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01.06.13 / Wie aus einem Gebirge ein Kontinent wurde / »Der Deutsche« lief als »Sierra Morena« vor 90 Jahren in Bremen vom Stapel und endete als »Asia«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 22-13 vom 01. Juni 2013

Wie aus einem Gebirge ein Kontinent wurde
»Der Deutsche« lief als »Sierra Morena« vor 90 Jahren in Bremen vom Stapel und endete als »Asia«

Als der Dampfer „Sierra Morena“ vor 90 Jahren vom Stapel lief, um für den Norddeutschen Lloyd im Passagierdienst zwischen Bremen und Südamerika eingesetzt zu werden, schien es der Anfang einer unspektakulären Karriere als Passagier- und Auswandererschiff zu sein. In den späten 20er Jahren wurde die „Sierra Morena“ mangels Auslastung auch als Kreuzfahrtschiff eingesetzt.

Nach dem Machtwechsel 1933 wurde von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) ins Leben gerufen, in der aus politisch motivierten Gründen für die Arbeiterschaft Gelegenheiten geschaffen wurden, für kleines Geld zu verreisen. Besonders attraktiv waren dabei kurze Seereisen, für welche die DAF Dampfer charterte, die allerdings durch ihre Klasseneinteilung zu der Ungerechtigkeit führte, dass die Reisenden zu dem für die DAF typischen Einheitspreis sehr unterschiedlich untergebracht wurden. Der eine durfte in einer Luxuskabine residieren, der andere schlief in einer Kammer ohne fließendes Wasser.

Nach dem Untergang des von der DAF gecharterten Dampfers „Dresden“ im Jahre 1934 wuchs der Bedarf an einem eigenen Schiff. Noch im selben Jahr kaufte die DAF den Dampfer „Sierra Morena“ und baute ihn zum Einklassenschiff um. Dabei wurden die Kabinen zum Teil so eng gebaut, dass sich nur jeweils zwei der Passagiere einer Vierbettkabine gleichzeitig ankleiden konnten, während die anderen beiden draußen warten mussten. Im Juli 1934 wurde das Schiff als „Der Deutsche“ mit weißem Anstrich als KdF-Dampfer in Dienst gestellt, jedoch weiter vom Norddeutschen Lloyd bereedert. Im Frühjahr und Sommer standen fünftägige Norwegenfahrten auf dem Fahrplan, im Herbst und Winter Mittelmeerkreuzfahrten ab Genua. 1936 fuhren vier KdF-Schiffe mit insgesamt 4000 Passagieren nach Madeira und Portugal und ließen sich dort als „Flotte des Friedens“ von den Menschen bejubeln. Zu einem weiteren großen Propaganda-Ereignis brachen insgesamt sechs KdF-Schiffe einschließlich der Neubauten „Robert Ley“ und „Wilhelm Gustloff“ im Mai 1939 nach Spanien auf, um die Freiwilligen der Legion Condor, die am spanischen Bürgerkrieg teilgenommen hatten, nach Hause zu bringen. Am Pfingstmontag lief die KdF-Flotte wieder in Hamburg ein und wurde dort begeistert empfangen. Bis Ende August 1939 war „Der Deutsche“ mit 155 Urlaubsreisen das fahrtenreichste KdF-Schiff. Auf fünf Jahre und 118 Tage KdF-Einsatz folgten dann fünf Jahre und 250 Tage Kriegseinsatz.

Bereits am 2. September 1939 wurde „Der Deutsche“ von der Kriegsmarine übernommen und im Herbst 1939 wurde sie zur Baltenumsiedlung eingesetzt. Bei der Besetzung Norwegens 1940 diente „Der Deutsche“ als Truppentrans­porter, danach als Wohnschiff für Marine-Einheiten in Gotenhafen und Königsberg. Ab Januar 1945 fuhr sie als Flüchtlingsschiff über die Ostsee und wurde auch als Verwundetentransportschiff eingesetzt. Aufgrund der Kapazitäten an Bord konnte „Der Deutsche“ auf sieben Reisen über 34000 Menschen über die Ostsee retten. Wegen Brennstoffmangels wurde der Dampfer wie auch andere große Schiffe ab Ende April jedoch nicht mehr für weitere Rettungstransporte eingesetzt. Vor Fehmarn wurde das Schiff am 1. Mai von britischen Bombern und Jagdflugzeugen angegriffen. Die Besatzung setzte das Schiff auf Grund, zum Glück konnten alle von Bord gerettet werden.

Nach dem Krieg wurde „Der Deutsche“ der Sowjetunion als Kriegsbeute zugesprochen, nach Warnemünde geschleppt und dort dreieinhalb Jahre lang repariert. Unter dem Namen „Asia“ war das einstige KdF-Schiff für die sowjetische Staatsreederei Sovtoflot mit Heimathafen Wladiwostok noch bis 1970 in Fahrt. Britta Heitmann


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