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19.10.13 / Winnetou des Meeres / Ein gewisser Horatio Hornblower hat Napoleon zu Fall gebracht – behauptet Romanautor C. S. Forester

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Winnetou des Meeres
Ein gewisser Horatio Hornblower hat Napoleon zu Fall gebracht – behauptet Romanautor C. S. Forester

Am 21. Oktober jährt sich die Schlacht von Trafalgar von 1805. Damit begann Napoleons Stern auf See zu sinken. Entscheidenden Anteil daran soll Admiral Horatio Hornblower gehabt haben. Zumindest in den Romanen des britischen Autors C. S. Forester.

Wenn man auf das Jahr 1813 zurückblickt, das eine Wegmarke für die europäische Geschichte darstellt, wird notwendigerweise auch an die Seeschlacht bei Trafalgar erinnert, die mittelbar zu Napoleons späterer Niederlage auf dem Festland beitrug. Es war eine der letzten großen Seeschlachten unter ausschließlicher Beteiligung von Segelkriegsschiffen. Am 21. Oktober 1805 erzielte die britische Flotte unter Admiral Lord Horatio Nelson auf dem Atlantik in Höhe von Kap Trafalgar im Süden Spaniens einen vollständigen Sieg über die spanisch-französische Armada. Während die Royal Navy kein einziges Linienschiff verlor, hatte Frankreich den fast vollständigen Verlust seiner Linienschiffe zu verzeichnen. Die Auswirkungen waren verheerend. Insgesamt verloren 4850 Menschen ihr Leben, davon 449 auf britischer Seite. Nelson fiel durch die Kugel eines gegnerischen Scharfschützen.

Durch den Sieg der Briten bei Trafalgar war Napoleons Streben nach Weltherrschaft mit Hilfe einer alliierten Flotte zwar vereitelt. Der Kaperkrieg auf See dauerte jedoch an. Er wurde auf den Weltmeeren der westlichen Hemisphäre ausgetragen und fand erst mit der Abdankung Napoleons am 12. April 1814 ein Ende. Diese Ereignisse boten den Stoff für zahlreiche der im 20. Jahrhundert überaus beliebten Seeabenteuer-Romane.

Den Auftakt machte der englische Journalist und Autor Cecil Scott (C. S.) Forester (geboren 27.August 1899 in Kairo, gestorben 2. April 1966 in Fullerton/ Kalifornien) mit seinen Romanen über den fiktiven Marineoffizier Horatio Hornblower. In englischer Sprache wurden von 1937 bis 1967 insgesamt elf Bände dieser Serie veröffentlicht. Die Ausgaben in deutscher Übersetzung er­schienen 1938 sowie 1946 bis 1967. Generationen von Lesern in England, den USA und ganz Europa verschlangen die spannenden Schilderungen der Erlebnisse und Heldentaten Hornblowers, die sein „Erfinder“ C. S. Forester überaus wirklichkeitsnah und anschaulich geschildert hat. Die kompakten Romane brachten ihm Weltruhm ein, während sein Protagonist zur bekanntesten Figur dieser Literaturgattung avancierte.

Die Handlung deckt den Zeit­raum zwischen 1797 und 1814/15 ab. In diese Zeit fällt Horatio Hornblowers Aufstieg in der britischen Marine vom Fähnrich bis zum Lord und Admiral. Wie Karl May identifizierte sich auch Forester bis zu einem gewissen Grad mit seinem Hauptakteur. Er verlieh ihm bewunderungswürdige Fähigkeiten und Eigenschaften wie Loyalität sowie diplomatisches und strategisches Geschick. Auch zeichnete er ihn als mitfühlenden Menschen mit feinem Humor. Nicht zufällig trägt der vorbildliche Kommandant den Vornamen Nelsons, des größten englischen Nationalhelden.

Wie Nelson wird auch Hornblower zu Beginn jeder Reise seekrank. In jedem Band erhält der Leser aufschlussreiche Einblicke in den Alltag an Bord von Segelkriegsschiffen, erfährt viel über die Ausbildung der Offiziere und Mannschaften so­wie über die Funktionsweise der Takelage. Im Hintergrund ist ein facettenreiches Bild der gehobenen britischen Gesellschaft gezeichnet.

Die berühmten Seeschlachten der britischen Flotte unter Nelsons Kommando hat Forester in seinen Büchern nicht berücksichtigt. Hornblower nimmt daran nicht teil. Viele Episoden beruhen aber auf wahren Begebenheiten. Jedes einzelne Seeabenteuer könnte sich so oder ähnlich zugetragen haben. Der Autor hat die Romane nicht entsprechend der chronologischen Reihenfolge der vorkommenden Er­eignisse verfasst. Der Stoff der ersten drei Bände bildete die Vorlage für den US-amerikanischen Film „Des Königs Admiral“ von 1951 mit Gregory Peck in der Hauptrolle. Im Mit­telpunkt steht die Romanze zwischen Hornblower und Lady Barbara Wellesley, der Schwester des späteren 1. Duke of Wellington und Siegers der Schlacht bei Waterloo vom 18. Juni 1815. Die beiden verlieben sich ineinander, doch bis zum Happy End ist es ein weiter Weg.

Im Roman „Der Kommodore“ hat Forester ziemlich gewagt historische Tatsachen und Fiktion vermischt. 1812 operiert Hornblower mit einem Geschwader auf der Ostsee und demonstriert die Macht der britischen Seestreitkräfte. Offiziell mit der Jagd französischer Kaperschiffe beauftragt, ist er außerdem in geheimer Mission unterwegs. Er soll die Schweden davon abhalten, sich in diesem Krieg auf die französische Seite zu schlagen, was auch gelingt. Hornblower trifft mit Zar Alexander I. zusammen und kann ihn davon überzeugen, dass es ratsam sei, ein Bündnis mit den Engländern einzugehen. Mit seinen Kriegsschiffen unterstützt er den Chef des Generalstabs der russischen Besatzung von Riga, Carl von Clausewitz, während der Belagerung der Stadt durch die Franzosen. Schließlich gelingt es Hornblower, ein Zusammentreffen der Russen um Feldmarschall Diebitsch mit dem preußischen General Yorck an der russisch-preußischen Grenze in die Wege zu leiten.

Bekanntlich wurde am 30. De­zember 1812 bei Tauroggen ein denkwürdiges Waffenstillstandsabkommen zwischen Preußen und Russland ge­schlossen. Bei Forester heißt es: „Der Abfall der preußischen Armee lieferte der Welt den stärksten Beweis für die Brüchigkeit des napoleonischen Reiches. Der Entschluss dazu lag bei Yorck.“ So wird Seeheld Hornblower zum Wegbereiter der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 und damit letztlich des Friedens. D. Jestrzemski


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