28.01.2022

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28.09.13 / Den Göttern sei Dank! / Das Erntedankfest entsprang dem Brauchtum der alten Germanen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-13 vom 28. September 2013

Den Göttern sei Dank!
Das Erntedankfest entsprang dem Brauchtum der alten Germanen

Von den vielen Generationen vor uns haben wir gelernt, Schöpfungszusammenhänge zu erfassen und zu deuten, und da wir manche sogar beeinflussen können, fühlen wir uns anderen Kreaturen überlegen. Aber unsere Grenzen erkennend beugen wir uns in Demut vor dem unerklärbaren Schöpfungswunder. Auch unsere Freude am Schmücken gilt als Huldigung der Allmacht Gottes.

Unsere germanischen Ahnen gaben den unerklärlichen Naturgewalten Götternamen. Durch Opfergaben erbaten sie sich der Götter Gunst. Ihnen wurden Freudenfeuer entzündet, Ostara, der Frühlingsgöttin, dankte man mit frischen Eiern. Juweliere schufen dafür sogar Kunstwerke aus edlem Material. Aber was verheißen kostbare Steine, Gold und Silber vor der Freude, einen notvollen Winter überstanden zu haben? Wer je gehungert und erbärmlich gefroren hat, weiß, was es bedeutet, ein besonderes Brot zu backen, sich an einen liebevoll ge­deck­ten Tisch setzen zu dürfen. Freia, die ährentragende Mutter der germanischen Gottheiten, durfte auch ein Fest erwarten!

Das Klima unserer nordeuropäischen Zone, die Weltschau und die Macht der Herrschenden haben sich – das konnten uns Forscher und Historiker beweisen – sehr verändert. Ehrfurcht und Demut vor dem, was größer ist als Herrschermacht und Mannesstärke, sind geblieben.

Das Winden des Erntekranzes, die Feiern zum Erntedank haben sich aus dem Bewusstsein großer Ehrfurcht und Dankbarkeit als Rituale lebendigen Brauchtums nicht nur germanischer Volks-stämme erhalten. Sie werden europaweit und auch in Übersee gepflegt, sind ein religiöses Anliegen der Menschen und Ausdruck ihrer Freude und Dankbarkeit. Der Ährenstrauß. besonders aber der Ährenkranz, sind dem Kreislauf der Sonne nachempfunden und sollen der Allmacht des Schöpfers in Dankbarkeit huldigen! Sie ist gegenwärtig und verdient viel Lob!

Aber auch dem hiesigen Arbeitgeber, allen Bauern und ihren Helfern wird gedankt an diesem besonderen Tag der Freude. Der Winter wird kommen – aber zu seinem Empfang sind Scheuern und Speicher gefüllt! – Heute darf gefeiert werden mit gutem Schmaus, Musik und Tanz. „Herrgott, wir danken dir!“ – Der Pfarrer hielt eine gute Predigt.

Bald steigt der köstliche Bratenduft aus der Küche auch über die Tische, dass allen, die am Einbringen der Ernte beteiligt waren, auch die Freude auf das gute Essen anzusehen ist. Die Musik spielt sich ein. Das Tanzbein darf nachher geschwungen werden, und manche Jungmänner lassen ihre Augen schweifen. Wirklich fein haben sich die Maiden herausgeputzt! Es wird Zeit, auf Brautschau zu gehen.

Zunächst aber, ihr zukünftigen Liebesleute und auch ihr, die ehr euch bereits gefunden habt, ihr lieben Mütter und Väter, verweilt und schaut euch an, was die Kinder gebastelt haben, hört ihre Lieder und klatscht, wenn sie tanzen!

Erntedank geht alle an: den Großvater, die Großmutter, die noch immer schaffend das Ihre zum Zusammenhalt und Wohlsein der Familie beisteuern, die eine große Verantwortung tragende Meistergeneration und das ungeduldige junge Volk, das auch hart gefordert wurde, um den Erntesegen erwarten zu dürfen und sicher in die Scheuer zu bringen.

Bevor aber die Suppe aufgetragen ist, spricht der Bauer das Dankgebet:

„Alle guten Gaben. Alles, was wir haben, kommt, o Herr, von Dir! Dank sei dir dafür!“ Anne Bahrs


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