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01.06.13 / Recht hat er, der Kardinal

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-13 vom 01. Juni 2013

Moment mal!
Recht hat er, der Kardinal
von Klaus Rainer Röhl

Der katholische Kardinal Joachim Meisner, der schon immer für eigenwillige Denkanstöße in Deutschland gut war, hat den verblüffend einfachen, aber auch einleuchtenden Gedanken gehabt – und ausgesprochen –, dass wir uns die sogenannten und in keiner Regierungserklärung fehlenden „demografischen“ Probleme (zu viel Alte und zu wenig Junge, die in die Rentenkasse einzahlen) sparen könnten, wenn unsere Frauen mehr und früher Kinder zur Welt bringen würden. Statt, wie die Kanzlerin und ihre Verbündeten aus CDU, SPD und Grünen, das Problem durch Zuwanderung aus dem Ausland und die Eingliederung von Wirtschaftsflüchtlingen aus armen und unterentwickelten Ländern zu lösen. Und statt viel, sehr, sehr viel Geld deutscher Steuerzahler für die mühsame Eingliederung der Zuwanderer und ihrer Kinder aufzuwenden, wäre es besser, das Geld für deutsche Familien auszugeben. Einfacher

geht’s nicht. Das heißt, dass unsere Regierung sich entschließen sollte, die Ehepaare zu ermutigen, nicht nur ein Kind in die Welt zu setzen, sondern zwei, drei oder vier Kinder aufzuziehen und zu betreuen. Das Geschrei in den Medien ist groß. Hauptsächlich von gut ausgebildeten und gut verdienenden Frauen. Andere wurden kaum gefragt.

Was hatte der Kardinal eigentlich gesagt und in welchem Zusammenhang? Der 79-jährige Meisner will es zu seinem 80. Geburtstag dem Papst nachtun und zurücktreten. Dies war der „Stuttgarter Zeitung“, die gelegentlich aus der großen bundesdeutschen Einheitsfront der Medien ausschert, Anlass genug, ein kurzes Interview mit dem streitbaren langjährigen Bischof von Berlin und heutigen Erzbischof von Köln zu drucken. Innerhalb dieses Interviews fiel dieser Satz: „Wo werden Frauen wirklich ermutigt, zu Hause zu bleiben und drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen. Hier müsste man einsetzen und nicht nur Zuwanderung als Lösung unserer Demografieprobleme präsentieren.“ Dann sagte der Kardinal, der in seiner Berliner Zeit auch für die damalige DDR zuständig war und den Kommunisten verhasst war wie dem Teufel das Weihwasser, die Politik der Kanzlerin Merkel erinnere ihn an die DDR: „Dort hat man den Frauen eingeredet, wer wegen seiner Familie zu Hause bleibe, sei dement.“

Das war ein Satz, aber er kam am gleichen Tag der „Bild“-Redaktion auf den Tisch. Offenbar war gerade kein anderer Knüller in Sicht, und so entschloss man sich, aus dem Kardinal ein Aufreger-Thema zu machen. Denn der Geistliche ist im Raum Köln noch in guter Erinnerung wegen seiner flexiblen Lösung der Frage, ob man Frauen, die als Folge einer Vergewaltigung befürchten, schwanger zu werden, in den vorwiegend katholisch geleiteten Krankenhäusern des Landes helfen könne.

Jetzt fehlte nur noch die „Schlag“-Zeile: „Wie gut passen Meisners Thesen in die Jetzt-Zeit?“ Eine Riesendiskussion sollte das werden. Schnell wurden ganze sechs Foto-Interviews in ganz Deutschland gemacht und dazugestellt, schön einerseits, andererseits, dafür, dagegen, weiß nicht. Und auch Politiker werden befragt, bei denen man die Antwort im Voraus

wusste: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Grünen-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt waren gegen Meisners These und nur CSU-Politiker Norbert Geis (74) dafür. Und die bis dato unbekannte Vorsitzende der „Jungen Unternehmer“, Lencke Wischhusen (27), schlug erwartungsgemäß am härtesten zu: „Die Aussagen sind veralteter Schwachsinn. Die Frauen sind für die Wirtschaft unverzichtbar.“ Ähnlich ablehnend schrieb Elke Holst im „Focus“. Weiter wurde nicht mehr diskutiert.

