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14.09.13 / Potsdam ist schneller / Wiederherstellung der historischen Mitte: In Berlin geht es schleppend oder gar nicht voran

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

Potsdam ist schneller
Wiederherstellung der historischen Mitte: In Berlin geht es schleppend oder gar nicht voran

Mit dem wiederaufgebauten Stadtschloss wird die Rekonstruktion der historischen Stadtmitte Potsdams immer greifbarer. Berlins alte Stadtmitte droht indessen zu einem Freilichtmuseum der DDR-Architektur zu werden.

Fast zeitgleich wurde um die Jahrtausendwende in Berlin und in Potsdam mit den Planungen zum Wiederaufbau eines Hohenzollernschlosses begonnen. Mittlerweile ist das Rennen entschieden: Während in Berlin vergangenen Sommer gerade einmal mit dem Schlossbau begonnen wurde, ist das Potsdamer Gegenstück nahezu fertig. Seit der Grundsteinlegung werden lediglich zwei Jahre vergangen sein, wenn im Januar 2014 im Schloss die erste reguläre Sitzung des Brandenburgischen Landtags stattfindet. Unter dem Namen Humboldtforum soll das Berliner Schloss dagegen erst ab 2019 öffnen, und das auch nur, wenn die Zeitplanung eingehalten wird.

Die beiden Projekte sind nicht der einzige Beleg für das unterschiedliche Klima, wenn es um das Thema Wiederherstellung der historischen Mitte geht. Bereits seit Mitte der 90er Jahre werden in Berlin Pläne für den Wiederaufbau von Schinkels Bauakademie präsentiert und regelmäßig verworfen. Aktueller Stand: In Senatskreisen wird über eine privat finanzierte Stiftung nachgedacht. Heißt, in Sachen Bauakademie – eines Meilensteins der Architekturgeschichte – ist der Senat mit seinem Latein und vor allem seinem Geld erst einmal am Ende.

Vor diesem Hintergrund ist ein Vorstoß, den Berlins SPD-Parteichef Jan Stöß unlängst unternommen hat, fast revolutionär zu nennen. Sein Vorschlag: die Wiederherstellung zumindest der historischen Straßen und Plätze in Berlins alter Mitte rund um den Alexanderplatz. Im Rahmen einer Internationalen Bauausstellung könnten Wohn- und Geschäftshäuser entstehen, so Stöß.

Dass es Stöß nur um die Rekonstruktion alter Straßengrundrisse, nicht aber historischer Gebäude geht, dürfte kaum Zufall sein. Ebenso wenig wie der ausdrück­liche Hinweis auf die zu errichtenden Wohnungen. In Berlin mit seiner „Gentrifizierungs“-Diskussion (Verdrängung ärmerer durch reichere Bewohner) scheint mittlerweile fast alles, an dem nicht das Etikett „sozialer Wohnungsbau“ klebt, unter Generalverdacht zu stehen. Das Kontrastprogramm zu der Idee von Stöß hatte bereits vorher Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geliefert. Geht es nach ihr, dann verwandelt sich „die Berliner Mitte in ein Freiluftmuseum der DDR-Stadtplanung“ so die „FAZ“ bissig.

Der Plan der nach Berlin gewechselten Schweizerin: Rund um den Alexanderplatz sollen gleich mehrere Gebäude der DDR-Architektur unter Denkmalschutz gestellt werden. Darunter auch Gebäude wie das ehemalige Haus der Elektroindustrie, dessen Originalfassade längst hinter einer dicken Schicht Wärmedämmung verschwunden ist. Nicht nur das. Ausgebremst wären damit auch Pläne zur städtebaulichen Weiterentwicklung am „Alex“.

Völlig gedreht zu haben scheint sich innerhalb weniger Jahre indessen das Klima in Potsdam. Forderungen nach Wiederherstellung von Bauten, die dem Bombenkrieg oder sozialistischer Bilderstürmerei zum Opfer gefallen sind, erregen hier längst keinen Anstoß mehr. Zu verdanken ist dieser Stimmungswechsel nicht zuletzt Prominenten wie dem Wahl-Potsdamer Günther Jauch, dem SAP-Gründer Hasso Plattner oder dem Modemacher Wolfgang Joop, die aus ihrer Begeisterung für das historische Potsdam kein Geheimnis gemacht haben. Dass Potsdams „Linke“ das Hochhaus des Mer­cure-Hotels in der Stadtmitte zum Symbol für DDR-Identität stilisiert und einen Abriss verhindern will, tut dem Befund vom Stimmungswandel in Potsdam keinen Abbruch. Am Schicksal des ebenso hässlichen wie dominanten Baus wird die Linke vermutlich nichts mehr ändern.

Um das Hotel-Hochhaus in der Stadtmitte zum Verschwinden zu bringen, werden Potsdams Stadtverordnete womöglich sogar zu einem Trick greifen: Indem das betreffende Gebiet zum Sanierungsziel erklärt wird, wären Neuinvestitionen in das Hotel nicht mehr möglich. Ein Ankauf des Baus für sieben bis acht Millionen Euro durch die Stadt würde dann den Weg frei machen für einen Abriss und eine Wiederherstellung von Potsdams historischem Lustgarten.

Noch wesentlich schneller scheinen die Wiederauferstehung des Palais Barberini und der Potsdamer Garnisonkirche Realität zu werden. Mit den Bauarbeiten für das Palais am Alten Markt wird bereits in diesem Herbst begonnen. Nach der geplanten Fertigstellung im November 2016 soll das wiederaufgebaute Palais aus dem 18. Jahrhundert Ausstellungsort der Sammlung des Mäzens Hasso Plattner, aber auch privater Kunstsammlungen werden. Ähnlich wie das Guggenheim-Museum in Bilbao könnte mit dem Kunstmuseum im Barberini etwas entstehen, was Potsdam zu internationalem Ruf verhilft.

Einen großen Schritt vorwärts gemacht hat auch das Vorhaben des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche. Seit Juli liegt die Genehmigung vor, im August hat der Bund dem Projekt zwölf Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre zugesichert. Mit dem Baubeginn wird nun für das kommende Jahr gerechnet. Dass das Projekt Garnisonkirche so an Fahrt aufgenommen hat, ist nicht zuletzt privaten Spendern zu verdanken. Aktuell wird der Nachlass einer Frau aus Bad Pyrmont versteigert, welche die Fördergesellschaft Garnisonkirche als Alleinerben eingesetzt hat. Norman Hanert


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