26.01.2022

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06.07.13 / In die Abhängigkeit getrieben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-13 vom 06. Juli 2013

In die Abhängigkeit getrieben
von Rebecca Bellano

Alles spricht dafür, dass es nicht die kroatischen Bürger in ihrer Gesamtheit sein werden, die von dem EU-Beitritt ihres Landes profitieren werden. Trotzdem gibt es eindeutig Profiteure des Umstandes, dass Kroatien nun das 28. Mitglied der EU ist. Zu den Gewinnern gehört auf den ersten Blick die EU-Kommission in Brüssel, die nun

ein weiteres Land mit ihren Richtlinien und Empfehlungen be- glücken kann. Aber auch die kroatischen Politiker können sich freuen, denn die EU wird ihnen nun eine noch größere Summe aus den EU-Töpfen überweisen, die sie in ihrem von Korruption zerfressenen Staatsapparat versenken können. Zugleich dürften EU-Kommission und kroatische Politik aber auch bald in Erklärungsnot geraten, denn Rezession, Fehlwirtschaft und hohe Arbeitslosigkeit haben dafür gesorgt, dass der kroatische Staat finanziell sehr schlecht dasteht und bald auf Hilfen von Brüssel angewiesen sein wird. Nicht von ungefähr wurde das Land vor Kurzem gleich von mehreren Ratingagenturen auf Ramschniveau herabgestuft. Demzufolge sind die Genannten langfristig gesehen nicht zu beneiden.

Die echten Profiteure finden sich hingegen in der Wirtschaft. Die Politik der EU hat ihnen die Tür zu einem Markt geöffnet, der immerhin 4,5 Millionen Konsumenten umfasst. Und da westliche Unternehmen durch den Wegfall der Zölle nun ungefähr 20 Prozent günstiger anbieten können, kroatische Unternehmen wegen Misswirtschaft, Unproduktivität, fehlender Investitionen und Modernisierung hingegen recht teuer wirtschaften, sind Westprodukte ab sofort preislich konkurrenzfähig. Und wie schon so oft geschehen, werden Lidl, Aldi und Co. samt ihrer jeweiligen Lieferanten von der Molkerei bis zum Putzmittelhersteller demnächst überall in dem neuen EU-Mitglied präsent sein und den kroatischen Einzelhandel samt seiner Zulieferer plattmachen. Dass sich die deutsche Wirtschaft, die neben der österreichischen zu den wichtigsten Handelspartnern Kroatiens zählt, hiervon steigende Gewinne erhofft, ist nachvollziehbar. Auch die deutsche Industrie dürfte gute Geschäfte machen und die kroatischen Verbraucher freuen sich über die Aldi-Produkte, die sie sich nun leisten können.

Doch wie sehen die Folgen für den kroatischen Arbeitsmarkt aus? Schon jetzt liegt die Arbeitslosigkeit bei 20 Prozent. Da etwas über ein Drittel der Arbeitnehmer beim Staat beschäftigt ist, dieser sich derzeit noch zahlreiche marode Betriebe leistet, ist die so verdeckte Arbeitslosigkeit deutlich höher. Wenn jetzt westliche Unternehmen zulasten kroatischer Konkurrenz den Markt stärker dominieren, wird das Arbeitsplätze in Kroatien kosten. Man kennt derartiges aus den Zeiten nach der „Wende“ auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Daher ist es unverantwortlich, eine derzeit noch vergleichsweise rück-ständige Wirtschaft wie die kroatische der westlichen Konkurrenz auszuliefern. Zwar behaupten Politiker, dass nach entsprechenden Strukturanpassungen auch kroatische Unternehmen wachsen werden, die Frage ist nur, wie viele sich diese leisten können. Allerdings gehören die meisten kroatischen Unternehmen direkt oder indirekt dem Staat und wenn es dem schlecht geht, darf er jetzt ganz offiziell in Brüssel um Hilfe anfragen, wo man sich freut, einem weiteren Abhängigen die Bedingungen zu diktieren. Und so wird Brüssel gerne zahlen, genauer gesagt, die Steuerzahler der EU-Mitgliedsstaaten werden zahlen.


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