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19.10.13 / Durstige Flieger / Fledermäuse brauchen zum Überleben wasserreiche Regionen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-13 vom 19. Oktober 2013

Durstige Flieger
Fledermäuse brauchen zum Überleben wasserreiche Regionen

Seen, Bäche und Tümpel sind für das Überleben heimischer Fledermausarten viel wichtiger als bislang angenommen. Wissenschaftler des Nationalparks Bayerischer Wald fanden heraus, dass die Fledertiere Gewässer in Bergregionen auch dann zuhauf aufsuchen, wenn das Wasser nährstoffarm ist und ihnen wenig Nahrung in Form von Insekten bietet. Ein Grund ist der extrem hohe Trinkwasserbedarf von Fledermausweibchen mit Jungen.

Im „Journal of Zoology“ berichtet jetzt ein Forscherteam um Sebastian Seibold von der Nationalparkverwaltung in Grafenau, dass die milchgebenden Weibchen ihre Schlafplätze bevorzugt in der Nähe von Wasserstellen haben. Um trinken und Milch produzieren zu können, suchen sie die Gewässer sechsmal so oft auf wie Fledermäuse ohne Nachwuchs.

Dabei ist bereits der Wasserbedarf auch der Tiere ohne Jungen hoch, weil die Flügel die Körperoberfläche unverhältnismäßig vergrößern und damit die Austrocknung der Säugetiere be­schleunigen. Bislang war die Forschung davon ausgegangen, dass Gewässer vor allem wegen des hohen Vorkommens von Wasserinsekten für Fledermäuse attraktiv seien. Die Bedeutung nährstoffarmer Gewässer für die Fledertiere war bisher unklar.

An den hoch gelegenen nährstoffarmen Gewässern des Bayerischen Walds fanden sich trotz des geringen Beuteangebots die verschiedensten Fledermausarten überraschend zahlreich ein – öfter noch als auf Wiesen und Totholz-Brachen, wo es mehr Insekten gibt. „Gewässer in nährstoffarmen Bergregionen dienen Fledermäusen vor allem als Trinkwasserquelle und weniger als Beutereservoir“, folgern die Wissenschaftler. Die Forscher hatten die Ultraschallgeräusche von 13 heimischen Fledermausarten aufgezeichnet und Lichtfallen in­stalliert, um das Insektenvorkommen zu be­stimmen. Bei der Jagd geben die Fledermäuse Töne von sich, beim Trinken jedoch nicht. So konnte das Forscherteam unterscheiden, warum die Fledermäuse an die Gewässer kamen.

Für den Erhalt der bedrohten Tiere braucht es der Studie zufolge ein Netzwerk an nicht austrocknenden Gewässern. Fehlen diese, so regen die Forscher an, Biber beim Aufstauen neuer Seen gewähren zu lassen. Eine Alternative seien von Menschen angelegte Teiche, auch wenn das in Nationalparks unerwünscht sei. Kai Althoetmar


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