Ich finde, Meisner hat recht. Nur wird es sehr teuer. Meine schönäugige Lieblingsministerin Kristina Schröder war mit dem Betreuungsgeld zaghaft auf dem Weg in die richtige Richtung, bekam aber so viel Gegenwind, dass sie beim ersten Schritt stehenbleiben musste. Und das Betreuungsgeld von 150 Euro für Kinder unter drei Jahren, die keine Kita besuchen, motiviert natürlich niemanden. Die verantwortungsvollste Aufgabe in einem Staat, Kinder zu leistungsfähigen und fröhlichen Staatsbürgern heranzubilden, mit einem solchen Betrag pro Kind zu belohnen, ist ja wohl ein skandalöser Niedriglohn. Dafür wirft nicht mal eine Putzfrau ihren Job hin, gibt keine berufstätige Frau ihren anstrengenden, meist nicht sonderlich geliebten Beruf auf. Die meisten Frauen arbeiten ja nicht als Moderatorin von „Panorama“ oder als Journalistin bei „Focus“, sondern sind Tag für Tag in an den Nerven zerrenden Berufen wie Kassiererin im Supermarkt, Packerin oder Fabrikarbeiterin tätig, wo man alle paar Minuten auf die Uhr guckt, um zu sehen, ob nicht bald Feierabend ist. Da ist die Erziehung von drei oder vier Kindern, bei richtiger Bezahlung allerdings, vielleicht ein schönerer Beruf, vor allem aber für die Kinder. Die mit Mutter, Vater und den heute immer seltener werdenden Geschwistern besser leben, in der Regel liebevoller betreut werden als von den leider oft schlecht ausgebildeten, um bessere Bezahlung kämpfenden Kita-Wächterinnen, die eben Feierabend haben, wenn das letzte Kind gegangen ist. Besser für die Kinder sind die leiblichen Mütter normalerweise. Ist das nicht auch wichtig wie das Funktionieren der Wirtschaft? Braucht nicht gerade die Wirtschaft auch qualifizierten Nachwuchs? Die Kinder haben Brüder und Schwestern und lernen, selbst bei den sogenannten „bildungsfernen“ Familien, Deutsch nicht im Sprachkurs, sondern von den Eltern, die es über Jahrhunderte von ihren Vorfahren gelernt haben.

Ein Kind meistens sehr spät auf die Welt zu bringen, ist heute zu einem Hobby geworden, das man sich leistet wie die Sängerin Madonna. Sieben Kinder aufzuziehen ist ein Beruf. Wer den Frauen das Gegenteil einreden will, kommt im Grunde von den uralten, aber auch urfalschen Ideen Platons her, der die Erziehung der Kinder dem Staat übertragen wollte. Seine Anhänger sind noch heute tätig. Natürlich kann man damit die Familie, die in unserem Grundgesetz – Gott sei Dank – (noch) geschützt ist, langsam abbauen und auf vielfältige Weise relativieren, wie es bereits bei den 68ern und in der DDR versucht wurde. Aus den Fehlern der alten DDR wurde, unter der dort aufgewachsenen Kanzlerin, Deutschland langsam zu einer Art „DDR light“, mit einem Kuddelmuddel aller Hautfarben und Vorlieben. Die Nation, das heißt, die Zusammengehörigkeit von Menschen gleicher Herkunft und Geschichte, wurde ersetzt durch eine zufällige Ansammlung von Menschen mit Wohnsitz in Deutschland, Bevölkerung genannt.

Warum aber bewundern wir an anderen Völkern, denen es wirtschaftlich oft schlechter als uns geht, gerade ihr unbedingtes, auf Herkunft und Geschichte sich berufendes Gemeinschaftsgefühl? Warum haben sie mehr Freude am Leben? Mehr Freude nicht nur an Festtagen, sondern auch im Alltag, im ganzen Leben? Vielleicht, weil sie bei ihren Eltern und mit vielen Brüdern und Schwestern aufgewachsen sind?

Der eigenwillige Kardinal in Köln hat recht. Er hat nur das Selbstverständliche gesagt. Was sind das für Zeiten, in denen ein Gespräch über das ganz Selbstverständliche schon fast eine Revolution ist?


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