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14.12.13 / Allensteiner äußerst unzufrieden / »Gazeta Wyborcza« veröffentlicht aktuelle Meinungsumfrage in 23 Metropolen der Republik Polen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-13 vom 14. Dezember 2013

Allensteiner äußerst unzufrieden
»Gazeta Wyborcza« veröffentlicht aktuelle Meinungsumfrage in 23 Metropolen der Republik Polen

Ein Jahr vor den nächsten Kommunalwahlen in der Republik Polen hat die große polnische Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ eine Umfrage in den größten Metropolen des Staates durchführen lassen, laut welcher der amtierende Stadtvater Allensteins, Piotr Grzymowicz, nur von 16 Prozent der Bewohner der von ihm regierten Stadt Zustimmung erfährt. Schuld an dem schlechten Wert sind in erster Linie sein mangelnder Kontakt zu den Allensteinern und sein Versagen beim Bau der neuen Straßenbahnlinie.

Sehr gut schneidet hingegen sein Vorgänger im Amt, Jerzy Małkowski, ab. Mehr als jeder dritte Allensteiner kann ihn sich als Kandidaten für das Stadtpräsidentschaftsamt vorstellen. Die Beliebtheit Małkowskis, der 2008 wegen des Verdachts einer Vergewaltigung vorläufig verhaftet und gegen den deshalb sogar ein Gerichtsverfahren eingeleitet wurde, ist also im großen Stil zurückgekehrt. Vergessen wurden seine angeblichen Vergehen. Fest eingeprägt hat sich hingegen seine bislang unnachahmliche Fähigkeit, überall einen guten Kontakt mit dem sogenannten kleinen Mann herzustellen. Małkowski wurde während seiner Amtszeit von den Allensteiner Künstlern hochgeschätzt, weil er zahlreiche kulturelle Initiativen bezuschusst und sie dann persönlich besucht hatte. Wohl geneigt war er auch vielen Aktivitäten der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM).

Sein Nachfolger Grzymowicz setzte hingegen auf Investitionen, die aber nicht selten eine Verschlechterung des bisherigen Lebensstandards bedeuteten. Unklar bleibt allerdings die Frage, ob es 2014 zwischen beiden zu einem Duell kommen wird, denn die Ermittlungen gegen Małkowski dauern an und das abschließende Urteil ist nicht absehbar.

Eine große Beliebtheit genießt nach wie vor der zwar junge, doch schon sehr erfahrene Stadtverwalter von Lyck, Tomasz Andrukiewicz. Dank seiner Bemühungen erfuhr Lyck einen großen wirtschaftlichen wie strukturellen Aufschwung. Ferner ist zu betonen, dass Andrukiewicz stets kulturellen Ereignissen nicht abgeneigt ist. Unter seiner Schirmherrschaft wurde etwa Anfang Ok-tober eine große Tagung zu Ehren von Siegfried Lenz durchgeführt.

Die Untersuchung lässt des Weiteren auf nicht ganz zufriedenstellende Lebensverhältnisse in Allenstein schließen. Die Stadt teilte sich mit Warschau den 14. Platz bei insgesamt 23 untersuchten Metropolen. Untersucht wurden folgende Kriterien: öffentliche Verkehrsmittel, Straßenzustand, Fahrradwege, optisches Erscheinungsbild, Verfügbarkeit von Kitas, Freizeitgestaltung, Investitionen und schließlich Sicherheitsgefühl. Am schlechtesten schnitt Allenstein in den ersten zwei Sparten sowie bei der Freizeitgestaltung ab, am besten beim Sicherheitsgefühl.

Das eher mittelmäßige Abschneiden Allensteins verwundert insofern, als die Stadt bei früheren Erhebungen dieser Art beträchtlich besser abgeschnitten hat. Entweder ist die Stimmung der Allensteiner in der letzten Zeit umgeschlagen oder aber es handelt sich bei dieser erstmals von versierten Soziologen und anderen Wissenschaftlern durchgeführten Umfrage um eine fundiertere Analyse als bei den vorausgegangenen.

Für die erste These spricht, dass sich an der Spitze des Rankings der polnischen Metropolen wenig verändert hat. Die Spitzenposition hinsichtlich Lebensqualität sowie Verdienst- und Karrieremöglichkeiten nimmt auch bei dieser Untersuchung Gdingen ein, das von seinem charismatischen Präsidenten Wojciech Szczurek erfolgreich verwaltet wird. Der westpreußischen Hafenstadt folgt das schlesische Breslau, wo es den beiden nacheinander amtierenden Präsiden­ten Bogdan Zdrojewski und Rafał Dutkiewicz gelungen ist, den Menschen nicht nur einen hohes Lebensniveau zu sichern, sondern innerhalb der letzten Jahrzehnte auch das Ost-West-Gefälle in der Republik Polen auszubalancieren. Als ein sichtbares Zeichen dieser erfolgreichen Strategie darf die Wahl Breslaus zur Kulturhauptstadt Europas 2016 gewertet werden. Nicht viel schlechter urteilten die Thorner über ihre Stadt, die vor allem mit ihrem reichhaltigen Kulturangebot bestechen kann.

Das Schlusslicht in dieser Rangliste bilden seit langem die drei sogenannten ungeliebten Kinder Polens, sprich Lodz, Tschenstochau und Radom, die von vielen als größte Opfer der „Wende“ des Jahres 1989 bezeichnet werden. Die einstigen Industriestandorte entvölkern sich langsam und werden marode. Tausende junge Arbeitnehmer, die in Lodz oder Radom wohnen, pendeln daher jeden Tag zwischen ihren Heimatstädten und Warschau, um dort auf einer besser bezahlten Stelle arbeiten zu können oder überhaupt eine zu haben. Grzegorz Supady


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