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11.05.13 / Bock zum Gärtner gemacht / Politiker über Verschwendung im Politikbetrieb

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 19-13 vom 11. Mai 2013

Bock zum Gärtner gemacht
Politiker über Verschwendung im Politikbetrieb

„Verschwendung. Politik der Maßlosigkeit“, so der Titel, der durchaus neugierig macht. Doch schon die Lektüre der ersten Seiten des vom früheren politischen „Bild“-Kolumnisten Mainhardt Graf Nayhauß herausgegebenen Buches verleitet einen dazu, dieses der Altpapiersammlung zu übergeben. Gut, ein Blick auf die Autoren, die in diesem Buch mit Beiträgen zu dem titelgebenden Thema Verschwendung versammelt sind, hätte schon allein verraten, dass der 1926 geborene Graf inzwischen seinen kritischen Sinn verloren hat oder ihn gar nie gehabt hat. Denn die meisten Autoren entstammen selbst dem Politikbetrieb und haben wenig Überraschendes zu sagen. Natürlich betonen sie alle, dass sie gegen Verschwendung sind, da sie aber selbst zum Teil schon seit Jahrzehnten die Politik gestalten, sind ihre Worte wenig glaubwürdig. Rainer Brüderle (FDP), Julia Klöck-ner (CDU), Renate Künast (Grüne), Petra Merkel (SPD), Philipp Mißfelder (CDU), Peter Ramsauer (CSU), Wolfgang Schäuble (CDU), Johannes Singhammer (CSU), Hermann Otto Solms (FDP), Edmund Stoiber (FDP) und Dagmar Wöhrl (CSU) langweilen einen bestenfalls, da sie überwiegend das sagen, was man schon vorher von ihnen erwartete. Aber auch die Beiträge von Gertrud Höhler, Nikolaus Blome und Michael Inacker sind nur Mittelmaß.

Bezeichnend ist auch, wie wenig die Autoren in der Lage sind, Artikel frei zu schreiben. Gleich mehrere beginnen ihren Beitrag, indem sie die Definition von Verschwendung nachschlagen. Unter diesen Kreativlosen befindet sich übrigens auch der langjährige Journalist Ulrich Wickert.

Dieter Engels, der Präsident des Bundesrechnungshofs, weist immerhin darauf hin, dass, was für den einen Verschwendung sei, der andere als dringend notwendig erachte. Sie trete aber vor allem dort auf, wo der Bedarf gar nicht oder falsch ermittelt werde. So nennt er das Beispiel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, wo auf 1800 Beschäftigte 2550 Computer kommen. Und Bauminister Ramsauer kritisiert den Nutzen des geplanten rund 300 Millionen Euro teuren Besucher- und Informationszentrums des Bundestages vor dem Reichstagsgebäude, was seinem Beitrag immerhin einen gewissen Informationsgehalt verleiht.

Der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz befasst sich mit der Frage, ob Demokratien überhaupt sparen können, und verbalisiert hierbei einige interessante Gedanken. Und Mißfelder sorgt mit seinem Hinweis, dass Verschwendung sich nicht immer in Euro bemisst, sondern beispielsweise auch bei der Gleichmacherei in der deutschen Schullandschaft zu finden sei, dafür, dass auch sein Beitrag dem Leser einen gewissen Mehrwert bietet.

Am Ende hat man ein paar Details mehr zum Nürburgring und zum „World Conference Center Bonn“ erfahren, hat Künast mal wieder über „Nachhaltigkeit“ schreiben sehen und von Graf Nayhauß erfahren, dass Politiker zu viel Geld für Reisen ausgeben. In der Bilanz kann man sich auch besser die Zeit vertreiben als mit der Lektüre dieses Buches. Es kommt immer auf die Alternativen an. Rebecca Bellano

Mainhardt Graf Nayhauß (Hrsg.): „Verschwendung. Politik der Maßlosigkeit“, Edition Lingen Stiftung, Köln 2013, gebunden, 112 Seiten, 6,99 Euro


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