14.04.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
14.09.13 / »Die Mutter der deutschen Stadien« / Konrad Adenauer eröffnete vor 90 Jahren in Köln-Müngersdorf die damals größte Sportanlage Europas

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 37-13 vom 14. September 2013

»Die Mutter der deutschen Stadien«
Konrad Adenauer eröffnete vor 90 Jahren in Köln-Müngersdorf die damals größte Sportanlage Europas

Die Mutter der deutschen Stadien“ hat der deutsche Sportfunktionär und -wissenschaftler Carl Diem die Müngersdorfer Sportkampfstätte genannt und in der Tat war die breit angelegte Sportanlage bei ihrer Einweihung vor 90 Jahren nicht nur die größte Deutschlands, sondern sogar Europas. Und das rund ein halbes Jahrzehnt nach Kriegsniederlage und Versailles. Genau genommen entstand diese sportliche Großanlage in Müngersdorf nicht trotz, sondern vielmehr wegen der Härten des Versailler Diktates. Der Verlierer des Ersten Weltkrieges musste nämlich den äußeren Festungsring des linksrheinischen Köln schleifen, und so war der Neubau in dessen äußerem Grüngürtel möglich.

Doch noch in anderer Hinsicht erwies sich die Niederlage für das Müngersdorfer Stadion eher als Vor- denn als Nachteil. Deutschland lag nach dem verlorenen Krieg darnieder und „als der praktische Arzt am Krankenbette des deutschen Volkes“ wurde der Sport betrachtet, zumindest vom damaligen Oberbürgermeister Kölns, Konrad Adenauer.

Auch die durch Versailles zumindest verschärfte Arbeitslosigkeit nutzte dem Stadion, da dessen Bau zu deren Bekämpfung genutzt wurde. 15000 Deutschen verschaffte das als Notstandsmaßnahme durchgeführte Bauprojekt Lohn und Brot. Zwar waren damit für Köln als Bauherren Verbindlichkeiten in Höhe von 47,4 Millionen Mark verbunden, doch verkleinerte sich diese Schuldenlast durch die im selben Jahr wie die Einweihung durchgeführte Währungsreform, deren Notwendigkeit ihrerseits auch wieder auf Krieg, Niederlage und Versailles zurückgeführt werden kann.

„Stärkung der Nation“ lautete noch vor Arbeitsbeschaffung das Ziel des Bauvorhabens und so sollte das Werk nicht nur dem Spitzen-, sondern auch dem Breitensport dienen. Folgerichtig wurde am 16. September 1923 gleich eine mehrteilige Sportanlage für die unterschiedlichsten Sportarten eröffnet. Den angeblich 300000 Anwesenden bei der Eröffnung wurde einiges geboten. Pathetisch wurde Kölns Oberbürgermeister Adenauer von einem Marathonläufer eine Botschaft überreicht. Der als Mann, „der in schwerer Zeit mit klugem Weitblick und kühnem Wagemut das Stadion schuf als eine Stätte frohen Spiels und körperlicher und sittlicher Erneuerung der Volksgemeinschaft“, Gepriesene formulierte nicht weniger pathetisch: „Zwei Dinge tun uns Deutschen vor allen Dingen Not, wenn wir wieder ein großes Volk werden sollen …: Gemeinschaftsgeist und freiwillige Einordnung. Auf diesem Plane, auf diesen Feldern sollen sie gelehrt und gelernt werden … Der Schwimmer, der sich selbst aufgibt, geht unter! Wir wollen nicht untergehen, wir wollen unser Geschick meistern! … Das deutsche Volk, das deutsche Vaterland, sie leben hoch!“

Außer für Fußballspiele zwischen Vereins- und Nationalmannschaften wurde das Müngersdorfer Stadion auch für die 2. Deutschen Kampfspiele, das 1. Westdeutsche Arbeiter-, Turn- und Sportfest sowie das 14. Deutsche Turnfest genutzt. Entsprechend der Orientierung am Breitensport gab es darüber hinaus noch eine Besonderheit, die sogenannten Stadionkurse für nichtorganisierte Sportler. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden dann auch die Sieger Gefallen an den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der breit angelegten Sportanlage. Die britischen Besatzer spielten dort Tennis, Cricket, Bas­ketball und Rugby. Schließlich gaben sie jedoch den Gesamtkomplex an die Deutschen zurück. Die deutsche Nachkriegsgeneration dürfte das Müngersdorfer Stadion vor allem als Heimstadion des 1. FC Köln kennen, dessen Erfolge unter Trainer Hennes Weisweiler Legende sind und Fußballgeschichte geschrieben haben.

Die Frage, ob das Müngersdorfer Stadion Realität oder Geschichte ist, hängt von der Interpretation der Neubauten von 1975 und 2004 ab. Obwohl damals viertgrößte Stadt der Bundesrepublik fand 1974 keines der Fußballweltmeisterschaftsspiele im Müngersdorfer Stadion in Köln statt. Vor diesem Hintergrund entstand der ein Jahr später fertiggestellte Neubau. Als allerdings 2006 das nächste Mal eine Fußball-WM im eigenen Land stattfand, war der Bau von 1975 schon nicht mehr existent, sondern bereits einem neueren Bau aus dem Jahre 2004 gewichen. Diesmal war Köln-Müngersdorf jedoch Gastgeber. Das RheinEnergieStadion, so der aktuelle offizielle Titel, fungierte damals als „FIFA WM-Stadion Köln“. Manuel Ruoff


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren