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11.05.13 / Krieg auf den Straßen / Im Stadtverkehr kämpft jeder gegen jeden, doch die Politik schaut nur zu

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-13 vom 11. Mai 2013

Krieg auf den Straßen
Im Stadtverkehr kämpft jeder gegen jeden, doch die Politik schaut nur zu

Es wird enger auf Deutschlands Straßen. Immer mehr Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger teilen sich den öffentlichen Verkehrsraum, dessen Zustand zu wünschen übrig lässt. Wenn sich eine stets wachsende Anzahl von Verkehrsteilnehmern auf den schmalen und oft maroden Pfaden bewegt, bleiben Konflikte nicht aus.

Endlich ein Parkplatz gefunden. Während der Autofahrer in mehreren Anläufen versucht, in die enge Parklücke einzulenken, bildet sich von hinten und im Gegenverkehr ein Stau. Ergebnis: Nervöses Hupen und übelste Schimpfworte schallen aus den Autos, die unfreiwillig warten müssen, bis die Straße nach drei Minuten wieder frei ist.

Geduld und Toleranz sind auf deutschen Straßen zu Fremdwörtern geworden. Stattdessen nimmt die Aggression im Straßenverkehr immer erschreckendere Ausmaße an. Wer sich mit „Vollidiot“ oder „du Penner“ anschreien lässt, ist noch gut bedient. Immer öfter regiert das Faustrecht. In Hamburg wurde jüngst ein Autofahrer zu 300 Euro Geldbuße verurteilt, weil er im Kampf um eine Parklücke einem Arzt den Arm ausgekugelt hatte.

Mit der Aggressivität im Straßenverkehr hatte sich in diesem Jahr auch der Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar auseinandergesetzt. Als Gegenmittel wurden eine bessere Verkehrsüberwachung und strengere Strafen empfohlen.

Über die Ursachen des Rowdytums haben sich aber weder die Verkehrsexperten noch die Politiker bislang viele Gedanken gemacht. Wenn es auf den Straßen enger wird, löst das schnell Konflikte aus. Experten schätzen, dass bis zum Jahr 2020 die Anzahl der Pkw um 20 und die der Lkw um 34 Prozent steigen wird. Erschwerend hinzu kommt ein größerer innereuropäischer Durchgangsverkehr auf Deutschlands Straßen. Immer breiter werdende Geländelimousinen tun ein Übriges dafür, dass es im Stadtverkehr eng wird.

Ein großes Problem stellt auch der rasante Anstieg des Fahrradverkehrs dar. Bundesweit sattelt die Bevölkerung aufs Rad um. In Berlin etwa hat sich der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehrsaufkommen innerhalb von zehn Jahren auf mehr als 13 Prozent verdoppelt. Bis 2025 rechnet der Senat sogar mit einer Steigerung auf 18 Prozent.

Was auf den ersten Blick als Entlastung des Stadtverkehrs erscheint – je mehr Rad-, desto weniger Autofahrer –, sorgt aber erst recht für Konfliktstoff auf den Straßen. Denn der zögerliche Ausbau der Velowege hält nicht mit dem immensen Anstieg des Radverkehrs mit. Und wenn es zu Engpässen kommt, etwa weil ein Fahrradweg entweder im holprigen Zustand einer Buckelpiste oder zugeparkt ist, dann weichen Radler notgedrungen auf Straßen oder Fußwege aus.

„Radfahrer sind die Pest“, entfuhr es kürzlich vor einem Hamburger Gericht einem Autofahrer, der eine Radfahrerin angefahren hatte. Umgekehrt denken si­cherlich auch Radler über die rücksichtlos parkenden, ohne Blinklicht abbiegenden und wild wendenden motorisierten Verkehrsbehinderer. Tatsächlich muss man als Verkehrsteilnehmer in der Stadt immer konzentrierter fahren. Eine eingebaute Vorfahrt gibt es weder für den einen noch für den anderen.

Wer nur auf die „Fahrradrüpel“ schimpft, übersieht leicht, dass es auch Rüpel unter Autofahrern gibt. Solange nicht von politischer Seite ein tragfähiger Ausbau des Verkehrswegenetzes vorangebracht wird, der den Belastungen der Zukunft standhält, sollte man einfach seinen Frieden mit dem jeweils anderen Verkehrsteilnehmer machen. Harald Tews


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