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21.09.13 / Wenn Nachbarn zu Feinden werden / Religiöse Intoleranz in Ostasien auf dem Vormarsch

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-13 vom 21. September 2013

Wenn Nachbarn zu Feinden werden
Religiöse Intoleranz in Ostasien auf dem Vormarsch

In Südostasiens Massengesellschaften lebten über Jahrhunderte die verschiedensten Religionsgemeinschaften weitgehend friedlich zusammen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zunehmende Intoleranz, gegenseitige blutige Bekämpfung, gegenüber Pogromen ohnmächtige Regierungen sind an der Tagesordnung, obwohl in den meisten Verfassungen Religionsfreiheit festgeschrieben ist.

Da religiöse Minderheiten sehr oft auch ethnische Minderheiten sind, werden sie mehr und mehr zur Zielscheibe radikaler „Säuberungen“ fanatischer Islamisten, wütender Hindus, selbst buddhistischer Hardliner in Indien, Bangladesch, Birma, Thailand, China, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen.

„Das Gesicht des buddhistischen Terrors“ titelte unlängst sogar das renommierte Magazin „Time“ und schilderte, wie die roten Mönche systematisch gegen muslimische Minderheiten vorgehen und selbst vor Gewalt und Brandschatzung nicht zurückschrecken. Im demokratisierten Birma wurden seit 2012 mehr als 200 Menschen aus dem Stamm der islamisch orientierten Rohingya ermordet und Tausende aus dem Land vertrieben. Die weltweite Bekämpfung von Terroristen und wirtschaftliche Ungleichheiten schüren Angst, Misstrauen und radikale Tendenzen, die sich in Burma in wahren Gewaltorgien entluden. Vor allem der Mönch Wirathu macht sich dies in Rangun für seine Kampagnen zunutze. Er postuliert, dass die Muslime mit ihrer hohen Geburtenrate das Land islamisieren wollten, obwohl ihr Anteil an der 56-Millionen-Bevölkerung derzeit gerade einmal 3,6 Prozent beträgt.

In Malaysia, wo ein Drittel der Bevölkerung chinesisch- oder indischstämmig und oft auch wirtschaftlich tüchtiger ist, macht sich eine zunehmende Intoleranz der muslimischen Einwohner breit, obwohl für sie sogar Privilegien in der Verfassung festgeschrieben sind. Das gesellschaftliche Leben wird immer stärker durch islamische Normen geprägt, und die Minderheiten fühlen sich vor den Kopf gestoßen. In den Freitagspredigten werden Christen als Feinde des Islam gebrandmarkt. 60 Prozent der 28 Millionen Einwohner des Landes sind Anhänger des Propheten, der Islam ist Staatsreligion.

Der Süden des beliebten Urlaubslandes Thailand gerät zunehmend in den Griff des islamischen Terrors. Inzwischen ist das überwiegend buddhistische Land auf dem „Global Terrorism Index“ auf Platz acht der am meisten gefährdeten Staaten gelandet. Auch nahm die Gewalt wieder zu, und es wird befürchtet, dass sie sich auf die beliebten Urlaubsziele Pattaya und Phuket ausdehnt. Die Regierung in Bangkok zeigt sich trotz Militäreinsatzes und Erlasses des Notstandsrechts ohnmächtig.

Der Nachbar Indonesien mit seinen 240 Millionen sunnitischen Muslimen, einst als toleranter Staat bekannt, hat mittlerweile eine radikale Richtung eingeschlagen. Seit 1999 wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen sowie bei regelrechten Säuberungsaktionen islamistischer Dschihadgruppen mehr als 10000 Menschen getötet. Besonders in der Provinz Aceh mit ihrem Sonderstatus und der Scharia geht die Polizei immer schärfer gegen jede Art „unislamischen Verhaltens“ vor. Mehr als 30 radikale islamistische Organisationen sorgen für zunehmende Unruhe im Land. Hassprediger machen Druck auf die Regierung in Jakarta und diktieren zusehends die politische Tagesordnung von Parlament und Regierung. Besonders Christen, die angeblich das Land umformen wollen, stehen im Fokus der Radikalen, Baugenehmigungen für Kirchen werden verweigert, viele beten mit ihren Priestern nur noch unter Polizeischutz, oft indes sieht die Staatsgewalt über Ausschreitungen hinweg, Konzerte westlichen Zuschnitts werden abgesagt.

Seit Jahrzehnten ist es Militär und Ordnungskräften nicht gelungen, den Terror radikaler Muslime im Süden der Philippinen einzudämmen. Immer wieder kommt es zu Entführungen, zu Mord, Überfällen, blutigen Bombenattentaten. Auch in Vietnam, in Indien, Sri Lanka und in Bangladesch nehmen die Auseinandersetzungen mit religiösem Hintergrund zu, Hindus gegen Christen oder Buddhisten, Buddhisten gegen Muslime, Muslime gegen Christen und Hindus. Der ethnische Aufstand der islamischen Uiguren in Südwestchina führt immer wieder zu blutigen Attacken der Regierung in Peking mit Hunderten von Toten.

Es bleibt unruhig in diesem bevölkerungsreichsten Teil der Welt, eine Befriedung scheint kaum möglich, zumal radikale Aufwiegler durch moderne Medien leichter Propaganda verbreiten können. J. Feyerabend


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