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19.10.13 / Öffnung und Angriff zugleich / Shanghai wird Freihandelszone – Yuan wird vielseitiger

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Öffnung und Angriff zugleich
Shanghai wird Freihandelszone – Yuan wird vielseitiger

Chinas Regierung wagt ein besonderes Experiment und gibt als Pilotprojekt in Shanghai die Landeswährung Yuan/Renminbi auf dem Festland für Kapitaltransaktionen frei. Bisher spielte die Währung nur im Warenverkehr eine Rolle. Gekoppelt ist dieser Schritt mit der Eröffnung des neuen Freihandelszentrums in dieser bedeutenden Hafenstadt. Auf einer Fläche von fast 30 Quadratkilometern beginnt ein neuer Ab­schnitt für die Ökonomie der Volksrepublik.

Im Erfolgsfall soll die neue Freiheit des Wechselkurses auch für die Zinsentwicklung in ganz China gelten. In der Konsequenz bedeutet dies den endgültigen Schulterschluss mit dem globalen Finanz- und Wirtschaftssystem. Ein freier Wettbewerb im Finanzbereich wird dann auch für ausländische Banken möglich. Shanghai mit seinen 20 Millionen Einwohnern wird so neben London und New York zum größten Finanzzentrum auf dem Globus.

Vor allem der Yuan soll überall hoffähig und der ohnehin wachsenden Bedeutung der Währung gerecht werden. Immerhin sind etwa die USA der größte Schuldner der fernöstlichen Volksrepublik, in Afrika fungiert Peking als einer der kapitalkräftigsten Investoren. Bislang war die Währung nur in den Freihandelszonen Hongkong und Macau sowie in Singapur und Taiwan frei konvertierbar.

Die britische Großbank HSBC rechnet damit, dass der Yuan innerhalb der nächsten fünf Jahre weltweit frei handelbar ist. Im Gegensatz zu der verschwindend geringen Anzahl von 900 Finanzinstituten, die im Juni 2011 mit dieser Währung umgingen, machen heute bereits mehr als 10000 Geschäfte in der chinesischen Währung. Gleichzeitig ist das Handelsvolumen in Yuan explosionsartig angestiegen: Im ersten Quartal 2010 betrug es 18 Milliarden Yuan, 2011 bereits 173 Milliarden und 2012 sogar schon 245 Milliarden.

Der gewagte Schritt soll gleichzeitig dazu dienen, die wachsende Macht der chinesischen Schattenbanken zu beschneiden, die zu einer gefährlichen Kreditblase im Land führte. Der Wettbewerb durch ausländische Banken soll den Kreditmarkt beleben. Nicht zuletzt erlaubt die Öffnung, die exorbitant hohen Fremdkapitalkosten der Unternehmen und Privathaushalte zu senken – ein Signal in Zeiten sich abkühlenden Wirtschaftswachstums. J. Feyerabend


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