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19.10.13 / Verarmt und einsam / Die LO-Kulturpreisträgerin Hilde Leest

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Verarmt und einsam
Die LO-Kulturpreisträgerin Hilde Leest

Ihre fanatische Liebe zur Kunst prägte das Leben der Steinbildhauerin Hilde Leest. Die gebürtige Königsbergerin – am 22. Oktober wäre sie 110 Jahre alt geworden – stammte aus einer alten Handwerkerfamilie: Töpfer, Maurer und Zimmerleute waren ihre Vorfahren; ihr Großvater hatte eine Baufirma und ihr Vater war beamteter Baumeister. Schon als Kind hatte sie Freude daran, verschiedenen Materialien Gestalt zu verleihen. Nach dem Schulbesuch wurde Hilde Leest im schlesischen Bunzlau als Keramikerin ausgebildet. Danach studierte sie an der Königsberger Kunstgewerbeschule bei Professor Hermann Brachert, später an der Kunstakademie Königsberg bei Professor Stanislaus Cauer.

1928 ging die Ostpreußin nach Berlin. Viele ihrer Arbeiten wurden dort in Kunstausstellungen gezeigt, einige kaufte die Stadt an. Der Krieg jedoch zerstörte auch die Arbeiten Hilde Leests, sie selbst wurde dreimal ausgebombt.

Aus dem Nichts baute die Künstlerin nach Kriegsende ein neues Atelier auf. In erster Linie wandte sie sich jetzt den Themen Not, Vertreibung und Heimkehr zu. „Gefangener“, „Straße“, „Not“, „Gespräch“ und „Wiedervereinigung“ – die Namen einiger Plastiken zeigen die Problematik, die Hilde Leest durch ihre Werke veranschaulichte.

Die Monumentalplastik „Wie­der­vereinigung“ ist wohl ihre bekannteste und bedeutendste. Aus zwei je 100 Zentner schweren Natursteinblöcken schuf die Künstlerin in mühevoller Arbeit dieses Bildwerk, das dann am Berliner Mauerdurchlass Chausseestraße aufgestellt wurde.

Aber auch wenn ihr Name bekannt wurde und ihr Ruf durch die ganze Welt ging – die Kulturpreisträgerin der Landesmannschaft Ostpreußen (LO) des Jahres 1964 starb im Winter 1970 verarmt und einsam in einem Berliner Krankenhaus. Die Werke der ostpreußischen Bildhauerin werden jedoch auch weiterhin gerade durch die problematische Thematik die Betrachter zum Nachdenken anregen. PAZ


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