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14.12.13 / Flucht und Neubeginn / Zeitzeugen aus Heiligenbeil berichten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 50-13 vom 14. Dezember 2013

Flucht und Neubeginn
Zeitzeugen aus Heiligenbeil berichten

Der Landkreis Heiligenbeil liegt im westlichen Ostpreußen und zählte 1939 rund 53000 Einwohner. Hier, am Frischen Haff, lebten die Menschen friedlich in idyllischer Natur, bis die Kriegsfurie Anfang 1945 das Kreisgebiet erreichte. Als die letzten Verteidiger am 29. März 1945 den Kampf um den Heiligenbeiler Kessel einstellten, waren die meisten Bewohner des Kreises längst über das Eis des Haffs auf die Frische Nehrung und von dort weiter auf die rettenden Schiffe nach Westen geflohen. Nicht wenige von ihnen glaubten, dass der Aufenthalt in der Fremde nur vorübergehend sei und sie eines Tages in die Heimat zurückkehren würden. Etwa 20 Prozent kamen durch Kriegseinwirkungen, Flucht, Vertreibung, Deportation, Vergewaltigung, Hunger, Krankheit oder unmenschliche Behandlung ums Leben.

Damals ging es für die Ostpreußen um das nackte Überleben. Es war „Keine Zeit für Trauer – keine Zeit für Tränen“, so der Titel der von der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e.V. herausgegebenen Sammlung von Zeitzeugenberichten. Mit dieser außergewöhnlichen Dokumentation der Ereignisse in der Endphase des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht ostpreußischer Flüchtlinge wollen die Herausgeber „einen Meilenstein im stetigen Kampf gegen das Vergessen“ setzen. Viele Ostpreußen lassen ihre schrecklichen Erlebnisse bis heute nicht los. Dennoch wurde darüber in den Familien nur selten, häufig aber auch gar nicht gesprochen.

Das Buch soll nicht nur dazu dienen, die Erinnerungen der Erlebnisgeneration für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, sondern es soll den Zeitzeugen auch die Möglichkeit geben, ihre traumatischen Erfahrungen durch Erzählen zu verarbeiten. Die Dokumentation ist unterteilt in die Kapitel „Die letzten Tage in Ostpreußen“, „Flucht“, „Als Flüchtlinge in Dänemark“ und „Nachkriegszeit“.

In dem Band kommen rund 50 Zeitzeugen zu Wort. Ihre Berichte sind teilweise aus der Erinnerung niedergeschrieben, teilweise sind sie aus Tagebüchern wiedergegeben und decken alle Facetten des Geschehens ab. Aus den Schilderungen wird wieder einmal deutlich, dass diese Generation unmenschliche Strapazen hat durchmachen müssen. Dem dokumentarischen Teil vorangestellt sind Geleitworte von Stephan Grigat, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, und der Heiligenbeiler Kreisvertreterin Elke Ruhnke. Das Buch enthält zahlreiche überwiegend aus Privatbesitz stammende Fotos, von Zeitzeugen angefertigte Zeichnungen und Karten. Es leis-tet einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen. J.H.

Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e.V. (Hrsg.): „Keine Zeit für Tränen – keine Zeit für Trauer. Zeitzeugen berichten über Flucht und Vertreibung aus dem Kreis Heiligenbeil“, 288 Seiten, 19,80 Euro. Bestellungen sind zu richten an: Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e.V., Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 84224, E-Mail: schmidt.ploessen@gmx.de


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