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14.12.13 / Grabenkämpfe in Nidden / Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg zeigt »Streit der Stile«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-13 vom 14. Dezember 2013

Grabenkämpfe in Nidden
Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg zeigt »Streit der Stile«

Noch bevor sie in den Ersten Weltkrieg zogen, übten sich Künstler in Ostpreußen in ersten Grabenkämpfen. Auf der Kurischen Nehrung ging es um die Vorherrschaft über den künstlerischen Stil und damit auch um den Markterfolg. Im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg wird dieser Machtkampf, der um die vorletzte Jahrhundertwende tobte, jetzt in einer Sonderausstellung dokumentiert.

Für die Schau „Im Streit der Stile – Die Künstlerkolonie Nidden zwischen Impressionismus und Expressionismus“ hat das Landesmuseum, das in Lüneburg die größte Gemäldesammlung besitzt, jetzt über 30 Bilder von überwiegend ostpreußischen Ma­lern, die in Nidden arbeiteten, zusammengestellt. Darunter sind auch zwei Ge­mälde, welche symbolhaft für den Gegensatz der Kontrahenten stehen. Sie zeigen Gewitterstürme. Während in „Aufziehendes Gewitter über dem Haff“ des Königsbergers Eduard Bischoff ein poetisch verklärtes Leuchten über den Hausdächern hängt, zucken in Max Pechsteins „Fischerhäuser in Nidden bei Gewitterstimmung“ wild die Blitze.

Pechstein, der einer der wichtigsten Protagonisten der neuen expressiven Schule war und der von 1905 an mehrfach nach Nidden reiste, ist hier nur mit diesem einen Bild vertreten, trotzdem ist es zu Recht Werbemotiv für diese Schau. Als es 1919 entstand, war der „Kampf“ längst zugunsten der Expressionisten entschieden.

Der Maler Hans Kallmeyer prägte 1924 den Begriff „Der Kampf der Stile“, der nach seinen Angaben bei einigen Glas Bier hauptsächlich in der Niddener Künstlerkneipe „Gasthaus Blode“ auch mit lautstarken Mitteln ausgetragen wurde. Auf der einen Seite standen die Impressionisten um den Maler Ernst Bischoff-Culm, der als einer der ersten bereits 1898 Nidden künstlerisch eroberte. Heimatmaler wie Carl Knauf, Oskar Gawell oder Arthur Kuhnau waren Naturliebhaber, die mit den weißen Dünen von Nidden, Kurenkähnen oder Fischern dankenswerte Motive fanden. Auch der in Goldap aufgewachsene Elchmaler Hans Kallmeyer schätzte die Nehrung wegen ihrer reichhaltigen Tierwelt. Auf der anderen Seite standen die Expressionisten um Max Pechstein, Ernst Mollenhauer oder Karl Eulenstein. Interessant, wie der Leuchtturm von Nidden in unterschiedlichen Stilen dargestellt wird: mit sanftem, den Ort segnenden Schein wie bei Julius Freymuth oder wie von Flügeln aus Licht getragen wie bei Karl Eulenstein.

In den Werken Arthur Degners, einem Lehrer der Kunstakademie Königsberg, vermischen sich die Stile. Ähnlich wie bei dem Nidden-Maler Lovis Corinth, von dem leider keine Werke ausgestellt sind, vertrat er einen sanften Expressionismus. Auf Degners Betreiben hin fand in seiner Kunstakademie 1914 auch die erste Ausstellung mit Künstlern aus Nidden statt. Viele, die dort ausgestellt wurden wie Franz Marc oder August Macke, überlebten den Krieg nicht.

Die, die wie Erich Mollenhauer, an dessen 50. To­destag in diesem Jahr die Lüneburger Ausstellung auch erinnert, den Krieg schwer verletzt überlebt hatten, kehrten nach Nidden zurück und malten anschließend wie befreit. Mollenhauer erwarb später das Gasthaus Blode von seinem Schwiegervater. Einige Fotos, Pläne und Ausstattungsteile aus Mollenhauers Nachlass ergänzen diese Ausstellung, die noch bis zum 2. März läuft. H. Tews


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