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28.09.13 / Ein guter Helfer weniger / Ohne »Kirche in Not« gibt es keine Vertriebenenseelsorge mehr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-13 vom 28. September 2013

Ein guter Helfer weniger
Ohne »Kirche in Not« gibt es keine Vertriebenenseelsorge mehr

Nach der Abwicklung des Königsteiner Albertus-Magnus-Kollegs 1996 soll nun auch das internationale Büro von  „Kirche in Not“ Königstein im Taunus verlassen. „Damit verlieren wir abermals ein Stück Heimat“ protestiert Rudolf Grulich, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen, Mähren und Schlesien in Nidda.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Gründers von „Kirche in Not“ – Pater Werenfried van Straaten wäre am 17. Januar 100 Jahre alt geworden – werden die katholischen Vertriebenen von Plänen überrascht, wonach dieses internationale Büro des Hilfswerks Königstein verlassen soll.

Für die Gebäude sei zwar eine Sanierung nötig, bei welcher der Denkmalschutz sicher ein gewichtiges Wort mitreden wird. Aber deshalb die Zentrale verlassen? Wer in Vertriebenenkreisen bei Heimattreffen und Seminaren sowie auf Fahrten in verschiedene Länder, vor allem nach Osteuropa, erlebt hat, wie bekannt dort der Name Königstein ist, könne von den Plänen nur betroffen sein, die von der Direktorenkonferenz des Hilfswerks und seinem Generalrat vorgelegt werden, so Grulich.

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ist 1947 im belgischen Tongerlo entstanden und seit dem ersten Besuch des „Speckpaters“ 1948 in Königstein untrennbar mit dem Werk der Ostpriesterhilfe und den Kongressen „Kirche in Not“ in Königstein verbunden. Als Pater Werenfried nach dem Tod von Weihbischof Adolf Kindermann sein römisches Büro nach Königstein verlegte, sei er noch mehr zum „Königsteiner“ geworden.

„Kirche in Not“, so der Theologe und Kirchenhistoriker Grulich, ist heute in über 140 Ländern der Welt tätig, aus denen Bischöfe, Kardinäle und Ordensobere ihre Hilfsgesuche nach Königstein richten. Königstein habe mit dem „Pater-Werenfried-Platz“ und dem Denkmal für die drei Königsteiner Kirchenväter Bischof Maximilian Kaller, Weihbischof Adolf Kindermann und Pater Werenfried van Straaten die Bedeutung des legendären „Speckpaters“ erkannt und gewürdigt. Die Königsteiner Bürger hätten Unterschriften gesammelt und das Haus der Begegnung, das mit Pater Werenfrieds Hilfe errichtet wurde, vor dem Abbruch gerettet. „Außerdem geht es um Wohnungen im Unterhaus und zwei dazugehörige Gebäude und um zahlreiche Arbeitsplätze in der Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein“, sagt Grulich.

Kenner bedauerten, dass eine neue Generation von Mitarbeitern und vor allem die meisten Direktoren und Geschäftsführer der 16 nationalen Büros die Bedeutung Königsteins für das Werk nicht mehr kennen. „Königstein ist heute nicht nur in aller Welt ein Begriff, sondern bedeutet für die Menschen, die seit 1947 von ihm Hilfe bekommen haben, sehr viel. Es ist ein Stück Heimat“, betont Grulich. Er wies auch darauf hin, dass mit der Ab­wick­lung des Königsteiner Albertus-Magnus-Kollegs seit 1996 leider auch die Weichen gestellt wurden für das Ende der katholischen Vertriebenenseelsorge. Die geplante Abwanderung von Königstein sei auch eine Abwendung vom Geist des Gründers. Grulich hob hervor, dass für deutsche Wohltäter des Werkes der Name Kirche in Not „Königstein“ bedeute. Das sei bei den Tagen der offenen Tür in Nidda immer wieder zu spüren, wenn am dortigen Speckpaterplatz die Gäste als Zeitzeugen spontan ihre Erfahrungen über den Karlspreisträger Werenfried austauschten.

Grulichs Anregungen zu Tagesfahrten der Vertriebenen ins Werenfried-Zentrum in Königstein seien auf fruchtbaren Boden gefallen. Er habe schon Bitten für Führungen bis zum Sommer 2014. Eine Verlegung der internationalen Zentrale sei deshalb eine Zäsur, die einen Abschied von Pater Werenfried bedeute und einen Abschwung des Werkes in Deutschland und anderen Büros, die noch wüssten, was Königstein für das Werk bedeute. Der internationale Vorstand von Kirche in Not sollte alles tun, um den Schaden abzuwenden. PAZ


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