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01.06.13 / Sächsische Originale unter sich / Wagner, Klinger, May – Leipziger Ausstellung widmet sich drei genialen »Weltenschöpfern«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-13 vom 01. Juni 2013

Sächsische Originale unter sich
Wagner, Klinger, May – Leipziger Ausstellung widmet sich drei genialen »Weltenschöpfern«

Ob Richard Wagner Notiz von Max Klinger und Karl May genommen hat, ist nicht bekannt. Dafür haben sich Klinger und May in ihrem Schaffen mit Wagner beschäftigt. Klinger arbeitete an einem Denkmal für den Meister, von dem er nur den Sockel fertigstellen konnte. Am Leipziger Goerdelerring gelegen, steht darauf seit dem 22. Mai, dem Wagner-Geburtstag, eine mannshohe Wagner-Skulptur des Bildhauers Stephan Balkenhol. Und in Mays Roman „Der Ölprinz“ bezieht sich Kantor Hampel, der eine Oper für drei Theaterabende komponieren will, auf Wagner und den „Ring des Nibelungen“.

Das Leipziger Museum der bildenden Künste fahndet nun mit der Schau „Weltenschöpfer“ nach Verbindungen zwischen den drei sächsischen Originalen Richard Wagner (1813–1883), Max Klinger (1857–1920) und Karl May (1842–1912). Es ist die ungewöhnlichste Ausstellung, die anlässlich von Wagners 200. Geburtstag stattfindet. Eingerichtet ist eine Kunstausstellung mit 80 Gemälden und Grafiken. Zudem hat die Künstlerin „rosalie“ den drei Titanen Wagner, Klinger und May je eine bombastische Licht- und Klang-Installation gewidmet.

Als zentrales Verbindungselement zwischen dem Komponisten, dem bildenden Künstler und dem Schriftsteller machen die Ver­anstalter deren Na­turauffassung dingfest. Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt urteilt: „Sie verstehen sich als Schöpfer neuer Welten gleichnishaften Charakters.“

Die auf die Bühne gestellten, ins Bild gesetzten oder zu Papier gebrachten Landschaftsräume vermitteln in der Nachfolge der ro­mantischen Malerei Stimmung und unterstützen dramatische Handlungsabläufe. Die Gegenüberstellung ist in thematische Abteilungen gegliedert. Eine widmet sich zum Beispiel dem Meer als Schauplatz von Untergang und Errettung. In einer anderen geht es um das Feuer als Sinnbild von Fortschritt und Zerstörung. Der Wald wird als Zufluchts- und Tatort vorgestellt.

Die erste Abteilung steht unter der Überschrift „Die Helden – Kampf zwischen Gut und Böse“. Frei nach Wagner zeigt Hans Thomas Lithografie „Siegfried mit dem getöteten Drachen“ (1898) einen posierenden Muskeljüngling. Auf Max Klingers Radierung „Und doch!“ (1898) reckt sich aus dunkler Landschaft ein nackter junger Mann dem Licht entgegen – und wird so selbst zur Lichtgestalt. Im Auftrag Karl Mays schuf Sascha Schneider mit Aquarell, Kreide und Bleistift den Um­schlagentwurf für den Roman „Im Reiche des Silbernern Löwen II“ (1905). Ein nack­ter Recke geht mit mächtiger Faust einem gehörnten Ungeheuer an die Gurgel. Auf den Helden fallen gleißende Lichtstrahlen, während das Ungeheuer in der Dunkelheit versinkt.

Die letzte Abteilung heißt „Das Hochgebirge – Sitz der Götter und Ort der Entscheidungsschlachten“. Max Klingers dort eingeordnete Radierung „Erste Zukunft“ (1880) zeigt zwischen steil aufragenden Felswänden eine riesenhaft wirkende Raubkatze, die uns den Weg versperrt. Im Auftrag von May lieferte Claus Bergen eine Gouache als Illustrationsvorlage für den Roman „Der Schut“. Sie zeigt einen Entscheidungskampf auf dem Teufelsfelsen: „Barud el Amasat griff in die Luft und stürzte hinab“ (1907). Wagner engagierte Max Brückner als hauptverantwortlichen Theatermaler für die Bayreuther Festspiele. Brückners Ölgemälde „Der Untergang von Burg Walhall“ (1894) zeigt auf hohen Felsen eine mächtige Feuersbrunst.

In den 1990er Jahren entwarf die 1953 geborene Stuttgarterin „rosalie“ zu den Bayreuther Festspielen Bühnenbilder und Kostüme für den „Ring des Nibelungen“. Für Leipzig hat sie Installationen mit gespenstischen Licht- und Klangerscheinungen entwickelt. Ausgelöst werden sie durch die Bewegungen der Besucher. Im Karl-May-Raum ertönen Naturgeräusche, indianische Urlaute und Fragmente aus „Ave Maria“, einer Komposition des Schriftstellers. Im Klinger-Raum steht ein Klavier, das scheinbar von Geisterhand gespielt wird. Es weist darauf hin, dass der Künstler ein Klavier in seinem Atelier stehen hatte, in dessen Tasten er im Streben nach Inspiration griff. Im Wagner-Raum erklingen Motive aus seinem „Der Ring des Nibelungen“. Veit-Mario Thiede


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