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19.10.13 / Strandgarn, Aalreusen und moderne Fischerei / „Fischers Fritz fischt ...“ − Kulturzentrum Ostpreußen zeigt Geschichte des Fischfangs in Ostpreußen und Bayern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Strandgarn, Aalreusen und moderne Fischerei
„Fischers Fritz fischt ...“ − Kulturzentrum Ostpreußen zeigt Geschichte des Fischfangs in Ostpreußen und Bayern

„Fischers Fritz fischt ... − Fische und Fischfang von der Altmühl bis zum Kurischen Haff “ heißt die neue Sonderschau im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, die neben der Entwicklung des Fischfanges speziell auf die Geschichte im Altmühltal und in Ostpreußen eingeht.

Mit der Sonderschau „Fischers Fritz fischt ...“ hat das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen ein naturkundliches Thema aufgegriffen, erläuterte Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen, bei der Eröffnung der Ausstellung. Um eine von Dieter Luksch aus Haar bei München zusammengestellte naturkundliche Ausstellung mit zahlreichen Exponaten, die die Entwick-lung der Tiere im Laufe der Jahrtausende selbst sowie die Geräte zum Fischfang aus der Steinzeit über das Mittelalter bis heute darstellt, hat das Kulturzentrum die regionalen Besonderheiten der Fischereigeschichte an der Altmühl und in Ostpreußen ausgearbeitet.

Freyberg erinnerte bei der Begrüßung der knapp 40 Gäste, dass Wasser ein Lebensmittel ist. Es sei vielen Menschen nicht bewusst, dass dieses Lebensmittel immer knapper werde, was er am Beispiel des ehemals viertgrößten Binnensees der Erde, dem mittlerweile fast ausgetrockneten Aralsee in Zentralasien erläuterte.

Den historischen Teil der Fischereigeschichte über Ostpreußen, die Stadtfischerei in Gunzenhausen und das Fischen auf der Altmühl hatte die Volontärin des Kulturzentrums, Diana Schönig, als ihre letzte Aufgabe in Ellingen übernommen, bevor sie ab Okto-ber an das Museum des Schlosses Hoyerswerda wechselt. Unterstützung fand sie dabei im Stadtarchiv Gunzenhausen, im Völkerkundemuseum Treuchtlingen und im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg, die teilweise wertvolle Exponate zur Verfügung stellten.

Die Finanzierung der Ausstellung erfolgte teilweise durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung. Den Rest übernahm der Förderverein des Kulturzentrums Ostpreußen, bei dessen Vorsitzender Katharina Fürstin von Wrede sich Freyberg bedankte.

In ihrem Grußwort ging Katharina Fürstin von Wrede auf die Fischer ein, die sie als Beobachter der Natur und „gemütliche Menschen“ kennengelernt habe. Sie bedankte sich bei den Mitgliedern des Fördervereins, die mit ihren Spenden derartige Ausstellungen erst möglich machen.

In Gunzenhausen findet sich der Begriff „Stadtfischer“ erstmals im Jahre 1711, als Johann Georg Egerer im Eheregister der Pfarrei als „Stadtfischer von Gunzenhausen“ bezeichnet wird. Nur er und seine Familie hatten das Recht, in der Altmühl zwischen dem Spital und der Gemeinde Wald zu fischen. Ausführlich ist auf den Geschichtstafeln beschrieben, welche Familien die Fischrechte über die Jahrhunderte besaßen, bis der letzte Stadtfischer Karl Friedrich Köderer in den 1960er-Jahren die Fischrechte an den Fischereiverein Gunzenhausen übergab.

Die Fischrechte auf der Altmühl waren schon sehr früh festgelegt, so im Salbuch von 1532, in dem ein Fischrecht der Gemeinde Gunzenhausen erwähnt wird. 1735 wurde eine „Fisch- und Wasserverordnung des Oberamtes Gunzenhausen“ im Namen des Markgrafen Wilhelm Friedrich von Brandenburg erlassen. Damit hatte die Stadt Gunzenhausen mit der Wassergrafschaft die Oberaufsicht der Fischerei bis nach Treuchtlingen. Die Fischmeister kontrollierten von Mai bis August die Einhaltung der Vorschriften, die Größe der Fische und die Maschenweite der Netze. Gefischt wurde mit dem sogenannten Altmühlkahn. Gefangen wurden Karpfen, Schleien, Hechte, Brachsen und Weißfischarten. Der bis 1880 große Krebsbestand verschwand nach einer großen Krebs-pest.

