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14.09.13 / Ort der Erleuchtung / »Wandervögel« auf der Leuchtenburg

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

Ort der Erleuchtung
»Wandervögel« auf der Leuchtenburg

Gefühle von Freiheit und einem unstillbar freudigen Lebensdurst dominierten die deutsche Jugend- und Wandervogelbewegung seit 1913. Vor 100 Jahren versammelten sich Jugendliche zum „Ersten Freideutschen Jugendtag“ auf dem Bergeszug „Hoher Meißner“ bei Kassel und prägten somit aus den Zwängen der vom Kaiserreich dominierten Elterngeneration heraus und als Protest gegen die Folgen der Hochindustrialisierung eine neue Jugend.

Einer der wichtigsten Orte dieser jugendbewegten Strömung war die thüringische Leuchtenburg bei Kahla im Saaletal südlich von Jena. Aus Anlass des Jubiläums gedenkt die Leuchtenburg vom 19. September an mit der Ausstellung „Glut ist Geist“ dieser Wandervogelzeit. Im Torhaus, in der viele Jugendgruppen Quartier fanden, entführen großformatige Fotografien und Wandinstallationen in die Zeit vor 100 Jahren.

Die Besucher können dabei in die naturverliebte Idylle dieser bewegten Jahre eintauchen, und der ein oder andere dürfte amüsiert reagieren, wenn man die im „Adamskostüm“ vor der Burg in Morgengymnastik versenkten Jugendlichen betrachtet.

Ausgehend vom „Ersten Freideutschen Ju­gendtag“ begann die Wandervogelbewegung im Ok­tober 1913 ihren Siegeszug durch das Deutsche Reich. Unter Rück­besinnung auf die ursprünglichen Lebensideale entdeckte die Jugend alte Volkslieder und Volkstänze neu und setzte modische Maßstäbe mit weiten Kleidern, Sandalen und Kniehosen. Geprägt von einer romantischen Vorstellung eines mittelalterlichen Scholarentums entdeck­te man die Mittelalter- und Burgenromantik neu.

Aus diesem Lebensgefühl heraus entstand die Idee der Jugendherbergen, die der wanderfrohen Jugend im Abstand von Tagesmärschen Einkehr bieten sollte. Was 1909 auf der Burg Altena in Nordrhein-Westfalen als erste Jugendherberge entstand, entwickelte sich zum Exportschlager. In Mitteldeutschland war neben der Burg Ludwigstein die Leuchtenburg als Jugendherberge auserkoren.

So entstand hier auch 1920 die erste Jugendherberge Thüringens. Die ersten Gäste waren die etwa 25 Anhänger der „Neuen Schar“ unter ihrem charismatischen und bereits als „Messias von Thüringen“ betitelten Anführer Muck Lamberty. Dieser war im Frühling und Sommer 1920 mit Anhängern von Kronach aus durch Franken und Thüringen gezogen, predigte von der Revolution der Seele, dem Zusammenbruch des Alten und der Empörung der Jugend, verbunden mit berauschenden Tänzen auf öffentlichen Plätzen, denen sich die Zuhörenden kaum entziehen konnten. tws

Fotoausstellung vom 19. September bis 14. März 2014, täglich 9 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, Internet: www.leuchtenburg.de


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