15.08.2022

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06.07.13 / Arbeitgeber oder Ausbeuter?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-13 vom 06. Juli 2013

Arbeitgeber oder Ausbeuter?

Die künftigen Nahrungsengpässe des Planeten Erde haben einen politisch bedenklichen Boom ausgelöst: Den Kauf landwirtschaftlich nutzbarer Flächen vor allem auf dem afrikanischen Kontinent durch Länder wie China und Indien, aber auch durch Nahrungsmittelkonzerne aus den USA und Europa. Mit vorne auf der Käuferliste stehen zudem Saudi-Arabien und die Golfstaaten, die selbst kaum über nutzbares Land verfügen.

Nach Angaben des unabhängigen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik in Washington haben arme Länder bis zum Jahr 2009 etwa 20 Millionen Hektar fruchtbaren Bodens abgegeben. Das entspricht viermal der Fläche der Schweiz.

Dieser „Ausverkauf“ – auch über das preiswerte Mittel der Pacht auf 99 Jahre – hat indes nicht nur negative Aspekte. Er schafft in den betroffenen Regionen Arbeitsplätze und bringt Geld in die Staatskassen – wenn die Verträge entsprechend ausgelegt sind. Doch das ist nicht immer der Fall, selten werden solche Abmachungen öffentlich. Das Schweizer Hilfswerk „Brot für alle“ legt den Finger in die Wunde. Mitarbeiter berichten, dass sie mangelhaft ernährte Menschen neben sprießenden Plantagen wahrgenommen hätten, also die ehemaligen Kleinbauern keinen Job erhalten hätten. Es wurde ihnen durch ihre Regierungen buchstäblich der Boden unter den Füßen entzogen. Bedenklich ist, dass sich auch Hedgefonds und Banken mit hohen Gewinnversprechungen an solchen Deals beteiligen.

Selten, wie in Madagaskar, hat der Aufstand der lokalen Bevölkerung Erfolg. Als ein Vertrag über 1,3 Millionen Hektar Agrarland mit dem südkoreanischen Daewoo-Konzern bekannt wurde, stürzte die Regierung. J.F.

 

Zeitzeugen

Robert Mugabe – Simbabwes Präsident wirtschaftete sein Land zum Armenhaus herunter. Gleichwohl gehört der 89-Jährige auf allen afrikanischen Kongres-sen zu jenen, die eine völlige Abkehr Afrikas vom imperialistischen Westen und eine deutliche Zuwendung nach Osten fordern, sprich zu China und Indien. Pe-king sei ein alternatives Macht-zentrum und könne deshalb eine führende Rolle bei einem global gerechterem System spielen.

Abubakar Shekau – Der Führer der muslimischen Terrororganisation Boko Haram hat die Effektivität seiner radikalen Gruppe wesentlich gesteigert und operiert inzwischen mit selbst gebauten Sprengsätzen. Er gilt als gefährlich für die ganze Entwicklung in Afrika, schreckt er doch potenzielle Investoren ab. Die USA haben auf ihn ein Kopfgeld von 5,3 Millionen Dollar ausgesetzt.

Nkosazana Dlamini-Zuma – Die 66-jährige, streitbare Politik-Veteranin vom Stamm der Zulu ist die erste Frau, die als Kommissionspräsidentin an die Spitze der Afrikanischen Union gewählt wurde. Sie hatte bislang verschiedene Ämter in der Republik Südafrika inne und ist die ehemalige Frau des südafrikanischen Staatspräsidenten Jacob Zuma. Ihr wird mehr Durchschlagskraft zugetraut als ihren Vorgängern in der Union.

Joseph Kabila Kabange – Der dem Bantustamm angehörige 42-jährige Politiker steht seit 2001 in der Hauptstadt Kinshasa der Demokratischen Republik Kongo vor, einem der rohstoffreichsten Länder Afrikas. Er dürfte deshalb auch maßgeblich die ökonomische Entwick-lung der Zukunft mitbestimmen. Seine korrupte Familie finanziert sich aus der Vergabe von Bergbaulizenzen. Die durch zahlreiche Putsche und andauernde Unruhen in der Region verursachte wirtschaftliche Schwäche hat das einst reiche Land zu einem der ärmsten auf dem Schwarzen Kontinent ge-macht. Auf der Rangliste der Uno bildet es mit Platz 186 das Schlusslicht. Es kommt immer wieder zu schweren Verletzungen der Menschenrechte, Einschränkungen für die Presse und Massenvergewaltigungen in der aus mehr als 200 Ethnien zusammengesetzten Bevölkerung von 71 Millionen. Im Osten des Landes sorgen Warlords für kriegsähnliche Zustände.


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