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04.01.14 / Otto von Bismarcks zeitweilige liberale Stütze / Eduard Lasker unterstützte die Reichseinigung des »Eisernen Kanzlers«, aber machte dessen Rechtsschwenk von 1878 nicht mit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-14 vom 04. Januar 2014

Otto von Bismarcks zeitweilige liberale Stütze
Eduard Lasker unterstützte die Reichseinigung des »Eisernen Kanzlers«, aber machte dessen Rechtsschwenk von 1878 nicht mit

Otto von Bismarck hat in seiner Zeit als Regierungschef mit einem Links- und einem späteren Rechtsschwenk gleich zwei Spaltungen im deutschen Liberalismus bewirkt. Wohl kein anderer Liberaler verkörpert dieses Schicksal des deutschen Liberalismus in der Bismarckzeit stärker als Eduard Lasker, spielte er doch sowohl in der rechten Abspaltung des Liberalismus als auch in der linken Abspaltung des Rechtsliberalismus eine führende Rolle.

Eduard Lasker war Jude und Liberaler. Er entstammte einem wohlhabenden Elternhaus und studierte nach dem Abitur auf Wunsch seines Vaters statt Medizin Mathematik und Astronomie. Die 48er Revolution politisierte jedoch den am 14. Oktober 1829 als Jizchak Lasker in Jarotschin geborenen Preußen. Während seines Studienaufenthaltes in Wien nahm er am dortigen Oktoberaufstand teil. Dessen Misserfolg bewog ihn, nun auf legalem, gewaltfreiem Wege politische Veränderungen zu erstreben. Hierzu studierte er Jura.

Nach dem erfolgreichen Jurastudium, einigen Jahren in Großbritannien und der Absolvierung des praktischen Ausbildungsteils am Berliner Stadtgericht bestand er 1857 das Assessorexamen. Las­ker hatte zwar als Gymnasiast seinen Vornamen von Juzchak in Eduard geändert, doch ist der Spross eines strenggläubigen Elternhauses nie konvertiert. Damit war Lasker eine Karriere im Staatsdienst verwehrt, und er wich in die Publizistik aus. Insbesondere in den „Deutschen Jahrbüchern für Politik und Literatur“ seines Freundes Heinrich Bernhard Oppenheim setzte er sich entschieden für Rechtsstaatlichkeit ein. Dadurch wurden Preußens Liberale auf ihn aufmerksam, kämpften diese doch gegen den Verfassungsbruch des Ministerpräsidenten Bismarck im Heereskonflikt. 1865 gelangte Lasker als Kandidat der Liberalen über eine Nachwahl ins Abgeordnetenhaus.

Nach den Erfolgen im Ersten und Zweiten Einigungskrieg spaltete Bismarck den Liberalismus in Preußen, indem er mit der sogenannten Indemnitätsvorlage seinen Verfassungsbruch dem Parlament zur nachträglichen Absegnung vorlegte. Ein Teil der Liberalen verfolgte die reine Lehre und war auch nachträglich nicht bereit, Bismarcks Verfassungsbruch abzusegnen. Der andere Teil der Liberalen hingegen war durch die Siege in den Einigungskriegen beeindruckt und erhoffte, dass sie Schritte seien zu der von Preußens Liberalen und schon den 48ern mehrheitlich gewünschten kleindeutschen Lösung der deutschen Frage unter preußischer Führung. Dieser rechte Flügel der liberalen Abgeordneten verhalf Bismarcks Indemnitätsvorlage zur Mehrheit, spaltete sich von der Fortschrittspartei ab und gründete eine zweite liberale Partei, die für gut ein Jahrzehnt Bismarcks wichtigste parlamentarische Stütze wurde: die Nationalliberale Partei. Der Name dieser Partei war treffend gewählt. Ihre Mitglieder verfolgten liberale Ziele, aber ihnen war ein Nationalstaat, dessen Verfassung liberale Defizite aufwies, lieber als gar kein Nationalstaat. Entsprechend positiv beurteilten sie Reichseinigung und Reich. Die Partei war derart populär, dass sie zu Beginn des Reiches in dessen Reichstag die stärkste Fraktion stellte.

Wenn Lasker auch nie Vorsitzender der Nationalliberalen Partei war, so gehörte er doch nicht nur zu deren Gründern, sondern auch zu deren führenden Köpfen. Entsprechend der nationalen Zielsetzung der Nationalliberalen war Lasker die Erweiterung der Einigung über die Staaten des Norddeutschen Bundes hinaus ein Anliegen, um das er sich tatkräftig bemühte. Vor dem Deutsch-Französischen Krieg stieß dieses auf den Widerstand Bismarcks, der Frankreich nicht provozieren wollte. Nach dem Ausbruch des Krieges mit dem Second Empire hingegen brauchte auf Kaiser Napoleon III. keine Rücksicht mehr genommen zu werden, und das Werben Laskers und anderer Nationalliberaler in den süddeutschen Hauptstädten für die Erweiterung des Norddeutschen Bundes war nun ganz in Bismarcks Sinne.

In der auf Weisung der Westalliierten ausgesprochen föderalistischen Bundesrepublik wird das zwar nicht gerne gehört, aber der nationale Einheitsstaat nach französischem Vorbild ist traditionell ein zutiefst liberales Ziel. Nicht nur in dieser Beziehung wurden Lasker und seine politischen Freunde von der 1871 beschlossenen Reichsverfassung enttäuscht. Auch die fehlende Verantwortung der Regierung gegenüber dem Parlament wurde von den Liberalen schmerzlich vermisst.

Lasker litt darunter mehr als manch anderer Nationalliberaler, gehörte er doch zum linken Flügel innerhalb der Partei. Umso härter traf ihn 1878 Bismarcks Rechtsschwenk mit den Sozialistengesetzen und dem Übergang zur Schutzzollpolitik. Dieser Rechtsschwenk war von Liberalen schwerlich gutzuheißen und so spaltete sich unter Führung von Lasker der linke Flügel der Nationalliberalen Partei und gründete 1880 die Liberale Vereinigung, die sich dann 1884 schließlich mit der linksliberalen Fortschrittspartei zur Freisinnigen Partei zusammenschließen sollte.

Einher mit der Verschlechterung seiner Beziehungen zu Bismarck, wegen dem Lasker ja dereinst mit der Fortschrittspartei gebrochen hatte, gingen eine Minderung seines politischen Einflusses und eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Nach einem Zusammenbruch suchte Las­ker Genesung fern der Heimat in den Vereinigten Staaten. Dort wurde der deutsche Liberale zwar gefeiert, aber die erhoffte Genesung blieb aus. Am 5. Januar 1884 starb Eduard Lasker in New York. Manuel Ruoff


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