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11.05.13 / Größenwahn im Keller / Bundestag plant unterirdisches Besucherzentrum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-13 vom 11. Mai 2013

Größenwahn im Keller
Bundestag plant unterirdisches Besucherzentrum

Der Deutsche Bundestag will ein Besucher- und Informationszentrum errichten. Mehr als 250 Millionen Euro Steuergeld droht der Bau zu kosten, denn er wird unter der Erde errichtet. Selbst manchen Politikern ist das jetzt zu teuer. Der „wunderbare Blick auf das Reichstagsgebäude“ dürfe durch ein Besucherzentrum nicht beschädigt werden, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) noch 2012. Mit einer Machbarkeitsstudie probten also der Bund und das Land Berlin, einen entsprechenden Ort für die Bürger unterirdisch anzulegen. Die Studie gab grünes Licht. Der Bürger soll vor seinem Blick auf die Politiker gewissermaßen in den Keller geschickt werden. Verbunden mit Informationsangeboten über die deutsche Geschichte sollen die Besucher unter der Erde einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden. Bisher geschieht die Prüfung am Eingang und blicken die Gäste danach von der Kuppel und der Dachterrasse auf die Politiker herunter.

Seit Herbst letzten Jahres regt sich Unmut unter Haushaltspolitikern über die neue teure Unterwelt. „Ich habe mir schon bei der ersten Präsentation gedacht, mit dem Geld könnte man fast ein Fußballstadion bauen“, zitiert der „Spiegel“ Norbert Barthle (CDU), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Haushalt der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Unzufriedenheit des Steuerzahlers hingegen dürfte noch größer ausfallen, denn alle offiziellen Versuche, das Projekt günstiger umzusetzen, änderten kaum etwas an den immensen Kosten. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung nennt laut „Berliner Kurier“ inzwischen eine „prognostizierte Gesamtsumme“ von 215 Millionen Euro. Das Blatt äzte: „Deutschland baut sich einen Demokratie-Bunker“. In der Summe seien allerdings 25 Millionen Euro für eine entsprechende Ausstellung plus weitere acht Millionen für die Anbindung an das Parlamentsgebäude noch nicht inbegriffen, so das Blatt.

Schon die reine Größe des am Washingtoner Kapitol ausgerichteten Vorhabens verblüfft: Ein 360-Grad-Kino, ein eigenes Bistro, ein Geschäft mit Bundestagsartikeln, ein Kinderbereich und zehn Seminarräume umfasst selbst der abgespeckte Plan. Nach dieser vermeintlichen Sparvariante soll das Besucher- und Informationszentrum unterhalb des Platzes der Republik nicht mehr direkt mit dem Reichstag unterirdisch verbunden sein. Dafür muss nun vor dem Westportal eine Rampe geplant werden. So bleiben rund 10000 Quadratmeter unterirdischer Baufläche, verteilt auf zwei Geschosse. Für 1000 Besucher gleichzeitig ausgelegt, bietet das neue Zentrum sofort Anlass für weitere Kritik, denn an dem anschließenden Rundgang über die Kuppel können nur maximal 600 Personen teilnehmen. Die Bürger werden somit unterirdisch geparkt. Die Begehrlichkeiten der Politik halten hingegen an. Ilja Seifert (Linke), Mitglied der Baukommission, forderte, „auch Veranstaltungen mit vielen mobilitätseingeschränkten Menschen“ möglich zu machen.

Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) mahnte indes „von Anfang an Kostenwahrheit und Kostenehrlichkeit“ an. Die ist angesichts der jüngsten Erfahrungen mit politischen Großbaustellen alles andere als sicher. Eine endgültige Entscheidung wird nicht vor der Bundestagswahl im Herbst erwartet. SV


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