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15.06.13 / Sichtbare Zeichen setzen / Landesgruppe Niedersachsen zeigte bei Jahrestreffen Vielfalt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-13 vom 15. Juni 2013

Sichtbare Zeichen setzen
Landesgruppe Niedersachsen zeigte bei Jahrestreffen Vielfalt

Die Jahreshauptversammlung der Landesgruppe Niedersachsen in Hannover zeugte von einem vielseitigen Veranstaltungs- und Arbeitsprogramm der Kreis- und Ortsgruppen.

„Die Stadt Königsberg-Kaliningrad boomt, das Land darbt.“ Das war eine der Aussagen von Luise Wolfram in ihrem Vortrag „Königsberg-Kaliningrad, die doppelbödige Stadt – Postsowjetische Eindrücke in Wort und Bild“.

Die Berichte der Landesvorsitzenden, der Bezirks-, Kreis- und Ortsvorsitzenden der Landesgruppe Niedersachsen sowie die Aktivitäten des Zentrums gegen Vertreibungen und der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ waren weitere Schwerpunkte der Jahreshauptversammlung 2013.

Mit großem Interesse lauschten die Delegierten den Ausführungen von Luise Wolfram, die sich für die Deutschen und die Russlanddeutschen in Nordostpreußen unermüdlich einsetzt, über die Situation in Königsberg seit der Wende 1991. Gerade den heimatvertriebenen Ostpreußen kommt das Verdienst der Öffnung des Gebietes und der Kontaktaufnahme mit der jetzt in der Heimat lebenden Bevölkerung zu. Die Aktivitäten von Frau Wolfram haben dazu beigetragen, dass mehr als 40 evangelische Gemeinden gegründet und Gemeindehäuser für Gottesdienste eingerichtet werden konnten. Unterstützt wurde sie durch ihren Ehemann, der von 1999−2002 zur Leitung der evangelischen Propstei in Kaliningrad berufen worden war. Eine wichtige Grundlage für die wirtschaftliche Existenz vieler Bewohner bieten die in Königsberg heute mit Erfolg arbeitenden Niederlassungen der deutschen Industrieunternehmen BMW und Hipp. Die Stadt hat in den letzten Jahren ihr Gesicht gewandelt; sie kann aber ihre Wurzeln aber nicht verleugnen.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist wieder aktiv geworden. Deutsche Einrichtungen haben es sich zur Aufgabe gemacht, für den Erhalt und den Wiederaufbau alter deutscher Kirchen zu sorgen. Das Fazit von Frau Wolfram: Königsberg ist verschüttet unter Kaliningrad, aber auch die heftigste Gegenwehr aus Moskau konnte bisher ihre Wiederentdeckung nicht verhindern. Ihre Gedanken und Reiseeindrücke hat Luise Wolfram in drei Büchern niedergeschrieben: „Störche kennen keine Grenzen“, „Unter dem hohen ostpreußischen Himmel“ und „Land der dunklen Wälder − Streifzüge durch Ostpreußen“, die bei ihr zu beziehen sind.

Einen sehr informativen Bericht über die Entstehung des vom BdV 1999 gegründeten Zentrums gegen Vertreibungen und den erst neun Jahre später gefassten Beschluss der Bundesregierung, ein „Sichtbares Zeichen“ zu setzen gegen Flucht und Vertreibung gab der Stellvertretende Landesvorsitzende, Fritz Folger. Nachdem der Bund der Vertriebenen keine der im Bundestag vertretenen Parteien nach der „Wiedervereinigung“ für eine Gedenkstätte gewinnen konnte, übernahm der BdV selbst die Verwirklichung in die Hand, der seitdem mit drei eindrucksvollen Ausstellungen in die Öffentlichkeit getreten ist. Am 30. Dezember 2008 wurde die unselbstständige „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ errichtet und 2012 die Konzeption für die gesamte Dauerausstellung verabschiedet. Im Stiftungsrat mit 21 Mitgliedern sind sechs aus dem Lager der Vertriebenen, die dazu beitragen können, dass deutsches Schicksal und deutsche Geschichte wahrheitsgetreu dargestellt werden.

Die Vorsitzende, Dr. Barbara Loeffke, ging in ihren Ausführungen auf die Situation in den Vertriebenenverbänden, insbesondere auf die aktuelle Lage der Landsmannschaft Ostpreußen und die Kulturarbeit für die Heimatvertriebenen ein. Sie konnte feststellen, dass sowohl bei den landsmannschaftlichen Gruppen als auch bei denen des BdV die heimatpolitischen Aktivitäten auf allen Ebenen weiter vorbildlich sind. Die Ehrenamtsträger, ihrer Heimat treu verbunden, leisten Hervorragendes. Die Aktivitäten des Vorstands konzentrierten sich neben der Betreuung der Gruppen und der Zusammenarbeit mit dem BdV auf die Mitwirkung in den Kultureinrichtungen der Ostpreußen und der Vertriebenen sowie die Kontakte zu Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Sie musste feststellen, dass immer noch die Eigentumsfrage des von den Vertriebenen in der Heimat zurückgelassenen Vermögens ungeklärt ist. Auch die Situation der heute noch in der Heimat lebenden Deutschen ist weiter unbefriedigend. So mahnt auch der Sachverständigenausschuss des Europarats unter anderem an, Deutschunterricht auf Vorschul-, Grundschul- und Sekundarschulniveau sicherzustellen. Die Einrichtung von deutschen Schulen und Kindergärten muss weiter vorangetrieben werden.

Wie alljährlich konnten die Vorsitzenden der Bezirks-, Kreis- und Ortsgruppen von einem großen Programm bei den regelmäßig stattfindenden Zusammenkünften der Ostpreußengruppen, teilweise zusammen mit anderen Landsmannschaften oder dem BdV, berichten: Reisen in die Heimat, Hilfsgütertransporte für die in der Heimat notleidenden Menschen, Reiseberichte über Ostpreußen hinaus, Pflege der ostpreußischen Kultur durch Lesungen, Besuch von Theateraufführungen der Dittchenbühne Elmshorn, Vorträge über die Kultur und die aktuelle Situation in Pommern, Schlesien und anderen deutschen Siedlungsgebieten, Mitwirkung bei regionalen Heimatfesten und Arbeit im sozialen Bereich, so unter anderem bei der Betreuung von kranken Landsleuten. Angesprochen wurden auch die unter Mitwirkung des BdV und ostpreußischer Landsleute erarbeiteten Lehrerhandreichungen für den Unterricht zum Thema Flucht und Vertreibung sowie die Kulturpolitik auf Bundes- und Landesebene. Trotz rückläufiger Mitgliederzahlen halten die Gruppen weiter fest zusammen und werden von der Öffentlichkeit auch wahrgenommen.

Zu Beginn der Versammlung gedachten die Delegierten der im abgelaufenen Jahr verstorbenen Landsleute, der Opfer von Flucht und Vertreibung und der Soldaten, die im Kampf in und um Ostpreußen ihr Leben ließen.

Der Kassenbericht wurde von Vorstandsmitglied Gerhard Schulz gegeben; dem Kassenführer und dem Vorstand wurden einstimmig Entlastung erteilt. B. Loeffke


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