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14.12.13 / Sonnige Gemüter / Akrobatik-Show »Afrika! Afrika!« begeistert im neuen Tourgewand

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-13 vom 14. Dezember 2013

Sonnige Gemüter
Akrobatik-Show »Afrika! Afrika!« begeistert im neuen Tourgewand

Kaum denkbar, dass ein Erwachsener durch einen Tennisschläger passen soll, der nicht besaitet ist. Gut, ab einer gewissen Körperfülle ist das natürlich unmöglich. Aber selbst wenn sich ein völlig normal proportionierter Mann durch ein solches Sportinstrument schlängelt, so tut das schon vom Hinsehen weh. In der Varietéshow „Afrika! Afrika“! scheint nichts unmöglich zu sein. Vor allem nicht für den Kontorsisten Yoga Yoga, wie der Schlangenmensch aus Tansania heißt, der erst mit dem Kopf, dann mit den Schultern und zuletzt auch mit Becken und Beinen durch den Schläger gleitet.

Nein, kein Zauber, sondern Zauberhaftes wird geboten in dieser Show, die derzeit durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt. Ursprünglich konzipiert vom österreichischen Entertainer André Heller ist die Show ein Wunder an Einfällen und artistischem Können. Über 80 Artisten aus 22 afrikanischen Ländern begeistern das Publikum mit einer Show, die seit der Premiere 2005 in einem eigens dafür geschaffenem Zelttheater schon rund drei Millionen Zuschauer angelockt hat.

Vor vier Jahren kam es zu einem Missklang, nachdem die Künstler den Produzenten Ausbeutung und Rassismus vorgeworfen hatten. Um bloß nicht in den Verdacht zu geraten, selbst etwas mit solchen Vorwürfen zu tun zu haben, zog sich Heller vollständig aus dem Projekt zurück. So stellen die Künstler seit Oktober ein neu gestaltetes Tourprojekt vor, bei dem man statt im eigenen Theaterzelt Gastauftritte auf fremden Bühnen absolviert.

Die Magie einer Zirkusatmo­sphäre ist nun zwar der einer nüchternen Bühnen-Aura gewichen, aber die Faszination an den lebensfrohen Artisten ist geblieben. Wer denkt, in punkto Artistik seien die afrikanischen Länder noch eine Dritte Welt, liegt falsch. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Hier wird meisterliche Artistik geboten, die man so in europäischen Zirkusshows noch nie gesehen hat. Die Verknotungen der Schlangenleute, Balance- und Kraftakte bewegen sich auf höchstem Niveau. Wann kriegt man es schon zu sehen, dass auf ziemlich schmalen Schultern eine Last von geschätzten 250 Kilo bewältiget wird? Die kommt ungefähr zu­stande, wenn ein Akrobat vier Kollegen schultert, die über ihm zum Bühnenhimmel streben.

Von der menschlichen Pyramide geht es pausenlos weiter zu Breakdancern, Basketball-Akrobaten oder Jongleuren, die mit Witz und Charme ihr Können zeigen. Wenn der „Waterman“ aus Ghana 20 große Schüsseln gleichzeitig jongliert, mimt er gleichzeitig den wasserspuckenden Clown, der seine Gefäße befüllt. Eine Live-Band sorgt vom Bühnenhimmel herab für schwungvolle musikalische Stimmung.

Auf Buschtrommeln wird hier weitgehend verzichtet. Klischees sollen nicht be­dient werden. Statt auf poetisches Varieté à la André Heller setzt der aus der Elfenbeinküste stammende Choreograf Georges Momboye auf Verve und Tempo. Das alles kommt mit solch energiegeladener Freude daher, dass sich selbst an kalten Wintertagen ein bisschen afrikanische Sonne nach Europa überträgt. tws

Bis Ende des Jahres gibt es noch Vorstellungen in Frankfurt (bis 21.12.) und Wien (ab 22.12.). Ab Januar wird die Tournee bis zum 17. April 2014 in 25 weiteren Städten fortgesetzt. Alle Termine unter www.afrikaafrika.de.


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