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14.09.13 / Nettelbeck in Ostpreußen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

Nettelbeck in Ostpreußen

Es war im Siebenjährigen Krieg im November 1760, er kam als Steuermann auf einem englischen Schiff nach Danzig; dort musterte er auf einem dort beheimateten Segler an, das Schiffer Karl Christian aus Pillau führte und mit Getreide nach Amsterdam unterwgs war. Ein schwerer Sturm schlug das Schiff leck, ein Teil der Ladung wurde über Bord geschaufelt, es lag achtern fest auf einer Klippe in den südnorwegischen Schären. Durch das Leichtern kam das Fahrzeug frei und erreichte den Hafen Klewen/Norwegen.

Mit einer Salzladung, in einem kleinen französischen Hafen eingenommen, ging es zurück nach Königsberg. Unterwegs in der Nordsee brachte ein harter Nordwest schwere See, zumal das Schiff mit seiner Salzladung sehr tief lag. Bei einem Segelmanöver wurde der Schiffer über Bord gespült und ertrank trotz aller Rettungsversuche. Bald darauf kam ruhiges Wetter auf und Nettelbeck berichtete: „Ich fertigte in Gegenwart der Mannschaft ein Verzeichnis aller Habseligkeiten des Schiffers an, vermisste aber neben Geldmitteln einen gewissen Vorrat an Gold- und Silbersachen, die Christian für Königsberger Auftraggeber in Amsterdam eingehandelt hatte. Einige Tage später lagen wir vor Pillau, doch das Einlaufen ins Tief brachte wegen der achterlichen See, die das ganze Deck überflutete, große Schwierigkeiten. Mit Mühe wurde das Bollwerk erreicht.

Wider Erwarten erhielt Nettelbeck nicht die Führung des Danziger Seglers, musterte deshalb ab und übernahm als Ehemann der Tochter des Segelmachers Johann Meiler aus Königsberg dessen Bordingskahn für 2000 Gulden, der Hälfte des taxierten Wertes.

Die Russen hatten damals ganz Ostpreußen besetzt, und Nettelbeck wurde, wie viele andere, zum Transport von Proviant und Militärgut nach Elbing gezwungen. Ein russischer Soldat wurde ihm als Aufpasser an Bord gesetzt, dessen er sich bei der Rückfahrt in Stutthof mit einer Flasche Wodka entledigte, und schipperte allein nach Königsberg zurück. Dort fand er sofort Fracht für Pillau, aber auch die Warnung eines Lotsen vor den Russen.

Glücklich gelangte er mit seinem Lastkahn bis in die Rinne vor Pillau, wo er seine Fracht an einen seegehenden Schoner, der dort vor Anker lag, abgeben sollte, doch da kam ein Boot mit russischen Soldaten, die ihn und sein Fahrzeug suchten. Mit einem Beiboot und weil es dunkelte, gelang es ihm, am Schwalbenberg und Camstigall vorbei zu fliehen und bei Lochstedt an Land zu gehen, von wo er sich auf den Weg nach Königsberg machte. Dort traf er am nächsten Mittag ein und verbarg sich im Hause seines Schwiegervaters. Am andern Tag erschien dort eine russische Wache, um ihn festzunehmen, doch entwischte er durch eine Hintertür und fand bei einem Bekannten am Neuen Graben ein Versteck. Sein Fahrzeug wurde beschlagnahmt, von den Russen bis zum Herbst benutzt, dann völlig ausgeplündert und als Wrack liegengelassen.

Im Frühjahr 1762 kam Nettelbeck aus seinem Versteck, fand in Pillau sein Fahrzeug, das er notdürftig abdichtete und nach Königberg verbrachte, um es dort um jeden Preis zu verkaufen. Er erstand ein kleines seegehendes Schiff mit Namen „Der Postreiter“, mit dem er recht lohnende Fahrten nach Kolberg, Wolgast und Stettin machte.

Die Familie Nettelbeck hat bis 1770 in Königsberg auf der Laak gewohnt, um dann nach Kolberg umzusiedeln. PAZ


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