25.01.2022

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04.05.13 / Die Flucht ermöglicht / Die Schlacht bei Lauenburg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-13 vom 04. Mai 2013

Die Flucht ermöglicht
Die Schlacht bei Lauenburg

Würde man die Leser der PAZ fragen, ob sie die Stadt Lauenburg kennen, dürften die meisten an Lauenburg in Pommern denken. Dabei gibt es auch noch ein Lauenburg an der Elbe ostwärts von Hamburg, das für den Lebensweg mancher von ihnen eine größere Bedeutung hat, als ihnen bewusst sein mag. Denn hier errichtete die Wehrmacht „Die letzte Front“, so der Titel des Buches, die es zehntausenden von Flüchtlingen und Soldaten ermöglichte, sich vor der Roten Armee in Sicherheit zu bringen.

Seit Anfang April 1945 ließ der Widerstand der Wehrmacht immer mehr nach. Um den 20. April herum hatten die britischen Truppen das südliche Elbufer beiderseits Hamburgs besetzt. Nach der Sprengung der Elbbrücken bei Dömitz waren die Hamburger und die Lauenburger Elbbrücken die letzten noch unzerstörten festen Verbindungen über die Elbe in Norddeutschland. Im Rahmen der Konzeption zur Führung des Kampfes im Nordraum, die Großadmiral Karl Dönitz als zuständiger territorialer Befehlshaber erstellt hatte, sollte die sogenannte Elbe-Stellung unter allen Umständen gehalten werden, um den über die schmale Landmasse zwischen Elbe und Ostsee nach

Westen führenden Weg für Flüchtlinge und Soldaten offenzuhalten. Obwohl die zusammengewürfelten Einheiten den britischen Truppen weit unterlegen waren, trauten diese sich zehn Tage lang nicht über die Elbe. So verschafften die Verteidiger den Flüchtlingen und zurückflutenden deutschen Truppen durch ihre Anwesenheit wertvolle Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Nachdem die Briten am 29. April den Elbübergang gewagt hatten, nahmen sie den Kampf auf, den sie erst einstellten, als der Gegner am 2. Mai die Ostsee erreicht hatte und so der Flüchtlingsstrom versiegte.

Die Autoren André Feit, ehrenamtlicher Bürgermeister von Hohnstorf, das damals zeitweise im Brennpunkt des Geschehens stand, und der ehemalige Bundeswehroffizier und schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Dieter Bechtold stellen das Kriegsgeschehen zwischen Elbe und Ostsee in seinen Zusammenhängen detailliert dar. Damit geht ihr Buch weit über eine regionalhistorische, aber auch über eine rein militärhistorische Studie hinaus. Die Darstellung basiert hauptsächlich auf britischen Quellen – deutsche Dokumente sind kaum noch vorhanden –, Ortschroniken und vielen Zeitzeugenberichten. Sie beginnt mit der Schilderung der Vorgeschichte, also dem Vormarsch der britischen Truppen durch die Lüneburger Heide, kommt dann zum Kampf um das südliche Elbufer, bevor der Aufbau der deutschen Verteidigung nördlich der Elbe beschrieben wird. Breiten Raum nimmt die Darstellung des britischen Elbübergangs und des weiteren Angriffs an die Ostsee ein, wo der britische Feldzug durch Europa schließlich endete. Ein weiteres Kapitel beschreibt das Kriegsgeschehen in West- mecklenburg, an dem neben den deutschen Verteidigern Briten, US-Amerikaner und Sowjets beteiligt waren.

Die Darstellung ist chronologisch gegliedert, minutiös und nie langweilig. Vor allem die Schilderungen der Zeitzeugen und die Auszüge aus Gefechtsberichten sind packend zu lesen. Leser, die in der Geografie Norddeutschlands nicht so bewandert sind, dürften sich zudem noch mehr Karten wünschen. Diese kritische Anmerkung tut dem Wert des reich bebilderten Buches jedoch keinen Abbruch. Das Buch stellt eine Bereicherung der umfangreichen Literatur zum Kriegs-ende dar. Jan Heitmann

André Feit, Dieter Bechtold: „Die letzte Front“, Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft, Aachen 2012, gebunden, 348 Seiten, 28 Euro


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