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15.06.13 / Wem nutzt die Euro-Krise? / Börsenexperte Dirk Müller bietet spannende Details

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 24-13 vom 15. Juni 2013

Wem nutzt die Euro-Krise?
Börsenexperte Dirk Müller bietet spannende Details

„Liebe Leserin, lieber Leser, herzlichen Dank, dass Sie sich dieses Buch antun“, mit diesen Worten beginnt Dirk Müller, bekannt aus Fernsehen und Zeitungen als „Mr. Dax“, sein neues Buch „Showdown. Der Kampf um Europa und unser Geld“. Und tatsächlich hat man ein wenig das Gefühl, die Lektüre des Buches müsste mit Arbeit zu tun haben, da man ja überall schon so viel über die ermüdende Euro-Krise gelesen hat. Also noch ein Buch zu dem Thema? Ja und nein, denn der Börsenexperte Müller geht anders an das Thema heran und zwar so interessant und aufrüttelnd, dass der Titel nicht ohne Grund auf den Bestseller-Listen steht. Gut, der extrovertierte Müller weiß nicht nur, wie man sich in Szene setzt, auch das von ihm gewählte, eigentlich eher abstrakte Thema kommt plötzlich wie ein Thriller daher. Schon seine Einleitung lässt Ungemach ahnen, gegen das er anschreibt und gegen das sich mutige Bürger zur Wehr setzen müssen: „Wir brauchen Menschen, die die Dinge hinterfragen, die neugierig und kritisch sind, die sich nicht alles gefallen lassen und die dazu bereit sind, sich einzumischen.“

Doch gegen wen sollen wir kritischen Leser uns denn nun zur Wehr setzen? Da hat Müller gleich einige Geschichten im Gepäck, von denen er selbst betont, sie würden sich wie Verschwörungstheorien anhören, doch bisher habe er trotz zahlreicher Gespräche mit Experten und Insidern keinerlei Argumente gehört, die seine Thesen widerlegen beziehungsweise seine noch offenen Fragen beantworten konnten. Diese laufen alle auf das Motto „Cui bono“ hinaus. Wem soll was nutzen?

Mit viel umgangssprachlichen Wortwitz führt Müller flott an das Thema Euro und seine Geburtsfehler heran. Immer redet er seine Leser direkt an und zwingt sie so, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Er berichtet, dass das größte an der griechischen Börse notierte Unternehmen ein Wettanbieter ist. „Wie nachhaltig ein solches Geschäftsmodell für einen Staat ist, entscheiden Sie bitte selbst“, empfiehlt Müller.

Doch nach einigen währungstheoretischen Aufwärmübungen kommt Müller richtig zur Sache. Und zwar behauptet er, dass die Schwäche des Dollars als Weltwährung einer der Auslöser für die Euro-Krise sei und zumindest die politische Krise Griechenlands – das er übrigens als gescheiterten Staat bezeichnet, ein Begriff der sonst eher im Zusammenhang mit Somalia genannt wird – eng mit den vermuteten Gasvorkommen vor der Küste des Landes zusammenhängt. Bei seiner letzten Theorie erwähnt er zahlreiche Geheimdienste und sogar Morddrohungen, betont den US-amerikanischen Hintergrund mancher griechischer Protagonisten und stellt letztendlich eine entscheidende Frage, die dafür sorgt, dass die zuvor erzählte Räuberpistole plötzlich irgendwie

plausibel wird: „Warum streichen wir Griechenland Hunderte Milliarden an Schulden, geben ungesicherte Garantien, anstatt gemeinsam mit den Griechen die Öl- und Gasförderung anzuschieben?“ Wobei Athen übrigens schon Anträge zur Förderung der Vorkommen vorliegen. Beworben haben sich fast ausschließlich US-Firmen. Und Müller redet weiter Tacheles. So ist er überzeugt, dass die Europäer sich zwar selbst verletzlich gemacht hätten, indem sie „völlig unterschiedlichen Staaten eine gemeinsame Währung“ übergestülpt hätten, doch „die Pfeile gegen unsere Achillesferse werden sehr gezielt und mit knallhartem Kalkül über den Atlantik abgefeuert“.

Weiter erklärt der Autor, warum die angeblichen Vorteile des Euro gar keine seien, warum eine schwache Währung wie der Euro Deutschland schade und dass die Vereinigten Staaten von Europa nicht sinnvoll seien. „Was ist sinnvoller? Ein Wald in Form einer Monokultur nur mit Kiefern oder ein Mischwald mit vielen unterschiedlichen Baumsorten und Spezies“, fragt er provozierend.

Gegen Ende macht er den Vorschlag, die Versicherungen sollten statt niedrigverzinsten Staatsanleihen Anteile eines neu zu schaffenden Infrastrukturfonds zeichnen, dessen Zweck es ist, Deutschlands Energieinfrastruktur zu modernisieren. Sachwerte statt Staatsschulden, lautet hier sein Credo und er ist überzeugt, dass die daraus resultierenden Investitionen ein Wirtschaftswachstum erschaffen würden wie einst beim Eisenbahnausbau Ende des 19. Jahrhunderts.

Ein wenig nervt es, dass Müller immer wieder Werbung für seine Internetseite www.cashkurs.de macht, aber irgendwie muss er sein Geld ja verdienen, wenn er sich nicht finanziell von irgendwem abhängig machen will. Auch wirken seine Ausführungen manchmal zu euphorisch und zu sehr nach Motivationstrainer, doch ändert das nichts an dem Umstand, dass der Autor teilweise eine aufschlussreiche, neue Perspektive auf die Euro-Krise und ihre Hintergründe bietet. Rebecca Bellano

Dirk Müller: „Showdown. Der Kampf um Europa und unser Geld“, Droemer, München 2013, gebunden, 273 Seiten, 19,99 Euro


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