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14.09.13 / Damit das Gas im Winter strömt / Nach einiger Verunsicherung werden Erdgasspeicher zur Heizsaison nun doch umfassend befüllt sein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

Damit das Gas im Winter strömt
Nach einiger Verunsicherung werden Erdgasspeicher zur Heizsaison nun doch umfassend befüllt sein

Alle Welt redet im Rahmen der Energiewende und des damit verbundenen Ausbaus der erneuerbaren Energien über Defizite bei der Versorgungssicherheit beim Strom. Bei dieser einseitigen Fixierung sind aber andere Aspekte, die auch der Versorgungssicherheit dienen, aus dem Blick geraten.

Nein, schon der Begriff „Brandbrief“ sei vom Magazin „Der Spiegel“ falsch gewählt worden, man habe Ende Juli nur die eigenen Kunden informiert und sei selber überrascht, dass der „Spiegel“-Autor dieses Rundschreiben über einen Monat später zum Anlass für eine Berichterstattung genommen habe, so der Pressesprecher von Open Grid Europa (OGE). Das Unternehmen betreibt 12000 Kilometer des insgesamt 60000 Kilometer umfassenden Ferngasnetzes in Deutschland. Ende Juli hatte sich OGE dazu veranlasst gesehen, jene Firmen, deren Erdgas es quer durch die Bundesrepublik Deutschland zum Endverbraucher transportiert, daran zu erinnern, dass die Erdgasspeicher von Firmen wie Eon Gas Storage, EWE Gasspeicher GmbH und Astora nicht genügend befüllt werden würden.

Es gibt in Deutschland neben kleineren oberirdischen Erdgasspeichern 43 unterirdische Speicher, die zusammen ein Fassungsvermögen von 20 Milliarden Kubikmetern haben. Zwar gehören sie alle nicht OGE, doch die Firma verdient ihr Geld mit dem Transport von Gas. Gibt es nicht genügend zu transportieren, verdient auch das in Essen angesiedelte Unternehmen weniger. Die Betreiber der Speicher müssen deren Füllstände täglich an die Gas Infrastructure Europe in Brüssel melden. Hierbei handelt es sich zudem keineswegs um eine Notfallreserve, die gibt es beim Erdgas in diesem Sinne nicht, sondern um Speicher, die in erster Linie dazu dienen, Nachfragespitzen auszugleichen. Am 1. Oktober beginnt in Deutschland offiziell die Heizsaison. Da 50 Prozent der Haushalte mit Erdgas heizen, wird an kalten Tagen mehr Erdgas nachgefragt, als kontinuierlich aus den Förderländern nach Deutschland geliefert wird. So werden also im Winter Stück für Stück die Erdgasspeicher entleert. Ist die Heizsaison beendet, werden die Speicher dann wieder befüllt. Da Gas dann nur noch für Warmwasser und Gaskraftwerke zur Stromerzeugung benötigt wird, ist das Angebot dann auch wieder höher als die Nachfrage. Somit sinkt auch zumeist der Preis und die Erdgaslieferanten können zu günstigeren Preisen sich ein Polster für die nächste Heizsaison anlegen.

Doch das haben sie in diesem Frühjahr und ersten Sommermonaten laut OGE in unzureichendem Maß getan, was das Unternehmen zum Verfassen seines Kundenbriefes veranlasste. „Sollte es dann erneut – wie zum Beispiel im Februar 2012 – zu einer Periode mit extrem niedrigen Temperaturen kommen, oder sollte – wie in der Ukraine-Krise 2009 – eine oder mehrere Versorgungsquellen eingeschränkt werden oder temporär komplett ausfallen, kann nicht ausgeschlossen sein, dass es zu Versorgungseinschränkungen kommt“, warnte OGE angesichts der für Ende Juli niedrigen Füllstände, die auch nicht kurzfristig zu erhöhen sind, denn technisch sei nur eine gewisse Geschwindigkeit realisierbar. „Versorgungssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe aller Marktteilnehmer! Während die Infrastrukturbetreiber ihre technischen Anlagen störungsfrei zur Verfügung stellen müssen, sind die Gaslieferanten und -händler aufgefordert, für die jederzeitige Verfügbarkeit von ausreichenden Gasmengen in der bevorstehenden Wintersaison zu sorgen“, endete der Brief belehrend.

Eigentlich wäre es gar nicht Aufgabe von OGE, sondern der Bundesnetzagentur gewesen, diese Zeilen zu verfassen, denn auch ihr war aufgefallen, dass die Speicherfüllstände im Vergleich zu den Jahren davor auffallend niedrig waren. Doch von der PAZ auf diesen Umstand angesprochen, heißt es von dort, dass in den letzten Monaten durchaus außergewöhnlich viel Gas eingespeichert worden sei und bis Mitte Oktober wohl ein Stand von 90 Prozent erreicht werde. Aus Sicht der Bundesnetzagentur reiche ein Stand von 80 Prozent. Daher sei der Bericht des „Spiegels“, der so tut, als ob ein Speicherstand von 100 Prozent Pflicht sei, „energiepolitisch nicht korrekt“.

Trotz seines offenbar übertriebenen Alarmismus weist der „Spiegel“ aber offenbar auf einige Defizite bei der Versorgungssicherheit mit Erdgas hin. Denn abgesehen von dem Umstand, dass das Frühjahr in Deutschland relativ lange recht kalt war, die Heiz- und somit die Ausspeichersaison länger dauert, die Speicher absolut leer gemacht wurden und erst später mit dem Einspeichern begonnen werden konnte, nutzen die Unternehmen die Speicher auch, um von Preisunterschieden am Markt zu profitieren. Ist das Gas billig, wird viel gespeichert, ist es teuer, werden auch Reserven aus dem Speicher verkauft. Da es keine gesetzliche Pflicht zur Speicherung gibt und die Entwicklungen am Energiemarkt dazu geführt haben, dass aus wenigen großen Unternehmen, viele kleine wurden, so dass Handel, Transport und Vertrieb in vielen unterschiedlichen Händen liegen, ist vieles auch ein wenig dem Zufall überlassen. Denn da jeder Marktteilnehmer vor allem darauf blickt, was für ihn günstig ist und Gewinn bringt, steht die Versorgungssicherheit der Allgemeinheit nicht im Zentrum aller Bemühungen. Hier kommt es dann der eng mit dem Wirtschaftsministerium in Kontakt stehenden Bundesnetzagentur zu, alle Marktteilnehmer im Blick zu haben. Und diese ist überzeugt, dass in Sachen Erdgasversorgungssicherheit in diesem Winter alles gut wird.

Auf die Frage der PAZ, ob OGE mit den nun offenbar auch vom eigenen Kundenbrief mit angestoßenen Entwicklungen zufrieden ist, orakelt das Unternehmen: „Der Verlauf des kommenden Winters wird zeigen, ob die durchgeführten Maßnahmen das gewünschte Ergebnis erzielt haben.“ Rebecca Bellano


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