fröhlichs Predigt war die zunehmende Anzahl an Attentaten in den letzten Jahren. Dieser Attentatsopfer sei ebenso zu gedenken wie denen vom 30. Januar, 10. Februar und 16. April 1945 sowie anderen Opfern von Gewalt und Krieg. Sie mahnten, so der Geistliche, im Blick auf die Zukunft zu einer deutlichen Haltung für den Frieden.

Das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig vertrat Hans Rainer Ess. Er erinnerte an die größte Evakuierung über See, bei der mehr als 2,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet abtransportiert wurden. Dabei dürften aber die zu beklagenden Opfer nicht vergessen werden. „Von den etwa 33000 dabei umgekommenen Menschen waren 20000 auf den drei Schiffen ,Wilhelm Gustloff‘, ,Steuben‘ und ,Goya‘. Bis heute ist der Untergang der ,Gustloff‘ die größte Katastrophe der Seefahrt bezogen auf ein einziges Schiff“, so der Diplomat.

Das Grab dieser Toten auf dem Meeresgrund bleibe anonym, es gebe keine Gedenksteine mit Namen, hatte Fröhlich in seiner Predigt gesagt: „Wir können nicht zu ihnen gehen, ihnen nicht nahe sein.“ Daher wurden für sie in der Seemannskirche Blumen in der Kapelle des Heiligen Petrus niedergelegt. Dort hängt die Gedenktafel für die Opfer der drei Tragödien, deren Anbringung vor drei Jahren nicht unumstritten war, die aber seither friedlich ihren Platz unter den anderen Tafeln hat.

Ulrich Bonk, seit Kurzem Vorsitzender der Landsmannschaft Westpreußen und zum ersten Mal bei dem Gedenken an die versunkenen Schiffe dabei, griff bei der kurzen Feier am Hafen von Gdingen die Hoffnung und Enttäuschung der Flüchtenden auf: „Die Menschen dachten, jetzt sind wir am Meer, wir kommen weg. Aber das Meer ist trügerisch. Hier lauerte der Tod unter dem Wasser.“ Er kündigte an, diesen Termin auch in Zukunft wahrzunehmen, denn: „Wir setzen ein Zeichen, dass wir uns das zu Herzen nehmen, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt, und erinnern andererseits daran, dass auch viele Deutsche Opfer des Krieges waren.“

Zu den Opfern, die die scheinbare Sicherheit des Meeres gewählt hatten, hätte um ein Haar auch Hans-Jürgen Schuch, der Vorsitzende des Verbandes der Elbinger in Deutschland und der Truso-Vereinigung, gehört. Mit seinem Trupp war er am Bahnhof von Gdingen gestrandet, die Lokomotive war plötzlich verschwunden. „Uns wurde gesagt, wenn ihr mit der ,Gustloff‘ mitwollt, müsst ihr bis 14 Uhr dort sein“, erinnerte er sich an seine Erlebnisse. „Wir wollten mit, doch unser Vorgesetzter hatte ein ungutes Gefühl, er hat das Ganze verzögert. Schließlich war es 14 Uhr, und wir waren immer noch am Bahnhof.“ Einige Tage später war ihnen klar, dass sie für die Verspätung dankbar sein mussten.

Für viele andere jedoch kam bei den jeweiligen Katastrophen jede Hilfe zu spät. Die in das Wasser der Ostsee geworfenen Blumenkränze und die an der Hafenmauer aufgestellten Grabkerzen waren eine Geste der Erinnerung an sie, ein symbolischer Gruß. Uwe Hahnkamp


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