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06.07.13 / Afrika: Kontinent der Hoffnung / Industrieländer bauen auf schlummernde Reserven

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-13 vom 06. Juli 2013

Afrika: Kontinent der Hoffnung
Industrieländer bauen auf schlummernde Reserven

Afrika könnte „zu einer dominanten Kraft der Weltwirtschaft“ werden, schwärmt Jim O‘Neill, Chefökonom der Investmentgesellschaft Goldman Sachs. Und das weltweit operierende Beratungsunternehmen KPMG nannte die letzten Wirtschaftszahlen des Schwarzen Kontinents gar einen „Aufstieg des Phoenix“. Doch ist dieser Optimismus berechtigt?

Auf seiner ersten längeren Afrikareise Ende Juni wollte US-Präsident Barack Obama auf dem Schwarzen Kontinent Boden gut machen. Amerika hat in den letzten Jahrzehnten Afrika wenig Beachtung geschenkt und vor allem zugunsten der Chinesen dramatisch an Einfluss verloren. Das soll sich ändern, denn in der Zukunft dürfte sein Land auch auf afrikanische Ressourcen und die Verteidigung seiner Weltmachtstellung angewiesen sein. Hoffnung machen vor allem Länder wie Äthiopien, Burkina Faso und Ghana, die ihre Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft in zehn Jahren drastisch erhöhten, so der Jahresbericht 2013 der Entwicklungsorganisation One. Auch nahm analog in den letzten zehn Jahren die extreme Armut ab, in Burkina Faso von 71 auf 45 Prozent. In Ghana sank der Anteil der vom Hunger Betroffenen von 41 auf fünf Prozent und ermöglichte auch die Bildung eines bescheidenen Mittelstandes. Im ölreichen Nigeria hingegen stieg aufgrund von Korruption und Religionskämpfen die Zahl der unter der Armutsgrenze Lebenden von 19 Millionen im Jahr 1970 auf heute rund 100 Millionen (Bevölkerung 165 Millionen).

Aufgrund solcher Ungleichgewichte mischen sich immer wieder pessimistische Töne in die rosigen Prognosen, da „das Herz Afrikas“, im Kongo etwa und im Tschad, nach wie vor nicht zur Ruhe kommt, schreibt zum Beispiel die in Namibia erscheinende „Allgemeine Zeitung“. Einige diktatorische Systeme der über 50 afrikanischen Staaten bleiben ohnedies unberechenbar. Schon jetzt werden aber in der Hoffnung auf einen künftigen Afrikaboom, etwa von JP Morgan, hochriskante Fonds kreiert, die es Anlegern ermöglichen, von der erwarteten rasanten Entwicklung zu partizipieren.

Während der jüngste Bericht von One von großen Fortschritten schwärmt, schwächelt der innerafrikanische Handel weiter und nimmt nur zwölf Prozent des gesamten Handelsvolumens ein. Auch die Erfolge der Afrikanischen Union muten eher bescheiden an. Umso mehr zieht die asiatische Karte. Nach einer Studie der Weltbank zählen China und Indien schon jetzt zu den größten Investoren. Erleichtert wird die Expansion asiatischer Unternehmen dadurch, dass sie keine Berührungsängste haben, wenn es um umstrittene Regime geht. Kein Wunder, dass China auf der Jagd nach Öl und Gas inzwischen die Nase vorn hat und bereits 25 Prozent seiner Ölimporte aus Afrika bezieht. Im Gegenzug erhalten chinesische Staatsfirmen in Bürgerkriegsländern wie dem Sudan Großaufträge zum Bau von Pipelines und anderen Anlagen.

Die Geschäfte gehen jedoch längst über Energie und Rohstoffe hinaus. Im Sudan erhielten chinesische Unternehmen den Zuschlag für den Bau von drei der vier Abschnitte des 500 Millionen Euro teuren Merowe-Damms am Nil. Daneben erhielt ein chinesischer Telefonkonzern den Auftrag zur Wartung der Mobilfunknetze in Kenia, Simbabwe und Nigeria. Es wurden bereits von Chinesen Straßen gebaut und für Nigeria Satelliten ins All geschossen. Sorge bereiten im Gegenzug die billigen Textileinfuhren aus der Volksrepublik, die die heimischen Produzenten gefährden.

Anfang Juni brachte sich auch Japans Premier Shinzo Abe bei einer Investorenkonferenz in Position. Afrika werde nach seiner Erkenntnis der Motor für das Wachsen der Weltwirtschaft in den kommenden Dekaden sein. Jetzt sei es an der Zeit, dort zu investieren. „Aber wir wollen“, so Abe, „nicht einfach nur natürliche Ressourcen ausbeuten, sondern auch die Industrialisierung vorantreiben.“ Politisch motivierte Kritiker geißeln all diese Bemühungen schon jetzt als eine Art Neokolonialismus, der nur neue Abhängigkeiten schafft. J. Feyerabend


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