16.10.2021

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04.01.14 / Wissenswertes über Ostpreußen / Eindrücke einer Teilnehmerin am Kulturhistorischen Seminar der LO in Bad Pyrmont

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-14 vom 04. Januar 2014

Wissenswertes über Ostpreußen
Eindrücke einer Teilnehmerin am Kulturhistorischen Seminar der LO in Bad Pyrmont

Zur Teilnahme am Kulturhistorischen Seminar der Landsmannschaft Ostpreußen im Ostheim in Bad Pyrmont waren alle Frauen herzlich eingeladen. Es haben sieben Teilnehmerinnen von den Gesellschaften der deutschen Minderheit aus dem südlichen Ostpreußen, zwei aus dem Memelland und die Vorsitzende der Wolfskinder teilgenommen. Am Anreisetag zur Eröffnung des Seminars wurden die Teilnehmerinnen von Uta Lüttich begrüßt. Sie verlas die Grüße der Frauen die aus Krankheitsgründen nicht anreisen konnten.

Lüttich informierte über die Themen der jeweiligen Referenten. Der Vortrag von Professor Ulrich Matthee aus Kiel beinhaltete den „Versailler Vertrag und die Volksabstimmung von 1920 in Ost-und Westpreußen“. Die ostpreußische Bevölkerung setzte sich aus Siedlern vieler deutscher Gebiete zusammen. Die Zuwanderer kamen auch aus Frankreich (Hugenotten) und aus dem Salzburger Gebiet.

Rikako Shindo, Trägerin des Gierschke-Dornburg-Preises, sprach über „die Erweiterung der Zuständigkeit des Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen während der Weimarer Republik“. Anschließend wurde lebhaft dis-kutiert und es entstanden viele Fragen. Lutz Oberdörfer aus Greifswald sprach zu dem Thema „Die siegreichen Großmächte und die Zukunft des Memellandes 1919−1924/45“. Sie beschlossen, das Gebiet unter alliierte Aufsicht zu stellen. Die Siegermächte haben über die Grenzen entschieden und darüber, welche Staaten anerkannt wurden. Oberdörfer zeigte an Hand einer Landkarte die Gebiete, in denen die Grenzen verliefen. Die kleinen Kriege zwischen verschiedenen Ländern wurden weitergeführt. Polen und Litauer erhoben Anspruch auf das Memelland. 1923 okkupierte Litauen das Memelland. Den Teilnehmern wurde klar, wie wertvoll dieses Land war und ist und wie viele Kämpfe es deshalb gab.

Ralf Meindl aus Berlin hielt einen Vortrag über „Erich Koch und den Kampf um Ostpreußen 1944/45“. Ostpreußens Gauleiter Erich Koch wurde 1896 in Wuppertal/Elberfeld geboren. Er war Beamtenanwärter bei der Reichsbahn, wurde jedoch 1926 entlassen. Die NSDAP überzeugte ihn, als er Hitler sprechen sah.

Koch kam nach Ostpreußen, weil ein Gauleiter gebraucht wurde. Er begann seine politische Laufbahn und wurde als Oberpräsident alleiniger Herrscher in Ostpreußen.

Koch verbot die rechtzeitige Evakuierung und führte die Ostpreußen ins Verderben. Er war bis zum Schluss der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Der Film „Berlin−Königsberg, die legendäre Ostbahn“ war interessant.

Norbert Matern referierte über das traurige Kapitel „Ostpreußen als die Bomben fielen“. Matern arbeitet in der freien Akademie der Künste in Hamburg. Seit 1986 wurde sein Buch unter dem Titel „Ostpreußen als die Bomben fielen“ herausgegeben. Er musste 1945 Braunsberg verlassen und hat den Angriff auf Hildesheim überlebt. Er zitierte aus dem Buch von Michael Wieck vom Untergang in Königsberg. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde Allenstein angezündet. Am

21. Januar 1944 fuhr um 18 Uhr der letzte Zug von Allenstein ab. Die angloamerikanischen und russischen Bombenflugzeuge zerstörten die Städte Ostpreußens. Es waren die erschütternden Tatsachen des furchtbaren Krieges.

Peter Chmiel aus Meerbusch sprach zum Thema „Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag aus historischer und völkerrechtlicher Sicht.“ Es gab viele offene Wunden nach dem Ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag. Der Weg zum Nachbarschaftsvertrag nach der politischen Wende begann 1989/1990. Beim deutsch-polnischen Versöhnungsprozess und die Auseinandersetzung um die Grenz- und Eigentumsfrage zwischen Deutschland und Polen zum vereinten Europa gibt es Empfindlichkeiten, Rück-schläge und Risiken.

Insa-Mareike Rega aus Kassel sprach über „Die sowjetische Neubesiedlung des nördlichen Ostpreußens bis 1950.“ Rega arbeitete bei der Deutschen Kriegsgräberfürsorge im Königsberger Gebiet. Sie war lange Zeit dort. 1944−46 fand die sowjetische Besatzung statt und die Eingliederung des nördlichen Ostpreußens in die Sowjetunion. Es begann die Umbenennung der Städte Ostpreußens und die gezielte Anwerbung russischer Bürger für das nördliche Ostpreußen. Alfred Czesla aus Allenstein wurde krank so dass Uta Lüttich sein Referat vorgelesen hat zum Thema „Die deutsche Minderheit in Ost- und Westpreußen. Entwick-lung, Struktur und Perspektiven“. Die verschiedenen Vereine unterstehen einem Dachverband. Sie haben ganz verschiedene Namen und eigene Satzungen. Es reisen immer weniger Menschen nach Deutschland aus und einige kehren wieder zurück nach Polen. Die Identität der deutschen Minderheiten beinhaltet die deutsche Sprache, Lieder, Sitten und Bräuche. In vielen Städten werden die deutschen Friedhöfe gepflegt wie in Danzig, Stettin, Allenstein, Treuburg, Lyck und Goldap. Wohltätigkeit und Pflege für Alte, Kranke und sozial Schwache wird durchgeführt. Es wurden partnerschaftliche Kontakte zu Deutschland geschlossen.

Nach allen Referaten wurde lebhaft diskutiert und wurden Erfahrungen ausgetauscht. Uta Lüttich ist eine intelligente, warmherzige, fabelhafte Leiterin des kulturhistorischen Seminars für Frauen. Zur täglichen freundlichen Begrüßung gab es von ihr einen sinnvollen Tagesspruch. Nach dem Frühstück waren alle zur Morgengymnastik eingeladen, durchgeführt mit viel Schwung von Vera Pallas. Die Referate waren sehr hörenswert und spannend. Die Teilnehmer erfuhren viel Neues und konnten ihr Wissen über die Heimat Ostpreußen bereichern und werden es mit Freude weitergeben.

Am Abend wollte das Plachandern wollte kein Ende nehmen. Am letzten Abend wurden Sketche, Gedichte und Geschichten zu Gehör gebracht, wohlbekannte Volkslieder gesungen, musikalisch unterstützt von Irena Szubzda, die von Lyck nach Bad Pyrmont gekommen war. Am Abreisetag verabschiedeten sich alle mit herzlichen Umarmungen. Die meisten Teilnehmerinnen sind schon seit vielen Jahren freundschaftlich miteinander verbunden. Im Jahr 2014 wird das Seminar für Frauen vom 3. bis zum 7. November im Ostheim in Bad Pyrmont durchgeführt. Dazu sind alle Frauen ganz herzlich eingeladen.

Hannelore Kedzierski geb. Marczian, Mitglied und Schriftführerin der Kreisgruppe Limbach/Oberfrohna


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