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18.05.13 / Große Pläne contra Realität / Königsbergs Stadtregierung schreibt Architektenwettbewerb »Herz der Stadt« aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 20-13 vom 18. Mai 2013

Große Pläne contra Realität
Königsbergs Stadtregierung schreibt Architektenwettbewerb »Herz der Stadt« aus

Seit vielen Jahren schon gibt es eine wiederkehrende Diskussion darüber, wie das Stadtzentrum Königsbergs in Zukunft aussehen soll. Während Architekten sich um ein harmonisches Gesamtbild bemühen, setzen Investoren ihre profitorientierten Bauvorhaben um. Die Politik spielt dabei eine zwielichtige Rolle.

Häufig diskutieren Bürger und Politiker über die „Bebauung des historischen Stadtzentrums“. Dem Interesse der Bürger an einer schönen und lebenswerten Stadt steht das Interesse potenzieller Investoren gegenüber, die lediglich am schnellen Profit orientiert sind.

Vor Kurzem hat die Gebietsregierung aus dem regionalen Haushalt umgerechnet knapp 10000 Euro für das Projekt „Herz der Stadt“ locker gemacht. Es geht um die Gestaltung des Geländes um das Haus der Räte, des Pregelufers entlang der Vorstädtischen Langgasse und Unterlaak bis zum Ozeanmuseum (Lastadie), des nördlichen Ufers des Schlossteiches und des Kneiphofs. Ein wichtiges Element ist der Wiederaufbau des Königsberger Schlosses.

Unmittelbarer Auftraggeber ist das „Forschungs- und Produktionszentrum für den Schutz von Baudenkmälern“. Die Mittel werden im Rahmen des Programms zur „Erhaltung, Nutzung, Popularisierung und staatlichen Schutzes von Objekten des kulturellen Erbes 2013 bis 2015“ zugeteilt.

Laut Ausschreibung müssen die Teilnehmer innerhalb von zwei Wochen eine Reihe archivarischer, bibliographischer und sonstiger Recherchen vorweisen, die die historisch-kulturellen Charakteristiken und den Wert der städtebaulichen Elemente des beschriebenen Geländes aufweisen. Dabei müssen die Auswertungen des internationalen Symposiums „Kaliningrad: Zukunftsbilder. Die städtebauliche Entwicklung des Stadtzentrums“, das 2005 stattgefunden hat, sowie des internationalen „Workshops“, der 2007 durchgeführt wurde, zugrunde gelegt werden. Doch am interessantesten wird sein, inwieweit die Vorschläge Teile des historischen Königsbergs einschließen und welche Chancen der Realisierung sie haben. Dies könnte ganze Gebäudekomplexe, Plätze oder das Pregelufer betreffen. Soweit die Pläne. Doch währenddessen hat die Bebauung des historischen Stadtteils Lastadie entlang des Pregelufers bereits begonnen, jedoch nicht mit historischen Bauten, die an das alte Königsberg erinnern. Ein Beispiel ist das neue Ibis-Hotel, das vor kurzem am Pregelufer eröffnet wurde. Viele hofften auf einen Neubau im Stil der Hilton-Hotels, die sich durch moderne Formen und Design auszeichnen. Stattdessen entstand ein weiterer gewöhnlicher gesichtsloser Klotz mit unzähligen kleinen Fenstern, der an ein Lager erinnert, das sehr gut zu den gesichtslosen Bauten der Sowjetära passt.

Die Unzufriedenheit der Bürger ist nicht zu übersehen, und so ließ Bürgermeister Alexander Jaroschuk sich heftig über die hässlichen Gebäude aus, die das Gesamtbild der Stadt versauten. Seine Worte klangen wie ein Aufschrei der Seele: „Schluss mit der Vergewaltigung der Stadt. Ich kann das nicht mehr mit ansehen! Man muss einen Mechanismus finden, so etwas zu bekämpfen.“ Der Bürgermeister bezieht sich auf eine Baugenehmigung für die Bebauung von Grünflächen, die im Jahr 2000 ausgestellt wurde. „Jetzt können wir nichts mehr machen“, bedauerte Jaroschuk. Die heutige Situation sei eine Folge der Verfahrensweise bei der Vergabe von Baugenehmigungen vor zehn Jahren.

Nun will der Bürgermeister eine neue Regelung durchsetzen, die Einzelbebauungen unterbindet. Seine Aussage, die Stadtregierung sei machtlos, wirkt befremdlich, umso mehr, als zwei Abgeordnete des Stadtrats mit dem Baugewerbe verbandelt sind, die bereits weitere Bauprojekte auf städtischem Gebiet vorantreiben. Jurij Tschernyschew


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