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19.10.13 / Der »Alexander Humboldt Australiens« / Statt in Preußen Wehrdienst zu leisten, erkundete Ludwig Leichhardt lieber den fünften Kontinent

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Der »Alexander Humboldt Australiens«
Statt in Preußen Wehrdienst zu leisten, erkundete Ludwig Leichhardt lieber den fünften Kontinent

In Australien ist Leichhardt überaus bekannt, da er ein Bestandteil des dortigen Geschichtsunterrichts ist. In Deutschland hingegen, wo er vor 200 Jahren zur Welt kam, kennt man ihn weniger. Zu Unrecht, wie eine Beschäftigung mit seinem Leben und Wirken zeigt.

Am 3. April 1848 schrieb der damals 34-jährige Forschungsreisende Ludwig Leichhardt in einem letzten Brief: „Wenn ich bedenke, wie glücklich ich bei meinem Vorwärtsdringen bis hierher war, so bin ich von der Hoffnung erfüllt, daß unser allmächtiger Beschützer mir gestatten wird, meinen Lieblingsplan zu einem er­folg­reichen Ende zu führen.“ Bei jenem Unternehmen handelte es sich um eine großangelegte Forschungsexpedition, den ziemlich wagemutigen Versuch, Australien von Ost nach West in voller Breite zu durchqueren und das bis dato völlig unbekannte Innere des Kontinents wissenschaftlich zu erkunden. Am 5. April 1848 wurden Ludwig Leichhardt und seine Begleiter letztmals gesehen. Mehrere zwischen 1851 und 1953 unternommene Suchexpeditionen blieben erfolglos. Ein Wegzeichen Leichhardts, ein in einen Baum eingeritztes „L“ am Elders Creek, scheint allerdings darauf hinzudeuten, dass er zumindest noch den geografischen Mittelpunkt von Australiens passierte, bevor ihn wahrscheinlich räuberische Aborigines niedermetzelten. Damit war Ludwig Leichhardt auf seiner dritten Forschungsexpedition gescheitert, während ihm seine beiden vorangegangenen Erkundungen Australiens wissenschaftliche Anerkennung und auch eine Goldmedaille der „Geographical Society“ in London eingebracht hatten.

Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt, so der vollständige Name, stammte aus dem brandenburgischen Dörfchen Sabrodt, das etwa zehn Kilometer südlich von Beeskow liegt und heute zum Ort Trebatsch gehört. Dort kam er vor 200 Jahren, am 23. Oktober 1813, als Sohn eines „Torfinspektors“ zur Welt. Die Familie war kinderreich, doch dank der Förderung durch den Dorfpfarrer Roedelius gelang es dem ehrgeizigen Jungen, die nötigen Vorkenntnisse für den Besuch des Gymnasiums in Cottbus zu erwerben. Nachdem er die Schule als einer der besten Schüler verlassen hatte, studierte der wissensdurstige Abiturient in Berlin und Göttingen anfangs Philosophie und Philologie, später dann aber Naturwissenschaften, jedoch auch Medizin, ohne indes zu einem formellen Studienabschluss zu gelangen.

1835 lernte er William Nicholson kennen. Er freundete sich mit dem reichen jungen Engländer an und wurde von diesem gefördert und bei seinen vielfältigen geologischen, zoologischen und botanischen Forschungen finanziell unterstützt. Einem Aufenthalt in Nicholsons englischem Elternhaus in Clifton folgten wissenschaftliche Studienreisen durch Frankreich und Italien. Ziemlich leichtsinnig ließ Ludwig Leichhardt 1839 mehrfach amtliche Aufforderungen unbeachtet, die ihn zur Ableistung seiner obligatorischen Wehrpflicht nach Preußen zurück­riefen. Zu dieser Zeit träumte Leichhardt nämlich lebhaft davon, eine Forschungsreise nach Amerika zu unternehmen, anstatt „auf dem Cöpenicker Feld die Exerzitien zu lernen“. Folglich war ihm eine Rückkehr nach Preußen künftig verwehrt, weil er nunmehr mit seiner Verhaftung wegen Wehrdienstentziehung rechnen musste. Erst 1847 gelang es Leichhardts Verwandten unter Einbeziehung des am Hofe einflussreichen Gelehrten Alexander von Humboldt, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zu seiner Amnestierung zu bewegen. Mittlerweile hatte der Forschungsreisende wissenschaftlichen Ruhm erlangt. Doch seine geliebte niederlausitzer Heimat hat der Gelehrte trotzdem nicht wiedergesehen.

Leichhardt war nämlich bereits 1841 nach Australien gereist. Von diesem Kontinent war bislang nur die Küstenlinie einschließlich der dahinter liegenden Landstriche bekannt. Ob es im Innern Seen oder Gebirge, Dschungel oder Wüsten gab, wusste noch niemand. Nachdem sich Leichhardt vor Ort akklimatisiert hatte, brach er 1844/45 zu seiner ersten großen Forschungsreise auf und durchquerte den Kontinent zuerst von Osten nach Norden. Leichhardts 1846/47 unternommene zweite große Expedition, eine Ost-West-Durchquerung Australiens, scheiterte allerdings an klimatischen Schwierigkeiten und einer dadurch bedingten Meuterei der anderen Expeditionsteilnehmer. Auf seiner dritten großen Expedition ist Leichhardt verschollen.

Aber die Publikation seiner hinterlassenen wissenschaftlichen Aufzeichnungen, etwa die im Jahr 1855 von Girard herausgegebenen „Beiträge zur Geologie Australiens“, sicherten ihm seinen verdienten wissenschaftlichen Ruhm auch postum. Vor wenigen Jahren bezeichnete der aus Australien stammende, bedeutende britische Historiker Christopher Clark Ludwig Leichhardt als den „Alexander Humboldt Australiens“, wo der Preuße selbst heute noch ungeheuer populär ist. In Deutschland erinnern hingegen an Ludwig Leichhardt nur ein Museum in Trebatsch und die nahegelegene „Ludwig Leichhardt Oberschule“ in Goyatz. Ein neu geschaffener, 54 Kilometer langer Rad- und Wanderweg von Trebatsch nach Cottbus wird seit vergangenem Mai offiziell als „Leichhardt-Trail“ bezeichnet. Und vorletzten Donnerstag schließlich hat die Deutsche Post AG eine Sonderbriefmarke zu Ehren Leichhardts im Wert von 75 Cent herausgegeben. Jürgen W. Schmidt


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