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06.07.13 / Wahrer Wert lange verkannt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-13 vom 06. Juli 2013

Wahrer Wert lange verkannt

Xocolatl war schon um 400 nach Christus ein Getränk der Völker Mittelamerikas, der Mayas und Azteken. In der aztekischen Sprache bedeutete „xococ“ sowas wie: bitter, würzig und „atl“ heißt Wasser. Zusammengesetzt bedeutete das etwa „bitteres Wasser“. Xocolatl wurde also getrunken.

Christoph Kolumbus bemerkte 1502 auf einer Seereise in die neu entdeckten Gebiete, dass die Eingeborenen auf den Inseln mit kleinen Bohnen ihre Waren bezahlten. So kostete ein Truthahn zum Beispiel 200, ein Hase 100 Bohnen. Außerdem bereiteten sie sich daraus ein Getränk zu, indem sie die Bohnen zerstampften, mit Wasser mischten und scharf würzten. Doch kümmerte er sich nicht weiter darum. Ein anderer spanischer Eroberer, Hernando Cortez, der das aztekische Reich später brutal eroberte, brachte die Bohnen dann mit nach Europa. Das Getränk mochte hier niemand und man sagte sogar, dass es scheußlich schmecke und etwas für die Schweine sei. Später kam man auf die Idee, es mit Rohrzucker oder Honig und Vanille zu mischen und schon konnten die Menschen nicht genug davon bekommen. Bei den kleinen Bohnen handelte es sich natürlich um Kakaobohnen.

Der Kakaobaum kann bis zu 15 Meter hoch werden und ist in Mittel- und Südamerika beheimatet. Im Schatten des tropischen Regenwaldes gedeihen die Bäume wegen des feuchten und heißen Klimas besonders gut. Auch in Afrika und Asien werden die Bäume inzwischen angebaut. Die Kakaobäume tragen das ganze Jahr über an Ästen und Stämmen Blüten und Früchte. Diese sehen aus wie dicke Gurken und sind je nach Sorte gelb oder rotbraun. Sind sie reif, werden sie vom Baum abgeschlagen. Mit einem weiteren Schlag öffnet man sie in der Mitte und holt die etwa 50 Samenkerne heraus. Die klebrige Masse um die Bohnen ist lecker. Die Bohnen legt man abgedeckt in Kästen und der Zucker, der sie umgibt, beginnt zu gären. Durch Fermentation entsteht so in den Samenkernen der gute Geschmack. Damit die Bohnen nach der Fermentation nicht schimmeln, werden sie in der Sonne ausgebreitet und getrocknet, in Säcke verpackt und per Schiff in die ganze Welt gebracht.

Bei uns werden die Kakaobohnen nun gereinigt und geröstet, die Schalen entfernt und in Kakaomühlen zu einem Brei, der Kakaomasse, zermahlen. Die Kakaobutter, die in den Bohnen steckt, ist durch das Mahlen flüssig geworden. Aus einem Teil der Kakaomasse presst man nun diese heraus. Wenn sie abfließt, sieht es aus wie Sonnenblumenöl. Übrig bleiben trockene Kakaopresskuchen, aus denen man dann den Pulverkakao herstellt. Aus der restlichen Kakaomasse fertigt man Schokolade. Man mischt sie mit Kakaobutter, Zucker, Milch oder Sahne. Je nachdem, welche Schokoladensorte es werden soll. Wichtig ist das lange Rühren der Masse, damit sie geschmeidig wird. Dann füllen Maschinen die Masse in Formen und nach dem Abkühlen kann man die Schokotafeln herauslösen.

Schokolade gibt es noch nicht so lange. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erfand man in England eine essbare Schokolade. Vorher konnte man den Kakao nur trinken. Und das war nur den Betuchten vorbehalten, denn Kakao war teuer. Erst, als Maschinen zur Verarbeitung des Kakaos erfunden wurden, konnten sich viele Menschen die Leckerei leisten. Silvia Friedrich


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