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15.06.13 / Kolonisten im Weltraum / Gedankenspiele zur Mars-Besiedelung werden immer konkreter

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-13 vom 15. Juni 2013

Kolonisten im Weltraum
Gedankenspiele zur Mars-Besiedelung werden immer konkreter

D erweil der Mars-Rover „Curiosity“ über den Boden des Gale-Kraters rollt und die ESA an ihren ExoMars-Sonden bastelt, die 2016 und 2018 starten sollen, wird weiterhin auch über mögliche Szenarien des bemannten Fluges zum Roten Planeten nachgedacht.

Ein solches Unternehmen wäre natürlich eine immense technische und finanzielle Herausforderung – realistische Schätzungen gehen von bis zu 500 Milliarden Dollar Gesamtkosten aus, wobei freilich zu bedenken ist, dass der Irak-Krieg vermutlich schon die sechsfache Summe verschlungen hat. Außerdem dürfte die Marsmission einiges an Nutzen bringen, und zwar nicht nur für wissbegierige Planetologen. Zum einen würde es sicher wieder allerlei kräftige Technologieschübe geben, wie damals beim Mondprogramm, dem wir unter anderem den Aufschwung der Mikroelektronik beziehungsweise Computertechnik zu verdanken haben. Zum anderen könnte das Marsprojekt aber auch einigen höchst überflüssigen zeitgeistträchtigen Ideologien den Garaus machen.

Um dies zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die offiziellen Anforderungen an die Personen, welche heute in der Erdumlaufbahn ihren Job verrichten. Von denen wird neben fachlichem Können vor allem viel Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Kollektivgeist erwartet. Ebenso sind private Eskapaden unerwünscht, denn Raumfahrer zählen als Staatsdiener, deren Fehlverhalten von den Medien genauso skandalisiert werden könnte, wie das von Politikern – mit allen Folgen für das Image der jeweiligen Weltraumagentur und kommende Budgetverhandlungen.

Zugleich müssen diese Idealmenschen aber bereit sein, sich von der permanent präsenten Bodenstation herumkommandieren zu lassen und auf jedwede Handlungsautonomie zu verzichten. Immerhin werden sämtliche Minuten des Tages vom Kontrollzentrum penibel verplant, ohne dass die Astronauten hier ein nennenswertes Mitspracherecht haben. So ist es beispielsweise völlig normal, Schlafschichten anzusetzen, welche von Punkt 22.59 bis 6.47 Uhr dauern.

Desgleichen existiert mittlerweile eine Dienstanweisung für die ISS, in der geregelt ist, auf welche Weise ein muslimischer Astronaut seinen täglichen Gebetspflichten im All nachzukommen hat. Damit dies alles funktioniert, braucht man Menschen, denen es nichts ausmacht, fremdbestimmte Rädchen in einem großen Getriebe zu sein.

Inzwischen mehren sich allerdings Stimmen, dass diejenigen, die zum Mars fliegen, doch irgendwie aus einem anderen Holz geschnitzt sein sollten. So kursiert der Vorschlag, einfach Übergewichtige zum Roten Planeten zu entsenden, die von ihren Fettreserven zehren könnten, wodurch sich enorme Mengen an Weltraumnahrung einsparen ließen. Einige Mediziner wiederum präferieren die Entsendung schwarzer Frauen, weil diese die höchste Knochendichte haben und somit am wenigsten unter dem Knochenschwund in der Schwerelosigkeit leiden würden.

Anders hingegen die Psychologen: Die fangen jetzt plötzlich an, sich über alle Gebote der Gender-Ideologie und Political Correctness hinwegzusetzen und nach genau den eigenständig denkenden, widerborstig-testoste-ronstrotzenden Helden-Typen zu rufen, welche die Mercury-, Gemini- und Apollo-Ära geprägt haben. Nur diese seien in der Lage, auch dann die Nerven zu behalten und effektiv zu handeln, wenn die Befehle der Bodenstation mit großer Zeitverzögerung oder gar nicht eintreffen. Sollte dieser Tabubruch Schule machen, wäre das ein weiterer „großer Schritt für die Menschheit“ – und zwar schon lange, bevor die erste Crew neuen Typs in Richtung Mars startet. Wolfgang Kaufmann


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