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06.07.13 / Eine honigsüße Verlockung / Fleißige Bienchen – Ein Volk sammelt in der Saison bis zu einer Tonne Honig

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-13 vom 06. Juli 2013

Eine honigsüße Verlockung
Fleißige Bienchen – Ein Volk sammelt in der Saison bis zu einer Tonne Honig

Schon vor Jahrtausenden entdeck­ten die Menschen, wie sie Nutzen aus den Eigenschaften der Bienen ziehen. So versüßen Imker schon seit Urzeiten den Alltag.

Das Alter der gut erhaltenen Rötelzeichnung an der Wand der Aranja-Höhle bei Bicop nahe der spanischen Stadt Valencia ist schwer zu bestimmen. Sie wird der Steinzeit zugeordnet und gilt als früheste Darstellung der Honiggewinnung: Sie zeigt eine Imkerin auf einer Strickleiter. Umschwärmt und bedroht von den das Nest verteidigenden Bienen entnimmt sie einhändig, da sie sich ja festhalten muss, die Waben.

Auf einem Relief im Tempelhof des Pharaos Niuserre in der Nekropole von Memphis aus der Zeit um 2500 v. Chr. ist ein Räucherer bei der Arbeit. Der Imker bläst Rauch aus einem Tongerät in den Bienenstock, um ungestört an die Waben zu kommen. Diese Darstellung zeigt auch, wie der Honig geschleudert, durchgeseiht und in Krüge gefüllt wird. Noch heute findet man in Ägypten solche röhrenförmigen Bienenstöcke übereinander geschichtet.

In den großen Wäldern Mitteleuropas haben vor etwa 3000 Jahren die Honigsammler oder „Zeidler“ den Honig wilder Bienenvölker aus den Nestern in Baumhöhlen ge­holt. Sie wussten die Immen zum Wabenbau anzulocken, indem sie ihnen vorbereitete Höhlen in glatten, gesunden Stämmen anboten. Der Duft des frischen Harzes mochte den Königinnen gefallen. Den Bäumen wurden die Wipfel gekappt, um sie vor der Entwurzelung bei Sturm zu schützen. Als man erkannte, dass die Bienen ihre Waben auch in den Höhlungen niederer Bäume deponierten, bevorzugt in gestürzten, harzigen Kiefern und Tannen, bot man ihnen in zersägten, transportablen Stämmen solche „Klotzhöhlen“ an. Die ließen in vor Bären schützender Nähe menschlicher Siedlungen aufstellen. Bis dahin wurde der Honig nur in jedem Frühjahr geerntet. Dazu musste man die Bienenvölker ausräuchern, das heißt vernichten. Nun entnahm man den Klotzbehausungen nur die Hälfte der Bie­nentracht und bereitete neue Immenstöcke vor, deren Höhlungen über Winter mit duftenden Kräutern belegt wurden. Den Hochzeitsflug der Königinnen konnte man beobachten, und im frühen Sommer wartete man darauf, dass ein Schwarm die Klotzhöhle annahm. Als man lernte, die Bienenvölker einzufangen, bauten die Menschen ihnen Körbe, die „Immenkiepen“, aus Reisig und Stroh, die sie mit einem Brei aus Lehm und Kuhmist abdichteten.

In den um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch großen norddeutschen Heidegebieten, vor allem im „Armenhaus des Reiches“, auf dem Dünensand der letzten Eiszeit, dessen Wald den Salinen geopfert worden war, gedieh außer der spröden Besenheide in guten Jahren nur noch der anspruchslose Buchweizen. Die karge Vegetation zwischen Krüppelkiefern, Wacholder und Birken ermöglichte den Heidjern neben der Schafhaltung nur eine ausgeprägte Imkerei. Die Erfahrung mit den Bienen machte manchen Bauern in dieser Landschaft zwischen Geest und sumpfigem Moor zum Fachmann für Immenhaltung. Die Not erzwang über Jahrhunderte eine äußerst sparsame Methode der Honiggewinnung, die kein bares Geld kosten durfte. Vom Bienenkorb über Werkzeug bis Kräuter gegen Seuchen der Immen und Schutzkleidung des Imkers aus gebleichtem Leinenstoff wurde alles selbst gefertigt und gesammelt. So mancher Imker transportierte zur Obstblüte die meisten seiner Bienenvölker ins Alte Land, südlich von Hamburg bis anschließend die Rapsfelder dufteten.

Jetzt überwiegen Wald und Äcker in der naturgeschützten Lüneburger Heide, in der die Heideflächen zusammengeschrumpft sind. Dafür aber sieht man vermehrt wieder rosafarbene Buchweizenfelder in schöner Blüte. Sie stehen für die speziellen „Heidjer-Gerichte“, die die Touristen in urige „Feinschmecker-Gasthäuser“ locken, wo es zum Beispiel „Bookweten-Pannkoken mit harbsöten Book-wetenhonnig“ gibt. In den heimeligen, nun sehr schmucken Heidedörfern stehen zahlreiche Eichen und Linden. Schnuckenfelle sowie Lindenblüten-, Raps- und Heidehonig werden neben Bienenwachskerzen als „Mitbringsel“ angeboten.

Hin und wieder sieht man in dieser Landschaft noch einen Bienenzaun mit Immenkiepen der alten Art. Diese Bienenkörbe sind 100 Jahre und länger in Betrieb. Ist ein besonders guter Honigertrag zu erwarten, werden sie hochgestockt durch einige Etagen von Strohwülsten. Zum Heimtransport sind die dann sehr schwer. Da muss der Imker viel Kraft haben. In dieser Landschaft sammelt ein Bienenvolk in jeder Saison etwa einen Zentner Honig ein.

Beim Erntedankfest zeigen Jungbauern und Schüler der Landwirtschaftsschule sowie auch Auszubildende, die nach dreijähriger Lehrzeit Viehwirt sein möchten, im Freilichtmuseum Hösseringen, dass sie auch Stroh- und Rutenkörbe flechten können. Sie wissen natürlich, dass die neuzeitliche Imkerei die bunten, von den Bienen gut angenommenen, wirtschaftlicheren und praktischen Bienenkörbe verwendet. Auch solche können sie bauen und die Wabenrahmen basteln. Hier aber zeigen sie, dass sie auch gelernt haben, was die jungen Imker in der holzknappen Notzeit des Hungers nach dem Zweiten Weltkrieg sich von den wenigen des Bienenkorbflechtens noch kundigen Alten, oft auch Heimatvertriebenen, annahmen, als die Bienenzucht wieder großen Aufschwung bekam.

Ein Tierwirt, der sich für die Bienenhaltung interessiert, kann sich der Meisterprüfung stellen und die lange Tradition der zu allen Zeiten geachteten Zeidler weiterführen. Er wird über seinen Dienst an der Umwelt informiert sein und einen wichtigen Auftrag erfüllen. Denn wo Bienen leben können, ist die Natur den Menschen, sind die Menschen der Natur gut. Fragt sich nur wie lange die Harmonie hält, da weltweit ein Bienensterben be­obachtet wird, da vermutlich durch Umweltgifte immungeschwächte Bienen vermehrt von Killer-Milben befallen werden. Anne Bahrs


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