Auf den Informationstafeln wird Ostpreußen als das Land der vielen tausend Seen und den zahlreichen Fließgewässern als ideale Fischereiregion beschrieben. Bereits aus dem Jahre 890 gibt es einen ersten schriftlichen Beleg, in dem der angelsächsische Seefahrer und Händler Wulfstan berichtet, dass in der Gegend um Elbing Fische gefangen werden. In der Deutschordenszeit wurde der Fischfang bei der christlichen Bevölkerung auf Grund der vielen Fastentage ohne Fleisch noch viel wichtiger. Der Orden regelte das Fischereirecht in den Komtureien durch einen Fischmeister. Durch die zunehmende Industrialisierung verfiel die Fischerei, Fischteiche wurden in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt, und die eingeleiteten Abwässer von Gerbereien in Bäche, Flüsse und Seen in der Mitte des 19. Jahrhunderts führten zu massiven Schädigungen der Fischbestände. Erst das Eingreifen des Staates im 20. Jahrhundert führte zur Erholung der Gewässer.

In Ostpreußen gab es mehrere Formen der Fischerei. Am bekanntesten war wohl die Hafffischerei mit den Kurenkähnen. Diese etwa zwölf Meter langen Holzschiffe hatten einen geringen Tiefgang von nur 40 Zentimetern. So war der Fang von Zander, Hecht, Brasse, Barsch, Quappe und Plötze auch an seichten Stellen im Haff möglich, wobei jeweils zwei Schiffe ein dreiwandiges Zugnetz mit bis zu 250 Metern Länge nutzten. Diese Schiffe waren mit dem so genannten „Kurenwimpel“ ausgestattet. An dessen Form und Farben konnten die Kontrolleure der Fischereiverwaltung erkennen, ob die Boote die notwendige Zulassung hatten, denn die im Landesbesitz befindlichen Haffen durften nur gegen Gebühr befischt werden.

Auf Binnengewässern, die meist der öffentlichen Hand gehörten, arbeiteten Einzelpersonen als Fischer. Durch die Veränderung der Wasserqualität war es meist zu einer geringeren Artenvielfalt oder zu Massenvermehrung einzelner Arten gekommen. Gefangen wurden Schleien, Forellen, Äschen, vereinzelt im Gebiet des Memeldeltas auch Welse. Dazu nutzten die Fischer Zug- und Stellnetze sowie Reusen.

An der Küstenlinie wurden hölzerne Segelboote genutzt, ab 1900 kamen dann Motorboote zum Einsatz. Mit engmaschigen Netzen, dem Strandgarn, waren kleine Lachse und im Sommer Flundern die Beute. Diese waren, über Kiefernzapfen geräuchert, eine Delikatesse. Mit Aalreusen, Netzwänden oder mit Aalschnüren, die mit Hunderten von Haken versehen waren, wurden Aale gefangen, wobei Schwarzort einer der bekanntesten Aalfangorte Deutschlands war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fischerei den jeweiligen Landesrechten angepasst. So entwickelte sich in Königsberg der größte Fischereihafen Russlands. Die polnische Küstenfischerei hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft, aber nur geringen Anteil an der Volkswirtschaft. Die Hochseeflotte ist stark geschrumpft, 2004 gab es nur noch drei Schiffe. Die an der Küste eingesetzten Fischkutter allerdings wurden teilweise modernisiert, so dass die Fischwirtschaft in Polen noch rund 5000 Menschen einen Broterwerb bietet. Die Seen in Ermland und Masuren sind Ziel für Tagesausflügler und Hobbyangler geworden.

In der Ausstellung sind zudem zahlreiche wertvolle Exponate wie die Notizbücher der Seefischereistation Neukuhren über die Forschungen zum Thema Fischfang und Fischerei, Rechnungen und Belege des Fischamtes Gunzenhausen aus den Jahren 1628 bis 1704 sowie Fischereigeräte wie Harpunen und Angeln zu sehen.

Manfred E. Fritsche

„Fischers Fritz fischt ... – Fische und Fischfang von der Altmühl bis zum Kurischen Haff“, Kulturzentrum Ostpreußen, Barock-schloss Ellingen, Schloßstraße 9, 91792 Ellingen, ist bis zum 8. Dezember 2013 Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr geöffnet.


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