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14.09.13 / Heißer Herbst / Italien: Firmen gehen – Berlusconi bleibt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

Heißer Herbst
Italien: Firmen gehen – Berlusconi bleibt

Als böse Überraschung haben sich in diesem Sommer die traditionellen Betriebsferien für einige Italiener entpuppt. Zurück aus dem Urlaub standen die Arbeitnehmer plötzlich vor verschlossenen Werkstoren. Medienberichten zufolge scheinen gleich mehrere Firmeninhaber die Sommerpause genutzt zu haben, um sich heimlich aus dem Staub zu machen. Entweder indem sie ihr Unternehmen ohne Vorankündigung endgültig geschlossen haben oder aber indem sie ihre Firma samt Maschinen ins Ausland verlagert haben.

Wohl am spektakulärsten ist der Fall des Unternehmens Firem Formigine, einem Hersteller für Elektroteile in Modena. Noch am 2. August hatte der Chef des Unternehmens seinen Mitarbeitern eine schöne Sommerpause gewünscht. Bereits am Folgetag begann der Abbau. Bis die Unternehmensverlagerung bemerkt wurde, befanden sich 90 Prozent des Maschinenparks auf dem Weg nach Polen zum neuen Firmenstandort. Auf die Unternehmensflucht angesprochen, betonte der Firmenchef, seine Firma habe seit Jahren Verluste gemacht. In Italien habe er den Betrieb nicht aufrechterhalten können, so die einfache Begründung. Womöglich ist die Schließungswelle von Unternehmen nur der Auftakt für einen heißen Herbst in Italien. Während die massenweise Schließung von Kleinbetrieben längst Alltag geworden ist, befürchten die Gewerkschaften, dass im Herbst rund 200 größere Firmen dichtmachen werden.

Spannend könnten die kommenden Wochen indessen auch in politischer Hinsicht werden. Nach seiner endgültigen Verurteilung wegen Steuerbetrugs wird sich Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi bald eine Strategie für seine politische Zukunft einfallen lassen müssen. Nach dem Ende der Gerichtsferien Mitte September wird der „Cavaliere“ einen Bescheid erhalten und bis Mitte Oktober zwischen einem Jahr Hausarrest oder gemeinnützigem Sozialdienst wählen müssen. Dass erste Drohungen Berlusconis, die Koalition mit Ministerpräsident Enrico Letta platzen zu lassen, inzwischen verstummt sind, ist einem Schachzug von Staatspräsident Giorgio Napolitano zu verdanken. In einem Brief hatte Napolitano zunächst einmal die Hoffnung Berlusconis auf eine schnelle Begnadigung zunichte gemacht. Zugleich hatte er aber ausgeschlossen, dass der 76-jährige Berlusconi in Haft kommt. Obendrein stellte der Staatspräsident Berlusconi noch eine weitere Vergünstigung in Aussicht: die Möglichkeit, sich politisch zu betätigen. Insgesamt scheint damit genug auf dem Verhandlungstisch zu liegen, damit Berlusconi die Regierung Letta weiterhin stützt.

Dass Berlusconi momentan eher auf leise Töne setzt, könnte nicht nur mit der eigenen Verurteilung zu tun haben. Für ein Gerücht, das bereits seit Jahrzehnten in Italien die Runde macht, liegt mittlerweile – in Form einer Urteilsbegründung – quasi eine amtliche Bestätigung vor. Berlusconi soll bereits in den 1970er Jahren einen Pakt mit sizilianischen Mafiabossen geschlossen und dadurch jahrzehntelang deren „Schutz“ genossen haben, so die Feststellung in einem Richterspruch gegen den Berlusconi-Intimus Marcello Dell’Utri. N.H.


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