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14.12.13 / Zoo-Palast: Legende lebt wieder auf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-13 vom 14. Dezember 2013

Zoo-Palast: Legende lebt wieder auf
von Theo Maass

Der Zoo-Palast gehört zur Identität der West-Berliner wie der Funkturm, die Kongresshalle oder die Gedächtniskirche, die der alliierte Bombenterror so gestaltet hat, wie sie sich heute darstellt.

Die Wartegemeinschaft am Grenzkontrollpunkt Drewitz/Dreilinden, wie sich die Bewohner der Inselstadt selbstironisch nannten, war seit dem Mauerbau am 13. August 1961 „eingesperrt“. Aber sie entwickelte ein eigenes Lebensgefühl um den Ku’damm herum mit seiner anspruchsvollen Gastronomie, dem KaDeWe und den Jugenddiscos wie dem „Big Eden“, dem „Yesterday“ oder dem „Flash Point“. Wer in den 60er und 70er Jahren im Westteil der Stadt groß geworden ist, verbrachte den Sonnabendabend dort und besuchte zuvor am späten Nachmittag eines der schönen Ku’damm- Kinos, die das Kommerz- und Gewinnstreben nach der Vereinigung hinweggefegt hat. Das größte und wahrscheinlich beliebteste von ihnen war der Zoo-Palast, der zwar nicht am Ku’damm lag, aber nur wenige Schritte entfernt, genau gegenüber vom Bahnhof Zoo. Er gehörte zum Lebensgefühl, wie es der Berliner Liedermacher Reinhard Mey in seinem Lied „Das ist mein Berlin“ beschrieben hatte.

In einem Nebenkino des Hauses lief mehrere Jahre „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit der legendären Filmmusik von Ennio Morricone. Dort zogen „Steiner, das Eiserne Kreuz“ oder „Das Boot“ die wissbegierige Jugend an, die erfahren wollte, was ihre Väter als Landser im Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, bevor Hollywood die Geschichte des Krieges in ein reines deutsches Verbrecheralbum umdeutete.

Ab 1957 gab es dort Premieren, und das Lichtspielhaus war bedeutender Veranstaltungsort der Berlinale. Nationale und internationale Filmgrößen wie Lilo Pulver, Romy Schneider, Liz Taylor oder Gina Lollobrigida gaben dort ihre Visitenkarte ab.

Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe investierte nun sage und schreibe 4,5 Millionen Euro in den Umbau des Theaters, das künftig 1650 Gästen in sieben Sälen Platz bietet. Zur Gala-Eröffnung am 27. November waren 800 geladene Gäste gekommen. Der reguläre Filmbetrieb startet zwei Wochen später.

Schnickschnack wie Nachos mit Käsesoße gibt es dort nicht. Flebbe setzt auf ein Kontrastprogramm zu den modernen „Multiplex“-Kinos: „Alle Sachen fehlen, die Sie im Kino genauso nerven wie mich.“ Der Zoo-Palast wende sich an die Leute mittleren Alters, die „das Kino für sich wieder­entdecken“. Familien, die „gehobene Unterhaltungsfilme“ sehen wollten, seien hier gut aufgehoben.


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