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15.06.13 / Deutscher räumt auf / Vatikanbank: Wenn sich der Heilige Geist im Finanzdschungel verirrt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-13 vom 15. Juni 2013

Deutscher räumt auf
Vatikanbank: Wenn sich der Heilige Geist im Finanzdschungel verirrt

Im Vatikan hat das große Aufräumen in Sachen Finanz-dschungel begonnen. Mit dem 1958 geborenen deutschen Manager Ernst Conrad Rudolf von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen soll seit Beginn des Jahres endlich Licht in die zahlreichen Skandale und Affären der milliardenschweren sogenannten Vatikanbank kommen.

Schon im Jahr 1605 hatte Papst Paul V. die „Bank des Heiligen Geistes“ („Banco di Santo Spirito“) gegründet. Sie war die erste Bank in der Kapitale Rom und der Pionierschritt des Heiligen Stuhles in die Welt kapitalistischer Finanzströme. Das Geldhaus ging in der „Banco di Roma“ auf und die Würdenträger im Vatikan konzentrierten 1944 ihre Geschäfte im geheimnisvollen und verschwiegenen Istituto per le Opere di Religione (IOR, Institut für die religösen Werke), das heute als Vatikanbank bekannt ist.

Gerade aber diese Geheimnistuerei bildete jahrzehntelang den schützenden Mantel für allerlei Dubioses: Zusammenarbeit mit der Mafia, Geldwäsche für Fluchtkapital, Drogengeschäfte, Schmiergeldaffären, geheime Nummernkonten etwa für den Ex-Staatspräsidenten Guilio Andreotti, Blockade von Korruptionsuntersuchungen, Verdacht auf Terrorfinanzierung und Beziehungen zur geheimnisumwitterten Freimaurerloge Propaganda Due, einer Verschwörergruppe, der Führungsoffiziere des Geheimdienstes, Justizangehörige, über 50 Generäle, Kardinäle und Bischöfe, Geschäftsmänner wie Silvio Berlusconi sowie 44 Parlamentsmitglieder angehörten. Einige der Machenschaften wurden entdeckt, als in der Schweiz versteckte Akten geöffnet wurden.

Ungeklärte Morde, wie der an dem Mailänder Bankier Roberto Calvi der in Konkurs gegangenen „Banco Ambrosiano“ sowie der Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof Bolognas mit 85 Toten werden ebenfalls in diesen Zusammenhang gebracht. Der Ermittlungsrichter Emilio Alessandrini starb ebenfalls durch Mord, Calvis Sekretärin endete durch Selbstmord. Die Geschäfte der Vatikanbank führte damals Erzbischof Paul Casimir Marcinkus. Calvi wurde 1982 „standesgemäß“ unter einer Themsebrücke mit dem beziehungsreichen Namen „Brücke der Schwarzen Mönche“ aufgehängt. Sein Kompagnon, der Rechtsanwalt Michele Sindona, bekam einen mit Zyankali gesüßten Espresso im Gefängnis serviert. Der Vatikan verlor damals bei den undurchsichtigen Geschäften Calvis drei Milliarden Dollar. Einziger Überlebender war der abgelöste Erzbischof Marcinkus, der 2006 als einfacher Priester in einem entlegenen Dorf in Arizona das Zeitliche segnete. Auch zwei Geschäftsleute wurden zu Opfern im Zusammenhang mit Schmiergeld-Machenschaften der Vatikanbank, Enimont-Manager Gabriele Cagliari erstickte an einer Plastiktüte und Mehrheitsaktionär Paul Gardini erschoss sich.

Der jetzige Chef und Jurist aus einem schwäbischen Adelsgeschlecht will nun endgültig aufräumen und im Oktober erstmals eine Bilanz der Bank veröffentlichen. Nach verschiedenen Managerpositionen ist der Malteserritter Aufsichtsratschef bei der Hamburger Werft Blohm & Voss. Privat verwaltet er den umfangreichen Besitz seiner Familie. J. Feyerabend


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